Mehr als zehn Jahre nach seiner Fertigstellung kehrte das Einzelstück nach Molsheim zurück, um auf seinen ursprünglichen Zustand gebracht zu werden. Inzwischen hat es einen neuen Besitzer an der Côte d’Azur gefunden.
Normalerweise verschwindet das Metall einer Autokarosserie unter mehreren Schichten Grundierung, Farbe und Klarlack. Bei diesem Veyron Grand Sport Vitesse sollte es genau umgekehrt sein. Sein ursprünglicher Auftraggeber wollte das Aluminium sichtbar lassen und dessen Oberfläche selbst zum gestalterischen Mittelpunkt machen. Für die Spezialisten in Molsheim bedeutete das einen erheblichen zusätzlichen Aufwand.
Denn blankes, poliertes Aluminium verzeiht wenig. Wo eine Lackierung kleine Unregelmäßigkeiten verbergen kann, bleiben sie auf spiegelnden Metallflächen sichtbar. Entscheidend war deshalb nicht allein die Qualität der einzelnen Bauteile, sondern auch die Ausrichtung und der Verlauf ihrer Oberflächen. Bugatti untersuchte dafür in umfangreichen Designstudien, wie Licht und Reflexionen über die Karosserie wandern würden. Bei der Fertigung mussten sogar Aluminiumblöcke mit einem Gewicht von bis zu 20 Tonnen nach Molsheim transportiert werden.
Das Ergebnis trägt die Fahrgestellnummer 8.100. Je nach Lichteinfall wechseln die Reflexionen zwischen hellen, beinahe weißen Flächen und dunklen Spiegelungen. Besonders deutlich wird das an den geschwungenen Kotflügeln und den großen seitlichen Karosseriepartien. Sichtbares Carbon ergänzt das Metall, während der Innenraum mit Leder in Carmine Red einen kräftigen farblichen Gegensatz bildet.
Ein W16 unter der polierten Haut
Technisch entspricht das Einzelstück dem Veyron Grand Sport Vitesse. Hinter den Sitzen arbeitet der bekannte Achtliter-W16 mit vier Turboladern, 1.200 PS und 1.500 Nm Drehmoment. Der offene Veyron gehörte damit zu den leistungsfähigsten Serienroadstern seiner Zeit.
Bei diesem Wagen dürfte der Aufwand für die äußere Gestaltung allerdings mindestens ebenso interessant sein wie sein Motor. Bugatti dokumentierte die Entwicklung und Fertigung bis ins Detail. Gerade bei einem Einzelstück ist das wichtig, denn die ursprüngliche Spezifikation lässt sich später nicht einfach anhand eines gewöhnlichen Ausstattungskatalogs nachvollziehen.
Zurück nach Molsheim
Nach mehr als einem Jahrzehnt kam der Veyron deshalb noch einmal an seinen Entstehungsort zurück. Im Rahmen des Programms La Maison Pur Sang ließ Bugatti das Fahrzeug untersuchen, seine Historie überprüfen und den ursprünglichen Zustand wiederherstellen.
Dabei ging es ausdrücklich auch darum, spätere Individualisierungen rückgängig zu machen. Das Auto sollte wieder so aussehen, wie es einst für seinen ersten Eigentümer gefertigt worden war. Anschließend erhielt es die entsprechende Zertifizierung.
La Maison Pur Sang ist Bugattis Programm für historische und moderne Fahrzeuge der Marke. Neben der Prüfung von Herkunft und Authentizität gehören auch Restaurierungen und die Betreuung von Sammlern zum Angebot. Besonders bei individuell gefertigten Veyron- und Chiron-Modellen kann eine lückenlose Dokumentation darüber entscheiden, wie zuverlässig sich ihre ursprüngliche Ausführung später rekonstruieren lässt.
Der Veyron Grand Sport Vitesse mit der Fahrgestellnummer 8.100 befindet sich inzwischen in einer neuen Sammlung an der französischen Riviera. Angaben zum Verkaufspreis oder zum Umfang der Restaurierungsarbeiten macht Bugatti nicht.