Super-Bowl-Spots 2020.

Das Finale der Amerikanischen Fußball-Liga ist gelaufen - und über 100 Millionen Zuschauer haben alleine in den USA das Spektakel im Hard-Rock-Stadion in Florida auf dem Bildschirm betrachtet. Seit vielen Jahren tobt auch eine Werbeschlacht um die besten, lustigsten und anspruchsvollsten Werbestreifen, mit denen der Football-Zirkus aufgelockert wird.

Neben den Spots von Firmen wie Amazon und Google oder dem Waschmittel Tide wurde es heuer sogar politisch: Nachdem der milliardenschwere Medienzar Michael Bloomberg einen Slot eingekauft hat, den er dem Kampf gegen Donald Trump widmete, konterte der US-Präsident mit zwei eigenen Streifen.

Zu den profiliertesten Beiträgen gehören regelmäßig die Werbespots der Autoindustrie, die mit enormem Aufwand produziert werden und meist schon vorab angeteasert werden. Heuer traten – in alphabetischer Reihenfolge – Audi, Genesis, Hummer, Hyundai, Kia, Jeep, Porsche und Toyota bei dem Super Bowl auf. Wir haben uns die Spots angesehen.

Audi: Eine elektrische Zukunft

Die puppenhafte Schauspielerin Maisie Williams, bekannt aus der Serie „Game of Thrones“, steckt mit ihrem elektrischen Audi e-Tron Sportback im Stau fest, umgeben von Muscle Cars der 70er- und 80er-Jahre. Die Temperatur: „Acht Grad über normal.“ Ob daran die bösen Verbrennungsmotoren schuld sind? Maisie hat jedenfalls genug: Sie intoniert den kitschigen Song „Let it Go“ aus dem Disney-Film „Frozen“ und lässt den Verkehr schnurstracks hinter sich. „Lasst uns in eine nachhaltigere Zukunft fahren“, doziert Audi zum Abschluss. Doch dieser Spot animiert nicht unbedingt dazu.

Genesis: Luxus in neuer Form

Supermodel Chrissie Teigen hat genug von „altem Luxus“ und lässt es sich auf einer Party nicht nehmen, die entsprechenden Exponenten auf den Arm zu nehmen – etwa eine Frau mit aufgespritzten Lippen oder eine, die „in Asien war und sich jetzt für spirituell hält“. Doch ihr Mann, der R&B-Sänger John Legend, der den Kontrapunkt setzen soll, will einfach nicht kommen. Schließlich taucht er im neuen Genesis GV80 auf. Chrissie kann ihm die Verspätung nicht wirklich übelnehmen, die beiden rauschen ab – und lassen „alten Luxus“ hinter sich. Ein witziger Spot mit einem phantastischen Auto.

Hummer: Rückkehr einer brutalen Marke

Absolute Dominanz: Das ist die Botschaft der GM-Marke mit dem militärischen Hintergrund, die eine elektrische Renaissance erleben soll. 1000 PS, knapp 15 600 Nm Drehmoment, 0 auf 100 in 3 Sekunden: All das soll es flüsterleise geben. „Elektrisch, null Emissionen, keine Limits“, intoniert Basketball-Legende LeBron James in einer Stimme, die keinen Widerspruch duldet. Die Ästhetik des Streifens ist düster und monochrom. In den Internet-Foren amüsiert man sich unterdessen über das angekündigte Drehmoment, das jedenfalls nicht am Motor anliegen dürfte und sich damit in Wahrheit nicht sehr von den aktuellen Dieselmodellen unterscheiden dürfte. Aber vielleicht hat die E-Mobilität solche Tricks einfach noch nötig.

Hyundai: Überraschung beim Einparken

Die Parklücke ist klein, und weder die Freunde auf dem Bürgersteig noch der Hund glauben, dass der neue Hyundai Sonata hineinpasst. Doch der Fahrer zeigt es allen: Per Fernbedienung schafft es das Auto mit dem „Smart-Park“-System von alleine in die halb zugeparkte Lücke. Witziges Detail: Der Spot spielt in Boston, die vier Protagonisten haben Bezüge dorthin, und der Text wird in breitem Bostoner Dialekt vorgetragen: „Smaht Pahk.“ Ein hübscher Spot für ein elegantes Auto, das es leider nicht in Europa geben wird.

Kia: Gefühlig, doch ohne Aussage

Am Steuer des neuen Kia Seltos fragt sich der in Armut aufgewachsene Josh Jacobs, welchen Rat er sich erteilen würde, wenn er sich als Kind begegnen würde. Seine Weisheiten: Härter sein, sich fordern. Genau dies hat Jacob getan – ganz ohne Zeitreise, weshalb er heute einer der erfolgreichsten Fußballspieler der USA ist und eigentlich keinen Kia Seltos fahren muss. Was der Spot mit dem erstaunlich konventionell gezeichneten Kompakt-SUV zu tun hat, bleibt offen.

Jeep: Humorvoller Boomer-Streifen

Und täglich grüßt das Murmeltier: Jeep stellt den Film nach, in dem der Schauspieler Bill Murray so lange dazu verdammt ist, den gleichen Tag wiederzuerleben, bis er zu einem besseren Menschen geworden ist. In der einminütigen Super-Bowl-Variante ist dabei unübersehbar der neue Jeep Gladiator plaziert, auf den sich Murray nunmehr jeden Tag aufs neue freut. Die Neuinterpretation des fast 30 Jahre alten Streifens dürfte vor allem der Boomer-Generation das Herz erwärmen.

Porsche: Flucht im Taycan

So leise ist der Porsche Taycan (immerhin Deutsches Auto des Jahres), dass der Raub im Porsche-Museum erst spät bemerkt wird. Unverzüglich macht sich die multikulturelle Sicherheits-Truppe in einer Phalanx aus Exponaten auf den Weg, um die Elektro-Limousine zu stellen. Doch das gelingt erst mit einer Straßenblockade, denn schneller als der Taycan ist natürlich kein anderer jemals gebauter Porsche, und auch der Ladezustand der Batterie reicht offensichtlich für die fröhliche Rücktour aus.

Toyota: Gerettete Helden

Eine detonierende Chemiefabrik, ein von Banditen überfallener Farmer, ein furchterregendes Monster: In jeder dieser Szenen opfert sich ein Held, weil im Löschtransporter, auf dem Pferd oder auf dem Motorschlitten kein Platz mehr ist. Doch jedesmal naht unverhoffte Rettung in Form eines Toyota Highlander: „Ich habe Platz,“ so die Fahrerin amüsiert. In der letzten Szene „rettet“ sie ihren eigenen Sohn, der aufopferungsvoll in einer verregneten Nacht auf einen Platz im Taxi verzichtet hat: „Steig ein, Brian.“ Man weiß eben nie, wofür die großzügigen Raumverhältnisse in diesem SUV gut sind.


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