Kaum ein Modell prägt das Geschäft von Brabus so stark wie die G-Klasse. In den Werkshallen stehen regelmäßig mehr Exemplare des Geländewagens als von jedem anderen Fahrzeug. Das Angebot reicht von Leistungssteigerungen und breiten Karosserieumbauten bis zu Pick-ups mit drei Achsen. Mit dem 800 Cabrio kommt nun die auffälligste Variante hinzu.
Als Basis dient die aktuelle Mercedes-AMG G 63. Brabus entfernt einen großen Teil des festen Dachs und ersetzt ihn durch ein elektrisch betätigtes Stoffverdeck. Windschutzscheibenrahmen und eine feste Querstrebe hinter den Rücksitzen bleiben erhalten, um der Karosserie ausreichend Steifigkeit zu geben. Streng genommen ist der offene G deshalb eher ein Targa als ein klassisches Cabriolet.
Das Dach besteht aus rund 500 neu entwickelten Bauteilen und öffnet sich auf Knopfdruck in etwa 20 Sekunden. Die gläserne Heckscheibe verschwindet gemeinsam mit dem Verdeck hinter den beiden Einzelsitzen im Fond. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich großzügiger Dachausschnitt, ohne dass die charakteristische Silhouette der G-Klasse vollständig verloren geht.
Breiter, lauter, offener
Zurückhaltung gehört nicht zum Konzept. Der bekannte Widestar-Umbau verbreitert die Karosserie deutlich, zahlreiche Anbauteile bestehen aus Carbon. Dazu kommen Räder mit bis zu 24 Zoll Durchmesser. In dieser Konfiguration ist der offene G weniger Geländewagen als rollende Bühne.
Unter der Motorhaube arbeitet der bekannte Vierliter-V8 mit zwei Turboladern. Brabus erhöht die Leistung auf 800 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 1.000 Nm. Über eine Neungang-Automatik gelangt die Kraft an alle vier Räder.
Trotz eines Gewichts von rund zweieinhalb Tonnen beschleunigt das 800 Cabrio in vier Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 240 km/h begrenzt. Brabus versichert, dass das Stoffdach auch bei diesem Tempo stabil bleibt. Der Normverbrauch von 17,1 Litern Super Plus je 100 Kilometer dürfte für die Käufer allerdings kaum ausschlaggebend sein.
Im Stadtverkehr hält sich der V8 zunächst überraschend zurück. Sobald die Straße frei wird und die Klappen der seitlich austretenden Abgasanlage öffnen, ändert sich der Ton. Das tiefe Bollern erreicht den Innenraum bei geöffnetem Dach nahezu ungefiltert. Dezent ist daran nichts, aber genau das dürfte erwartet werden.
Der Schub setzt früh und mit Nachdruck ein. Das hohe Gewicht verschwindet dabei nicht, wird vom Antrieb aber wirkungsvoll überdeckt. Selbst kurze Gasstöße reichen, um zu verstehen, weshalb Brabus das Fahrzeug auf 240 km/h begrenzt. Ein offener Geländewagen dieser Größe wird durch 800 PS nicht handlicher, nur sehr viel schneller.
24 Zoll sind nicht immer besser
Auf der Landstraße macht sich die maximale Radgröße stärker bemerkbar als die zusätzliche Leistung. Die 24-Zoll-Monoblockräder tragen vorn 295 und hinten 345 Millimeter breite Reifen. Auf glattem Asphalt funktioniert das eindrucksvoll, auf Spurrillen und Querfugen wird der Wagen jedoch unruhig.
Die Lenkung reagiert präzise, muss mit der breiten Bereifung aber ständig arbeiten. Auch der Federungskomfort leidet. Wer das 800 Cabrio tatsächlich auf längeren Strecken nutzen möchte, dürfte mit 22 oder 23 Zoll besser beraten sein. Der Auftritt verliert dadurch kaum, das Auto gewinnt jedoch an Ruhe.
Mit geöffnetem Dach bleibt es im Innenraum erstaunlich zugarm. Die feste Querstrebe hinter den Rücksitzen und die hohe Windschutzscheibe halten einen großen Teil der Luftbewegung von den Insassen fern. Für kühlere Tage stehen Sitzheizung und Nackenwärmer bereit.
Der Innenraum folgt dem üblichen Brabus-Programm. Leder, Alcantara und Carbon lassen sich nahezu frei konfigurieren. Die beiden Einzelsitze im Fond passen zum exklusiven Anspruch, schränken die Alltagstauglichkeit gegenüber der serienmäßigen Rückbank allerdings ein. Wer sich für dieses Auto entscheidet, dürfte den praktischen Nutzen ohnehin nicht an erste Stelle setzen.
Offene G-Klassen haben Tradition
Ein G-Klasse Cabriolet ist keine neue Idee. Bereits die frühen Baureihen wurden mit kurzem Radstand und offenem Aufbau angeboten, später entstanden verschiedene Militärversionen. Mercedes führte bis 2013 außerdem ein ziviles G-Klasse Cabriolet mit elektrischem Stoffdach im Programm. Gut erhaltene Exemplare des G 320 CDI und G 500 erzielen inzwischen Preise von bis zu 300.000 Euro.
Noch extremer fiel 2017 das Mercedes-Maybach G 650 Landaulet aus. Der 5,35 Meter lange Geländewagen kombinierte einen 630 PS starken V12 mit einem elektrisch öffnenden Dach über dem Fond und einer aufwendigen Maybach-Ausstattung. Von ihm entstanden 99 Exemplare zum damaligen Stückpreis von 750.000 Euro.
Das Brabus 800 Cabrio ist auf 50 Fahrzeuge begrenzt und mit 906.185 Euro nochmals teurer. Dafür erhält der Käufer kein vollständig offenes Cabriolet, sondern eine Mischung aus Targa, Luxus-Geländewagen und Hochleistungsumbau.
Spektakel statt Vernunft
Gemessen an klassischen Kriterien ergibt dieses Auto wenig Sinn. Es ist schwer, durstig, extrem teuer und mit den größten verfügbaren Rädern unnötig unruhig. Seine Qualitäten liegen an anderer Stelle.
Das 800 Cabrio macht aus der ohnehin auffälligen G-Klasse ein Ereignis. Der offene Innenraum, der kräftige V8 und die enorme Präsenz sorgen dafür, dass jede Fahrt mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als den meisten Menschen lieb sein dürfte.
Brabus baut dieses Auto nicht für die leise Reise und auch nicht für anspruchsvolle Geländepassagen. Es richtet sich an Kunden, denen eine normale G-Klasse längst zu gewöhnlich geworden ist. Für sie gibt es nun 800 PS, ein Stoffdach und kaum eine Möglichkeit, unbemerkt anzukommen.
Technische Daten: Brabus 800 Cabrio
- Motor: V8-Biturbo
- Leistung: 800 PS
- Maximales Drehmoment: 1.000 Nm
- Beschleunigung 0–100 km/h: 4,0 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
- Antrieb: Allrad
- Getriebe: Neungang-Automatik
- Normverbrauch: 17,1 l/100 km
- Preis: 906.185 Euro