WERBUNG

Mark Higgins. Der echte James Bond am Steuer.

Ein letztes Mal rettet Daniel Craig als James Bond erneut die Welt und wieder sitzt er in den heißen Schlitten von Aston Martin. Doch wenn es brenzlig wird, übernimmt besser Mark Higgins das Steuer.

Reifen quietschen, Schüsse fallen und Menschen springen zur Seite. Wenn James Bond im neuen Film „Keine Zeit zu sterben“ im historischen Aston Martin DB5 Verbrecher verfolgt, haben diese meist keine Chance. Gegner kommen weder an das fahrerische Können von 007 heran, noch an seine Dienstwagen. Actionkino vom Feinsten. So läuft das schon seit über 50 Jahren. Gute Dinge müssen sich einfach nicht ändern.

Doch auch wenn auf der Leinwand Daniel Craig als 007 im Film zu sehen ist, hinterm Lenkrad sitzt bei den gefährlichen Szenen ein anderer: Mark Higgins, professioneller Rallye-Fahrer und persönlicher Stuntfahrer von Daniel Craig. Im Dienst seiner Majestät greift der Brite nun zum vierten Mal mit seinem Können ins Geschehen ein – und hat dabei viel zu tun. Ein Mann mit schnellem Gasfuß und vielen Talenten. 

„Keine Zeit zu sterben“ ist der fünfte James Bond-Film mit Daniel Craig – und einer der actiongeladensten. Mit dabei wieder Autos von Aston Martin, dieses Mal vier verschiedene Modelle: Neben dem brandneuen Supersportwagen DBS ein historischer Vantage V8, eine Studie des Hypersportwagens Valhalla und der DB5. Ein ganz besonderes Modell.

Im ersten James Bond Film „Goldfinger“ steigt Sean Connery in einen DB5, danach in „Thunderball“ (1965), „GoldenEye“ (1995), „Tomorrow Never Dies“ (1997), „The world is not enough“ (1999) „Casino Royal“ (2006), „Skyfall“ (2012), „Spectre“ (2015) und nun in „No time to die“. Immer mit an Bord: Lebenswichtige Extras wie Schleudersitz, Maschinengewehr, Wechselkennzeichen, Reifenschlitzer und Rammstoßstangen – wer wünscht sich das nicht im Alltag?

Für Fans der Agenten-Serie gehört der DB5 zu James Bond wie sein maßgeschneiderter Smoking. Denn der DB5 spiegelt ideal die Charaktereigenschaften von James Bond wider: Stil, Prestige, Kraft, Schnelligkeit, Risikobereitschaft und Gewieftheit – Auto und Bond sind wie füreinander geschaffen. Für solvente James-Bond-Fans legt Aston Martin den Agenten-DB5 in einer Kleinserie neu auf, natürlich mit Gimmicks wie Nebelmaschine, kugelsicherem Schutzschild und drehbarem Kennzeichen – für etwa 3,05 Millionen Euro.

Auch wenn James Bond nicht immer seine Grenzen kennt – auch beim Budget – so kennen das zumindest die Produzenten. Statt den heute mindestens eine Million Euro teuren originalen DB5 beim Dreh zu verheizen, setzt die Crew auf acht Stuntfahrzeuge. Die per Handarbeit aufgebauten Coupés waren zwar auch nicht ganz billig, sind aber immer noch günstiger als ein originales Auto aus den 1960er-Jahren. Von außen gleichen sie dem Original bis auf das letzte Lackpigment. Doch unter der eleganten Karosserie steckt Rallyetechnik vom Feinsten: Als Antrieb dient ein Motor eines BMW M3 mit über 300 PS, die stehenden Pedale stammen von einem Rallyefahrzeug, ebenso wie das Fahrwerk mit Dämpfer, Federn und Bremsen. Ein Überrollkäfig und eine Sechspunkt-Gurtanlage schützen den Fahrer.

Der Motor startet über einen kleinen Schalter in der Mittelkonsole. Ein Druck genügt und sofort ertönt ein satter Sechszylinder-Sound aus die Edelstahlauspuffanlage. Kurz das Kupplungspedal ganz links voll durchtreten und den ersten Gang des BMW-Getriebes über den BMW-Handschalter einlegen. Schon auf den ersten Metern scheppern die leichten Türen, die Seitenscheiben fangen an zu vibrieren und der DB5 Stuntwagen stürmt direkt los. Kurz Zwischengas und der nächste Gang des manuellen Sechsgang-Getriebes liegt an. Im kargen Innenraum wird es sofort laut und heiß – mit Smoking würde es sofort unbequem. Vor der ersten Kurve kurz anbremsen, runterschalten und wieder voll aufs Gas. Die Lenkung arbeitet direkt, fast schon nervös, bei zu viel Antrieb schert das Heck sofort aus, ebenso wie bei plötzlichem und hektischem Gasgeben – ein puristisches Arbeitsgerät für Geheimagenten – oder Rallye-Fahrer.

Um den Aston Martin Stuntwagen leicht in den Drift zu heben, braucht Mark Higgins nur kurz am langen Hebel der Fly-off-Rallye-Bremse zu ziehen – schon blockieren die Hinterräder und der DB5 geht quer. Spektakulär. Die Karosserie besteht vollständig aus Carbon, das ganze Fahrzeug wiegt nur 1.000 Kilogramm. „Zusammen mit dem starken Motor konnten wir Dinge mit dem Wagen anstellen, die mit dem Original niemals möglich gewesen wären“, grinst Mark Higgins, während er wild am Lenkrad dreht und weiter Gas gibt. Er muss es wissen.

