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Mobilität statt Auto. Die IAA 2021.

Der VDA hat das Konzept der IAA Mobility vorgestellt und stößt bei dem Bemühen, möglichst fortschrittlich zu sein, Teile der Autofahrer vor den Kopf.

Hoher Besuch hat sich zur Eröffnung der IAA Mobility am 7. September in München angekündigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt in die bayerische Metropole, um das automobile Stelldichein zu eröffnen. So viel Tradition gestattet sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) also noch. Ansonsten soll die Messe alte Zöpfe abschneiden.

„Wichtig ist, dass wir als Automobilindustrie zeigen können, dass wir bereit sind für die Mobilität von morgen“, erklärt VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel und wird dann konkreter „Wir werden zwar noch Autos mit Verbrennungsmotor in München erleben, aber der klare Fokus liegt auf der Zukunft des Antriebes. Auf batterieelektrischer Mobilität, Plug-in-Hybriden und ähnlichen Formaten“.

Damit werden die Millionen Interessenten und Käufer von Automobilen mit Verbrennungsmotoren in eine Nebenrolle gedrängt. Laut dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 kamen insgesamt 1.390.889 Personenkraftwagen neu zugelassen. Davon waren 539.551 Pkw also 38,8 Prozent über einen alternativen Antrieb ausgestattet. Damit meint das KBA natürlich BEVs und PHEVs, aber auch Gas, Brennstoffzelle und Wasserstoff. Wenngleich die beiden zuletzt Genannten in dieser Statistik eher zu vernachlässigen sind. Genau 148.716 Neuwagen hatten einen batterieelektrischen Antrieb, was einem Anteil von 10,7 Prozent entspricht.

Neue Heimat der IAA: Das Messegelände in München

Schützenhilfe bekommt der VDA-Mann von Christian Hummel, Executive Vice President Automotive, Capgemini Invent: „Die IAA als Hochamt der deutschen Autoindustrie hat daran gekrankt, nicht mehr zeitgemäß zu sein. Man hatte in den letzten Jahren den Anschluss an die breite Gesellschaft immer mehr verloren. Es muss darum gehen, auch gesellschaftlich relevante Trends aufzugreifen und Mobiltätstrends von morgen einer breiten Masse zu präsentieren und Interesse zu wecken.“

Der VDA setzt alles daran, möglichst hip und modern zu sein. Im schönsten Denglisch ist vom „IAA Mobility Summit“ auf dem Messegelände die Rede, wo „Speaker“ Vorträge halten und sich die Besucher über die Neuheiten rings um das Auto informieren können, wie es auf einer klassischen Messe üblich ist.

Früher brüstete sich der VDA immer mit den hohen Besucherzahlen der IAA und unterstrich die weltumfassende Bedeutung des automotiven Schauflaufens mit inhaltsschweren Worten. Schließlich galt die IAA lange als die größte Automobilmesse der Welt und die Besucher drängten sich zu Tausenden um die im Scheinwerfer strahlenden Produkte der Ingenieurskunst. Von einer „Botschaft des Optimismus“ oder einer „Belebung der Autonachfrage“ war die Rede. Diese Zeiten sind längst vorbei. Als Grund führt der VDA an, dass aufgrund des Konzeptes, bei dem sich die Aussteller auch an öffentlichen freizugänglichen Plätzen präsentieren, die Erfassung von Besucherzahlen nur sehr schwer möglich sei.

Doch der aus Frankfurt nach München abgewanderten IAA fehlen so viele Autohersteller wie noch nie. So hat sich der Stellantis Konzern mit seinen 14 Marken – unter anderem Peugeot, Citroen, Opel, Fiat und Co. – komplett von der Messe verabschiedet und auch die meisten japanischen Hersteller bleiben dem Event an der Isar fern. Selbst VW-Konzernmarke wie Seat, Audi oder Skoda bleiben der Messe selbst fern und präsentieren sich nur in der Münchner Innenstadt.

Besucherzahl verliert an Bedeutung

Als angenehmen Nebeneffekt schließt man auch eine Flanke, die die Idee der traditionellen Automobilmesse angreifbar gemacht hat. „Wenn ich mich Ausstellern spreche, stelle ich fest, dass die Besucherzahl deutlich an Bedeutung verloren hat. Wichtiger für die Aussteller ist die digitale Reichweite sind die Themen, die auf der IAA gesetzt werden“, sagt Jürgen Mindel.

Die Idee der offenen Tür der freizugänglichen Areale, auf denen sich die Industrie und die Autofahrer nahekommen, ist charmant und steht im diametralen Gegensatz zu der weitverbreiteten Annahme, dass die Autobauer eine elitäre Gesellschaft seien, die mit den Kunden möglichst wenig zu tun haben wollen.

Damit die Vernetzung, die ebenfalls Teil der Mobilität von morgen sein wird, auch möglichst anschaulich präsentiert und erlebt werden kann, werden die Stadt und die Messe München durch das Zusammenspiel der wichtigsten Mobilfunknetzbetreiber in den Genuss eines modernes 5G-Netzes kommen.

Proteste erwartet

Allerdings ermöglichen Münchner Standorte wie der Wittelsbacher Platz, der Odeonsplatz, der Königsplatz oder der Marienplatz, wo sich Hersteller wie Porsche, VW und BMW präsentieren, auch leichter Proteste. Auch hier gibt sich der VDA ganz dem Zeitgeist entsprechend liberal und offen. „Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat. Jeder hat die Möglichkeit, sich zu Themen, die ihn interessieren, zu äußern. Solange diese Proteste friedlich sind, sind diese auch völlig legitim“, so Jürgen Mindel.

Eine Protestbewegung von Auto-Gegnern ruft im Internet seit einigen Wochen zu Aktionen gegen die IAA auf. Das Bündnis „Sand im Getriebe“, zuletzt aufgefallen mit Autobahn-Blockaden, plant ein „Protestcamp“ für 1.500 Teilnehmer während der Messe.

TEXT Wolfgang Gomoll; press-inform

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