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Kaufberatung Dodge Viper. Ein Ungetüm als Klassiker.

Kaum ein Seriensportwagen der vergangenen 40 Jahre war so martialisch, so urwüchsig und so schamlos amerikanisch wie die Viper, die seit Anfang der 1990er Jahre unter den beiden Marken Chrysler und Dodge verkauft wurde. So langsam wird der spektakuläre US-Sportler zum gefragten Klassiker.

Gibt es einen amerikanischeren Sportwagen als die legendäre Corvette, oder den über Jahrzehnte beeindruckenden Ford Mustang? Beide haben einzigartigen Historien und eine Fangemeinde, die amerikanischer kaum sein könnte. Doch kein US-Sportler ist derart Angst einflößend wie die Dodge Viper.

Kein Auto für Jungs oder gar Frauen, sondern für vermeintlich harte Typen, die die Westernstiefel und die Jeanskutte im Schrank liegen haben. Let’s go wild! Ende der 1980er Jahre hatte kaum jemand gedacht, dass die Studie der Viper RT/10 Concept jemals Realität auf öffentlichen Straßen werden könnte – gerade auch in Europa. Das bullige Sportwagendesign mit stechenden Schlitzaugen war schlicht einzigartig und das Antriebskonzept mit dem gewaltigen V10-Saugmotor stand dem Aussehen in kaum etwas nach.

Ein Rennwagen für die Straße, der seinen Namen Viper zu Recht trug, denn diese Viper machte bereits im Stand jede Menge Angst. Ein Auto, dass neben seiner nicht enden wollenden Motorhaube aus kaum mehr bestand als einem V10-Triebwerk, Lenkrad, einer gigantischen Auspuffanlage und zwei nur mäßig bequemen Sitzplätzen, die gefühlt auf der Hinterachse befestigt waren.

Kein Wunder, dass sich die Viper gerade in ihrer ersten Generation so fuhr, wie sich der nackte Ritt auf einer Kanonenkugel anfühlen muss. ABS, ESP oder eine Traktionskontrolle? Von wegen! Das Serienmodell von 1992 sah dann auch kaum anders aus als die Studie von 1989 – das neue amerikanische Muscle Car war geboren und stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Größer konnte der Gegensatz zu den ab Mitte der 1980er Jahre im die Vereinigten Staaten einfallenden Japan-Limousinen von Toyota, Mazda oder Nissan kaum sein. Gerade als GTS Coupé schaffte er den Sprung auf die internationalen Rennstrecken, wurde Indy-Pacecar und in einigen GT-Rennserien eingesetzt, wo zumeist die Konkurrenz fehlte, denn derart viel Power hatte kaum ein anderer Bolide. Durch die Stahlrohrkonstruktion mit glasfaserverstärktem Kunststoff war die Karosserie gerade für den Rennbetrieb und etwaige Fremdkontakte vergleichsweise leicht zu erneuern und nachzuschärfen.

Im Laufe der Jahre wurde die brachiale Dodge Viper, die gerade in Europa mitunter als Chrysler Viper RT/10 angeboten wurde, immer stärker und schneller. Aus den anfänglichen 394 PS holte der acht Liter großer Zehnzylinder als brachiales Ungetüm zunächst 420 und dann bis zu 456 PS heraus. Die Höchstgeschwindigkeit stieg im Laufe der Jahre von knapp 270 auf fast 300 km/h. Mut braucht es allemal, mit dem amerikanischen Donnervogel über Autobahnen oder gar Rennstrecken zu heizen.

Obligatorisch blieben Dank schamlosem V10-Triebwerk, der brüllende Klang und eine knochige Sechsgang-Handschaltung auf dem fast schon unanständig breiten Mitteltunnel. Die Targa- oder Roadsterversion ist mit geöffnetem Dach gut zu fahren. Die Mützenkonstrution selbst ist bei Gebrauchtwagen nach all den Jahren zumeist alles andere als dicht und mutiert bei höheren Geschwindigkeiten zur Spaßbremse. Da kann man das Dach auf gleich auflassen und sich durchfönen lassen.

Für viele Fans ist nur die erste Viper-Generation, von 1992 bis 1998 in der Conner Avenue Assembly Fabrik produziert, die echte Viper. Einen gewaltigen Sprung machte die rasende Schlange hingegen ab 2003 in der zweiten Auflage, bei der die Qualität deutlich verbessert, das Fahrverhalten leichter kalkulierbar wurde und die Motorleistung Dank der Hubraumerweiterung auf 8,3 Liter auf 506 PS und gewaltige 711 Nm stieg. Die offene Roadstervariante schaffte trotz strammer Stoffmütze fast 310 km/h Spitze; die nur in den USA angebotene GTS-Coupéversion mit ihrem 8,4 Liter großen V10-Triebwerk erreichte später Dank 612 PS sogar über 320 km/h. Keine Marktrelevanz in Europa hat die ab Anfang 2013 verfügbare dritte Generation der Viper SRT, deren 8,4-Liter-V10 649 PS leistete und wegen geringer Nachfrage 2017 eingestellt wurde.

Welche Variante es auch immer ist – der Vortrieb des V-10-Aggregats ist brutal. Omnipotent drückt der Dodge seine maximal zwei Insassen in die Sitze und die Gesichtszüge scheinen beim Beschleunigen zu entgleiten. Die Geschwindigkeit ist nicht allein an vorbeifliegenden Autos, Blumen oder Häuserzeilen zu ermessen. Dreht das Aggregat erst einmal über die 3.500 U/min-Marke, kann man sein Wort in dem Roadster kaum noch verstehen. Das Soundsystem kann man getrost ausstellen. Mächtige Explosionen unter der Haube pressen die 1,6 Tonnen schwere Viper unnachgiebig nach vorn. Das schlecht sitzende Cabriodach pfeift auch bei der zweiten Viper-Generation nervig im Hintergrund.

Das Angebot auf dem europäischen Gebrauchtwagenmarkt ist seit Jahren überaus dünn. Die meisten angebotenen Fahrzeuge sind die ab 2003 verfügbare Dodge Viper II, die mit überschaubaren Laufleistungen von zum Teil deutlich unter 60.000 km bei rund 50.000 Euro startet. Einige Modelle wurden aus den USA importiert oder schmerzhaft getunt. Gerade hier sollte man bei der Suche nach dem eigenen Traumboliden vorsichtig sein. In den USA sind Modelle ab rund 35.000 Euro zu bekommen – zuzüglich entsprechender Zoll-, Transport- und Umrüstungskosten.

Die Teileversorgung ist besser als von vielen gedacht – die US-Börsen liefern die meisten Teile problemlos und die Wartung ist kaum teurer als bei Massensportlern wie Corvette oder Ford Mustang. Besonders begehrt sind europaweit die GTS Coupé-Varianten der Viper, die je nach Laufleistung, Zustand und Motor schnell über 75.000 Euro kosten. Wer ein Fan von US-Cars ist, brüllenden Sound liebt und um jeden Preis auffallen will, ist bei der Chrysler / Dodge Viper genau richtig.

TEXT Stefan Grundhoff für WALTER

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