Fritz Wagner. The Godfather of M1.
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Ortstermin südlich von München: An einem wunderschönen, sonnigen Tag im Spätherbst machen wir uns auf den Weg ins bayerische Alpenvorland nach Kolbermoor. Dort soll ein BMW M1-Kenner mit umfassender Sammlung ansässig sein. „Der Fritz ist ehemaliger Rennmechaniker und hat euch bestimmt einiges zu erzählen, da müsst ihr unbedingt hin!“, so jedenfalls die Empfehlung eines Hamburger M1-Besitzers, den wir neulich beim Oldtimer-Grand-Prix getroffen haben. Das klingt mehr als interessant, ab die Autobahn!

Die ganze Fahrt sind wir schon auf Fritz Wagner und seine Sammlung gespannt, malen uns aus, wie die Procar-Boliden in Reih und Glied stehen und Fritz mit Staubwedel und Politur die M1 wienert.

Ankunft. Der erste Eindruck ist überwältigend! Wenn man Fritz‘ Hof betritt, denkt man, man wäre bei den Ludolfs gelandet. Zwischen Einkaufwagen, alten Fahrrädern und diversem anderen Krempel liegen unzählige Autoteile verstreut.

Erst beim zweiten Blick realisiert man, welche Raritäten hier „vergraben“ sind. Eine M1-Heckverkleidung lehnt zwischen Mülltonnen an der Hauswand, dazwischen Sperrholz gefolgt von drei Stoßfängern. Ausrangierte Türen und Felgen, die schon seit Jahren im Freien liegen, sind der Witterung ausgesetzt. Die wertvollen Teile stehen jedoch gut geschützt in mehreren umliegenden kleinen Hallen, Garagen und anderen Nebengebäuden. Ein alter Holzschrank, in dem sich buchstäblich die Zylinderköpfe stapeln, in der Regalwand gegenüber liegen Einspritzpumpen und Lichtmaschinen bereit. Darüber und dazwischen Pokale, Plakate, unzählige Fotos und Zeitungsberichte aus der goldenen Zeit des Motorsports. Einen Raum weiter stoßen wir auf ein Dutzend frisch aufgebaute Motoren, Getriebe und Achskomponenten. Egal, in welche Ecke man auch schaut, man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Die totale Reizüberflutung!

Und dann wären da noch die Autos! Wohl elf Stück mehr oder weniger komplette M1 zählen wir. Wie viele es wirklich sind, lässt sich nicht genau ermitteln, da einige nur in Fragmenten vorhanden sind. Fritz‘ ganzer Stolz ist ein silberner M1 mit der Rahmennummer 1. Es ist der erste von fünf Prototypen, die von Lamborghini gefertigt worden ist, die anderen 4 wurden damals bei Crashtests zerstört. Nummer 1 überlebte aufgrund eines technischen Ausfalls und fand so über Umwege den Weg in Fritz‘ Hände.

Doch wie begann eigentlich alles? Als leidenschaftlicher Mechaniker und Motorsportfan kommt Fritz Wagner Ende der 70er beim privaten Rennteam Cassani Racing erstmalig mit dem M1 in Berührung. Von da an gibt es kein Halten mehr! „Der BMW M1 ist das spektakulärste Auto, das jemals gebaut wurde. Es ist zeitlos schön, charakterstark und perfekt konzeptioniert“, schwärmt der sympathische Bayer.

Im Jahre 1979 startet im Rahmen der europäischen Formel-1-Rennen die „BMW M1 Procar Championship“, bei der sich die besten fünf Formel-1-Piloten des Freitagstrainings gegen bekannte Größen der GT- und Tourenwagen mit baugleichen BMW M1 stellen. Und so kam es dazu, dass Fritz plötzlich die M1 von Hans-Joachim Stuck, Christian Danner und Manfred Winkelhock präparieren darf. Selbst steigt Fritz Wagner allerdings nicht ins Cockpit: „Man kann sich nur auf eins konzentrieren: Fahren oder Schrauben.“ Neben der Schrauberei beginnt Fritz nach und nach Teile aus verunfallten Fahrzeugen zu sammeln. Später kommen dann auch ganze M1 dazu. Nach Beendigung der Rennserie interessiert sich kein Schwein für die Autos. So gibt es das Inventar ganzer Rennteams zum Schleuderpreis. Auch BMW löst seine Lager auf. Ein Glückstreffer für Fritz! Er kauft alle Originalteile auf, lagert sie bei sich ein, und die Jahre vergehen.

Mittlerweile ist Fritz ein gefragter Mann, schließlich ist der M1 zum einen als Motorsport-Ikone wieder auferstanden und zum anderen eine begehrte Wertanlage. Doch von letzterer will Fritz nichts wissen: Versnobte Hobbyrennfahrer mit dicker Brieftasche brauchen sich bei ihm erst gar nicht blicken zu lassen. Anderen M1-Enthusiasten aus alten Zeiten hilft er jedoch gerne weiter, wenn das eine oder andere Teil ausgetauscht werden muss. Auch die ehemaligen Fahrer schauen noch regelmäßig auf einen Kaffee in Fritz‘ Wohnküche vorbei.

Doch den Spaß an der Rennstrecke lässt er sich auch nach knapp 40 Jahren nicht entgehen. Beim Revival der Gruppe-5-Rennwagen des AvD-Oldtimer-Grand-Prix ist Fritz mit einem seiner Rennwagen regelmäßig vertreten und schraubt hingebungsvoll wie in alten Zeiten. Letztendlich will ein M1-Procar mit 800-Turbo-PS auch von fachkundiger Hand betreut werden!

TEXT Alex Böhm
FOTOS Marcus Krüger

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