Ganz neu ist der Gedanke eines Flachbaus nicht. Bereits in den 1980er-Jahren bot Porsche für den 911 Turbo der Baureihe 930 ab Werk eine entsprechende Variante an. Deren Front orientierte sich deutlich am Rennwagen 935 und verzichtete auf die typischen freistehenden Rundscheinwerfer des Elfers. Unter Porsche-Fans blieb dieser Look stets umstritten, gesucht sind die Fahrzeuge heute trotzdem. Insgesamt entstanden 948 Exemplare.
Die moderne Neuinterpretation feiert ihre Premiere im Rahmen der Monterey Car Week. Ausgangspunkt ist ein 911 GT2 RS der Generation 991.2 aus dem Jahr 2018 mit Weissach-Paket. Sein Besitzer ließ den Wagen über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren von Porsche umfassend umbauen.
Beteiligt waren unter anderem die Sonderwunsch Manufaktur, Entwicklungsingenieure, das Motorsport-Team und Manthey. Der Aufwand ging dabei weit über eine neue Karosserie hinaus.
„Unser Anspruch war es, die ikonische Optik des 935 neu zu interpretieren, ohne Kompromisse bei Sicherheit, Technik oder Straßenzulassung einzugehen“, erklärt Alexander Fabig, Leiter Produkt bei Porsche. Trotz der umfangreichen Änderungen wiegt das fertige Auto 31,6 Kilogramm weniger als der GT2 RS mit Weissach-Paket. Das ist durchaus bemerkenswert, schließlich war bereits das Ausgangsmodell konsequent auf Leichtbau ausgelegt.
Drei Prototypen für ein Einzelstück
Obwohl am Ende nur ein Fahrzeug entsteht, wurden für das Projekt drei zusätzliche Prototypen aufgebaut. Grund dafür waren die tiefgreifenden Änderungen an Aerodynamik und Karosseriestruktur. Porsche erprobte den Flachbau RS unter anderem auf der Nordschleife sowie auf der eigenen Teststrecke in Weissach.
Für die Gestaltung holte Porsche Grant Larson zurück. Der langjährige Designer hatte bereits jene moderne Interpretation des 935 gezeichnet, die 2018 zum 70-jährigen Markenjubiläum vorgestellt wurde. Von diesem nicht straßenzugelassenen Clubsport-Modell entstanden 77 Exemplare.
„Der neue Flachbau RS ist eine moderne, stimmige Neuinterpretation des ikonischen 935-Moby-Dick-Designs“, sagt Larson. Zentrales Element sei neben den flachen Kotflügeln die neue Scheinwerfer-Kaskade mit terrassenförmig angeordneten, schmalen LED-Einheiten.
Tatsächlich verändert die neue Front den Charakter des 991 erheblich. Die bekannten Rundscheinwerfer verschwinden vollständig. Stattdessen sitzen Fern-, Abblend- und Tagfahrlicht in drei schmalen LED-Modulen. Dazu kommen flache Kotflügel mit Luftauslässen sowie eine vollständig neu gestaltete Frontschürze.
554 Kilogramm Abtrieb am Heck
Auch aerodynamisch wurde der GT2 RS umfassend überarbeitet. Ein neuer Frontsplitter arbeitet mit der Unterbodenstruktur des Manthey-Kits und einem großen Heckdiffusor zusammen.
Am Heck sitzt ein mächtiger Flügel, dessen Gestaltung an aktuelle Porsche-Rennfahrzeuge erinnert. Er lässt sich manuell in drei Positionen einstellen, um den Abtrieb an unterschiedliche Streckenprofile anzupassen.
Zusätzlich tragen die Hinterräder eigens entwickelte Aerodiscs, die bei höheren Geschwindigkeiten den Luftwiderstand reduzieren sollen. Bei der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h erzeugt der Flachbau RS laut Porsche bis zu 554 Kilogramm Abtrieb allein an der Hinterachse.
Damit bleibt das Einzelstück technisch deutlich näher am GT2 RS als an einem reinen Designprojekt.
Innen fast Rennwagen
Trotz Straßenzulassung wurde auch der Innenraum deutlich reduziert. Rotes Alcantara, schwarzes Leder und Sichtcarbon bleiben erhalten, viele Verkleidungen sind jedoch entfallen.
Türverkleidungen, Konsolen und die Ablagen hinter den Sportsitzen wurden teilweise entfernt. Stattdessen bleiben zahlreiche Flächen sichtbar und sind weiß lackiert. Einzelne Bereiche, darunter die verlängerte Armauflage, erhielten Carbonverkleidungen. Selbst Teile des neu verlegten Kabelstrangs bleiben offen sichtbar.
Dadurch wirkt der Innenraum weniger wie der eines luxuriösen Supersportwagens und deutlich stärker wie ein straßenzugelassener Rennwagen.
Der Preis bleibt ebenso geheim wie die Identität des Auftraggebers. Fest steht nur: Aus einem ohnehin seltenen 911 GT2 RS ist ein Einzelstück geworden, das nicht versucht, den historischen 935 zu kopieren. Es greift dessen Idee auf und überträgt sie auf eine moderne GT2-RS-Basis – einschließlich jener flachen Front, die Porsche-Fans schon vor 40 Jahren in zwei Lager teilte.