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Was steckt hinter Alcantara?

Gerade bei sportlichen Fahrzeugen werden Lederbespannungen an Sitzen und Verkleidungen mit Alcantara kombiniert. Doch was steckt hinter dem edlen Bezugsstoff aus Italien?

Wer in einer Luxuslimousine oder einem SUV oberhalb der Oberklasse unterwegs ist, der gönnt sich und seinen Mitreisenden zumeist Ledersitze, die sich oftmals klimatisiert, wohlig mit dem Körper der Insassen verbinden. 

Wird es sportlich oder ganz besonders exklusiv, kommt häufig Alcantara ins Spiel. Denn geht es um besonders wertige Innenräume, kommt weltweit kaum ein Hersteller an dem 1972 gegründeten Unternehmen aus Norditalien vorbei. Bestes Beispiel ist der noch junge Luxus-SUV Ferrari Purosangue. Ab Werk ist der Crossover mit seinem 725 PS starken V12-Saugmotor jedoch nicht mit Ledersitzen, sondern mit einer einzigartigen Alcantara-Ausstattung unterwegs, die in Sachen Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzt. 

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Die Innenausstattung besteht aus Kunststoffen, die zu 68 Prozent recycelt wurden. Von einigen Kleinteilen abgesehen ist der gesamte Innenraum des Purosangue mit dem edlen Kunstmaterial ausgeschlagen. Sitze, Verkleidungen, Innendach, Säulen oder Instrumententafel werden nur auf besonderen Wunsch mit Leder bezogen. 

„Der Bezug mit Alcantara hat Vorteile, die gerade für sportliche Fahrzeuge wichtig sind“, erläutert Marco Scuotto, Vertriebsleiter von Alcantara, „das Material ist nicht nur nachhaltig, sondern spart im Vergleich zu Leder rund die Hälfte des Gewichtes und lässt sich leicht reinigen.“ 

Japanischer Ursprung

Die Geschichte von Alcantara reicht zurück bis in die 1970er Jahre, als eine Gruppe von italienischen Wissenschaftlern und Ingenieuren begann, an einem Material zu forschen, das Leder in vielerlei Hinsicht überlegen sein sollte. Ihr Ziel war es, einen Stoff zu entwickeln, das die Optik und Haptik von Wildleder nachahmen konnte, aber gleichzeitig widerstandsfähiger, leichter zu pflegen und umweltfreundlicher war. Das Ergebnis war Alcantara, ein Mikrofaserstoff, der aus Polyester und Polyurethan besteht.

Alcantara wird durch ein aufwändiges Produktionsverfahren hergestellt, bei dem die Fasern so miteinander verwebt werden, dass sie eine Oberfläche mit ähnlichen Eigenschaften wie Wildleder erhalten. Diese Oberfläche ist weich, geschmeidig und angenehm im Griff, was es zu einer beliebten Wahl für die Verkleidung von Autositzen, Möbeln, Accessoires und Bekleidung macht. Interessant: Alcantara ging aus einem japanischen Patent hervor.

Das neue Material wurde vom ICEA (Istituto per la Certificatione Etica ed Ambientale) mit dem Nachhaltigkeitssiegel nach dem Recycled Claim Standard zertifiziert, was die einzelnen Komponenten von der Quelle bis zum Endprodukt verfolgt. Überhaupt ist der Purosangue der nachhaltigste Ferrari, den es je gab. 85 Prozent der Ausstattungselemente wurden nachhaltig produziert. So besteht der Dachhimmel zum Beispiel aus recyceltem Polyester oder die Teppiche aus Polyamid, das aus Fischernetzen recycelt wurde. Dadurch wird der Purosangue zum ersten Serienfahrzeug weltweit, in dem diese spezielle Version von Alcantara verwendet wird, die größtenteils aus recyceltem Polyester besteht. Weitere Marken sollen zeitnah folgen.

Ganz ähnlich sieht es im Innenraum des BMW XM aus oder an Lenkrad sowie Sitzen zahlreicher Sportwagen von Porsche, Lamborghini oder Alfa Romeo. Toyota bespannt die Sportsitze des limitierten Supra GT4 Plasma Orange und auch Lamborghini staffiert seinen mindestens 500.000 Euro teuren Supersportler Revuelto auf Wunsch mit einem Alcantara-Interieur aus. 

Noch spektakulärer als der bullige BMW XM mit seinem Innendach aus Alcantara präsentiert sich der Elektro-Sportler Alfa Romeo Stradale, eine Kleinserie von 33 Hochleistungssportwagen – im Innern ebenfalls mit Alcantara-Details. An Sitzen, Armaturenbrett, Türverkleidungen und Mitteltunnel gibt es eine exklusive Kombination aus Alcantara und Leder – wahlweise in den Farben Schwarz, Rot/Schwarz oder Blau/Schwarz. 

Doch Alcantara sieht nicht nur gut aus, ist an Lenkräder und auf Sitzflächen besonders griffig und edel, sondern eben auch nachhaltig. Das Unternehmen aus Mailand ist bereits seit dem Jahre 2009 CO2-neutral. Heißt, dass alle CO2-Emissionen, die bei seiner Tätigkeit für Projekte wie bei den verschiedenen Autoherstellern entstehen, nicht nur bei der Herstellung, sondern auch bei der Verwendung und Entsorgung des Produkts kompensiert werden. Das gilt nicht nur für die Zentrale in Norditalien, sondern auch die Produktionsstätte und das Forschungszentrum in Nera Montoro im Herzen Umbriens.

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.
WALTER.