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Porsche Taycan Turbo Sport Turismo. Fahrbericht.

Mit dem Taycan Sport Turismo bringt eine weitere Modellvariante des elektrischen Sportlers auf den Markt. Neben einer Tieferlegung der Karosserie ist vor allem spannend, was sich bei der Antriebstechnik getan hat.

Da versteh noch einer die Autobauer. Auf der einen Seite jammern sie über den geldverschlingenden Variantenreichtum, wollen deswegen die Modellpalette ausdünnen und jetzt bringt Porsche mit dem Sport Turismo die dritte Taycan-Variante auf den Markt. Und dann noch eine, bei der die Karosserie zwei Zentimeter tiefer liegt als beim Crossover-Taycan. „Das neue Derivat richtet sich an diejenigen, die die Alltagstauglichkeit des Taycan Cross Turismo mit der Onroad-Dynamik der Taycan Sportlimousine kombinieren möchten“, heißt es bei Porsche. Aha. Immerhin ist der Kombi oder Shooting Brake ein ansehnliches Auto.

Wir haben uns den Taycan Turbo Sport Turismo geschnappt und gleich mal einen Blick in die Preisliste geworfen. Der Kombi kostet mindestens 153.968 Euro und ist damit knapp 500 Euro günstiger als der Crossover. Wer also auf den angedeuteten Unterboden Schutz, die Radläufe in Offroad-Optik und die höher gelegte Karosserie verzichten kann, spart Geld.

Ein grundsätzlicher Unterschied wird beim Einstiegsmodell deutlich: Während es den Cross Turismo nur mit Allradantrieb gibt, bietet Porsche den Sport Turismo als reinen Hecktriebler an. Passt irgendwie zu Porsche und mit 240 kW / 326 PS Dauerleistung (300 kW / 408 PS Boost) ist man definitiv nicht untermotorisiert und legt mit 86.495 Euro deutlich weniger auf den Tisch.

Wenn man die Mehrausstattung in Betracht zieht, relativiert sich der Preisunterschied etwas. Das geht schon bei der Batterie los: Während die Basisversion mit dem kleinen 79,2 Kilowattstunden-Akkupaket zu haben ist, ist beim Turbo immer die „Performance Battery Plus“ mit 93,4 kWh brutto (netto 83,7 kWh) Kapazität verbaut. Damit einher geht eine maximale Ladeleistung von 270 kW im Vergleich zu 225 kW bei der Basisbatterie.

Da steht der Taycan Turbo Sport Turismo mit seiner Dauerleistung von 460 kW / 625 und Boost 500 / 680 PS ganz anders im Saft. Mit diesem Schub knackt der Taycan Turbo Sport Turismo nach 3,2 Sekunden die 100 km/h Marke und stürmt dann weiter bis 260 km/h. Der fahrdynamische Unterschied zum etwas höherbeinigen Crossover-Bruder ist im Grunde vernachlässigbar, sobald man sich dem Grenzbereich nähert, agiert der Sport Turismo aufgrund seines tieferen Schwerpunkts einen Schuss neutraler.

Also macht auch dieser Taycan viel, sehr viel Spaß, vor allem wenn es auf schneebedeckten Straßen vorangeht. Die Fahrmodi bleiben unverändert. Spaßpiloten lassen dem Heck mit Sport Plus etwas mehr Auslauf, ganz Mutige deaktivieren das ESP. Die guten und bequemen Sitze sind die Gleichen wie bei dem Schwestermodellen, bieten Seitenhalt, sind bequem und damit langstreckentauglich.

Das bringt uns zum Thema Verbrauch und vor allem Reichweite. Der Taycan Turbo Sport Turismo gönnt sich im Schnitt 24,2 kWh pro 100 Kilometer und kommt bis zu 491 Kilometer weit. Der Reichweiten-König bei der Sport-Turismo-Baureihe ist die 4S-Version mit bis zu 498 Kilometern, wenn die große Batterie verbaut ist. Zumal man mit diesem Modell mit maximal 390 kW / 530 PS gut aufgestellt ist. Die Reichweitenverbesserungen gehen mit einer Optimierung des Antriebsstrangs und dem Zusammenspiel der beiden E-Motoren einher.

Der Hebel, den die Techniker ansetzen, ist die Software. Grundsätzlich handelt es bei dem Allradantrieb der Taycan 4-Modelle um eine „On-Demand“-Version des Antriebs. Aufgrund neuer Algorithmen können die beiden PSM-Motoren (Permanent erregte Synchronmaschinen) innerhalb von 100 Mikrosekunden stromlos geschalten und genauso schnell wieder in Betrieb genommen werden.

Sobald möglich, nimmt das System jetzt den vorderen Elektromotor vom Netz und nicht mehr wie bisher die Heckmaschine. Das ist zum Beispiel auf der Autobahn oder Landstraßen der Fall, wenn das Streckenprofil eben ist und es geradeaus geht. Die schnelle Reaktionszeit, mit der die Elektromotoren ab- und angeschaltet werden können, eröffnet noch weitere Optimierungsmöglichkeiten bei anderen Fahrsituationen. Geht es auch nur leicht bergab oder nimmt der Fahrer den Fuß vom Gas, verabschieden sich beide Motoren und der Taycan segelt dahin.

Das blitzschnelle Agieren hilft auch beim Stopp-and-Go-Verkehr, denn auch da werden beide E-Maschinen in Sekundenbruchteilen unmerklich de- und wieder aktiviert. Bleibt zum Schluss noch die Frage, warum der Taycan 4S Sport Turismo der Reichweitenmeister der Modellreihe ist und nicht die rein heckgetriebene Basisvariante. Der Grund ist ein simpler: Es ist effizienter, zwei E-Maschinen mit je 50 Prozenten der Maximalleistung zu betreiben, als eine voll auszureizen.

Beim Platzangebot schenken sich der Sport und der Cross Turismo erwartungsgemäß nichts. Aufgrund der veränderten Dachlinie bietet die beiden Modellvarianten 45 Millimeter mehr Kopffreiheit, die einen deutlichen Unterschied machen, da so auch Erwachsene mit einer Körpergröße jenseits der 1,85 Meter nicht das Haupt einziehen müssen. Wer sich für das Glaspanoramadach entscheidet, gewinnt noch einmal zwei Millimeter. Das ändert nichts daran, dass die Beinfreiheit nicht zwingend XXL-Format hat. Das Gleiche gilt für den Kofferraum, der mit einem Fassungsvermögen von 405 bis 1.171 Liter ordentlich ist. Für Kleinkram gibt es mmerhin noch einen „Frunk“, also ein Gepäckfach vorne, in das zusätzlich 84 Liter passen.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

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