Higgins Namen bringen Rallye-Fans in England direkt mit der Isle of man Tourist Trophy in Verbindung. Er knackte vor fünf Jahren den Streckenrekord für Autos auf der Strecke mit über 60 Kilometern auf öffentlichen Straßen. Ohne Auslaufzonen. Durch kleine Dörfer. Links und rechts nur Häuser oder Mauern. Bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 270 km/h. Wer auf der TT einen Rekord hält, der hat entweder mit seinem Leben abgeschlossen, ist Bullit-Proof oder ein verdammt guter Fahrer.

Für Mark Higgins gilt Letzteres. Seine Leidenschaft für Geschwindigkeit, Autos und James Bond reicht weit zurück. Als Achtjähriger sieht er erstmals einen James-Bond-Film, Moonraker – streng geheim, und ist, wie jeder kleine Junge, vom Geheimagenten fasziniert. „Vor allem der DB5 hat mir sehr gut gefallen. Elegant, schnell und mit den Extras für jede Situation gewappnet“, sagt Higgins. Mit zwölf Jahren fährt der heute 50-Jährige sein erstes Kart-Rennen, tritt danach immer wieder bei Wettbewerben an. Nach der Schule wird er Versicherungsmakler, um ein sicheres Einkommen zu haben – Risiko liegt ihm nicht wirklich.

Sein Büro liegt unter dem eines Rallye-Veranstalters, bei dem alle möglichen Leute der Szene ein- und ausgehen. Mark Higgins passt einige davon im Flur ab, bequatscht sie und erhält tatsächlich von einem seinen ersten Sponsoren-Vertrag, um bei britischen Rallys zu starten. Die nächsten Jahre pflügt er bei vielen Rennen mit seinem Rallye-Autos in Großbritannien Äcker und Wälder um, markiert mit den Reifen einige Straßen in England. Dreimal wird er britischer Rallye-Meister.

Durch Zufall lernte er bei Film- und Fernsehaufnahmen Ben Collins kennen – besser bekannt als „The Stig“, der niemals ohne Helm gezeigte Rennfahrer von BBC Top Gear. Collins fragt Higgins, ob er nicht Zeit und Lust auf einen Filmdreh hat. Denn Higgins als Rallyefahrer wäre für die Szene ideal: die Verfolgungsjagd durch einen Steinbruch in „Ein Quantum Trost“. Seitdem gehört Higgins zur Crew.

In „Skyfall“ lenkt er den Land Rover, den im Film Miss Moneypenny fährt, bei einer sehr langen Verfolgungsjagd mit einem Motorrad und einem Zug. „Aus dem Zug flogen plötzlich ein paar andere Autoteile, denen ich direkt ausweichen musste. Das war heikel und sieht im Film leichter aus, als es in Wirklichkeit war“, erinnert sich Higgins. In „Spectre“ vertritt er Daniel Craig vor der Kamera, den er seitdem sehr schätzt. Er sei ein cooler Typ und ein guter Fahrer. „Daniel fährt schnell und sicher. Doch bei den Aufnahmen geht es vor allem um Präzision, das beherrschen wir Rallyefahrer deutlich besser“, sagt Mark Higgins. Ein Stuntfahrer muss immer beobachten, welche Kamera ihn gerade aufnimmt, gleichzeitig auf die anderen Schauspieler, Statisten und Mitarbeiter achten.

Im Gegensatz zum Rallyefahren kommt es bei Stuntfahrten aber nicht auf Schnelligkeit an, sondern auf spektakuläre Bilder. „Bei Rallyes lernst du, auf allen Untergründen schnell und sicher zu fahren, das schult. Allerdings drifte ich dort selten, weil es Zeit kostet, im Film sieht es aber cooler aus“, sagt er. Auch sei die Geschwindigkeit am Set deutlich geringer als bei einem Wettbewerb. „Sicherheit hat oberste Priorität, daher fahren wir nie am Limit, sondern halten ein üppiges Sicherheitspolster bereit“, sagt er. Eine Arbeit, die hohe Konzentration verlangt. Zeit zum Denken bleibt da wenig. Er muss intuitiv und richtig handeln.

Generell verschlingen Filmaufnahmen viel Zeit. Rund sieben Wochen dreht das Team alleine in dem kleinen Ort Matera in Italien für rund zehn Minuten Szene im Film. Das Kopfsteinpflaster dort war glatt wie Eis, so dass die Filmmannschaft Coca-Cola im Wert von 60.000 Euro auf die Straße kippte, damit die Reifen der Autos besser hafteten. „Die Location sieht toll aus, auch wenn ich nicht viel Zeit hatte sie zu genießen, da ich den ganzen Tag im Auto saß. Für jede Szene haben wir vorher genau ausprobiert, ob alles funktioniert, bevor wir gedreht haben“, sagt Mark Higgins.

Von den acht Replikas sitzen bei zweien Gatling-Kanonen hinter den Scheinwerfern – die auch ballern. „Fast alles, was man im Film sieht, haben wir auch so gedreht, das ist echte Action und nicht bloß animiert“, erklärt Higgins. Bis auf ein paar Kratzer blieben die Autos alle ganz – die fetten Kratzer und Dellen auf dem DB5 sind nur auf eine transparente Folie gedruckt. James Bond und die britische Regierung sind ihm bis heute dankbar.

Seine Lieblingsszenen im Film: die Verfolgungsjagd in Schottland, was im Film Norwegen sein soll. Bond wird von einer ganzen Horde Land Rover Defender gejagt. „Aber am coolsten waren die Szenen in Italien mit dem alten DB5 und der historischen Stadt“, sagt Mark Higgins. Dort jagt er mit dem DB5 auf die Straße, dass die Reifen quietschen, Schüsse fallen und Menschen zur Seite springen müssen. So wie es eben in einem guten James-Bond-Film zugehen muss.

TEXT Fabian Hoberg

LESENSWERT.