Skoda Enyaq Coupé RS. Fahrbericht.

Der neue Enyaq ist bei Skoda prächtig eingeschlagen. Wer mit dem neuen Elektrocrossover nicht nur seinen Kopf, sondern auch das Herz bespielen will, gönnt sich gleich das RS Coupé.

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Der Enyaq ist das erste Elektrofahrzeug auf MEB-Basis, das außerhalb Deutschlands im tschechischen Werk Mladá Boleslav in der Heimat der Verbrennermodelle Octavia und Karoq produziert wird. Wer sich für den allemal gefälligen Enyaq bisher nicht erwärmen konnte, der kann sich nunmehr für das Enyaq Coupé entscheiden, das trotz seiner abfallenden Dachlinie den nahezu identischen Nutzwert bietet.

Bei weitgehend identischen Abmessungen sorgen die Coupéform der C-Säule und die Verlängerung des großen Panoramadachs bis zur großen Heckklappe für ein betont sportliches Aussehen, das ganz nebenbei den Luftwiderstand auf schmale 0,23 reduziert, was unmerklich 10 bis 15 Kilometer mehr an elektrischer Reichweite bedeutet.

Neben der Sportline-Version ist das neue Coupé auch als RS-Modell erhältlich, das den gleichen Antrieb wie VW ID.5 GTX und das Topmodell des Audi Q4 E-tron bietet. Auf besonderen Wunsch gibt es das Frontdesign in Form des sogenannten „Crystal Face“ mit 131 LEDs, die die vertikalen Rippen und das horizontale Lichtband des Kühlergrills beleuchten und die LED-Scheinwerfer miteinander verbinden.

Das Kofferraumvolumen verliert bei der 4,65 Meter langen Coupévariante schmale 15 Liter, ist aber mit 570 Litern immer noch eines der größten in diesem Segment, was ebenso für die Kopffreiheit in der zweiten Sitzreihe gilt. Die ist zwei Zentimeter geringer als beim normalen Skoda Enyaq, aber immer noch ausreichend Platz für einen 1,85 m großen Passagier bietet. Nachteiliger allein, dass das große Panoramadach sich nicht öffnen lässt und über keine Jalousie verfügt, um das Licht von oben bei Bedarf komplett auszusperren.

Vorne wie hinten gibt es viel Platz für die Insassen, obwohl sich die Rücksitze weder verschieben- noch in der Neigung verstellen lassen. Wer die Rücksitze umlegt, vergrößert das Ladevolumen von 570 auf mehr als stattliche 1.610 Liter. Leider bietet der Ladeboden dabei keine komplett ebene Fläche.

Wie bei Skoda üblich, gibt es im Innenraum zahlreiche praktische Ablage- und Befestigungsmöglichkeiten, die das Leben an Bord angenehmer machen, wie die großen Türtaschen, hintere Belüftungsdüsen, Smartphone-Taschen an den Rückseiten der Vordersitze, eine kabellose Ladeschale für zwei Mobiltelefone und Vorhänge der hinteren Fenster. Fahrer und Beifahrer freuen sich über Alcantarasportsitze mit gutem Seitenhalt und Soft-Touch-Oberflächen, die auch in den Türverkleidungen zu finden sind.

Allzu klein geraten ist jedoch das nur 5,3 Zoll große Instrumentendisplay, der sich der Fahrer ein paar Nummern größer wünscht. Das können auch das 13-Zoll-Touch-Screen in der Mitte der Armaturentafel und das optionale Head-up-Display (1.700 Euro) nicht ausgleichen.

Das Enyaq Coupé ist mit zwei Batteriegrößen von 62 und 80 kWh zu bekommen, wobei die beiden Allradler mit 265 PS / 425 Nm sowie 299 PS / 460 Nm die empfehlenswerten Versionen sind. Das Skoda Enyaq RS Coupé beschleunigt aus dem Stand in 6,5 Sekunden auf Tempo 100, wird jedoch allzu früh bei 180 km/h abgeriegelt. Immerhin 20 km/h mehr als die unzureichenden 160 km/h Spitze bei den schwächeren Modellen. Die elektrische Reichweite bis zu nächsten Nachladung liegt bei rund 540 Kilometern.

Zwei weitere Aspekte, in denen sich die beiden Enyaq Coupés mit Allradantrieb von der Einstiegsversion unterscheiden, sind die Fahrwerkseinstellung und die Anhängelast. Die unabhängige Allradarchitektur (McPherson vorne und Multilink hinten) hat vorne eine um 15 und hinten eine um 10 Millimeter niedrigere Bodenfreiheit und darf einen gebremsten Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 1.400 Kilogramm ziehen. Elektronisch verstellbare Dämpfer sind für jede Version optional erhältlich.

Überfällig war die Erhöhung der Batterieladeleistung von 100 auf 120 kW bei den kleinen Varianten und von 125 auf 135 kW beim iV80x und RS iV. In sieben Minuten soll der Tscheche für weitere 100 Kilometer erstarken, wenn der Akku leer ist. In einer halben Stunde lädt sich das Akkupaket auf rund 80 Prozent auf. Eine erfreuliche Verbesserung, aber immer noch weit entfernt von dem, was die koreanischen Konkurrenten Hyundai und Kia mit ihrer 800-Volt-Technologie in Bezug auf die Ladegeschwindigkeit erreichen können. Wichtiger denn je, wenn das Schnellladen weithin verfügbar wird. Der Normverbrauch; 17,2 kWh / 100 km.

Bei 2,2 Tonnen Gewicht, der leicht reduzierten Bodenfreiheit der RS-Variante und der passenden Mischbereifungen (235/45 R21 vorne und 255/40 R21 hinten) ist die stabile Straßenlage keine Überraschung. Auch die Lenkung trägt zum Fahrspaß in den Kurven bei: Sie ist recht direkt – 2,5 Radumdrehungen von Anschlag zu Anschlag – und da der RS mit dem progressiven System ausgestattet ist, wird sie umso direkter, je mehr man einlenkt.

Wenn die Fahrbahn ungemütlicher wird, ist der Komfortmodus die bessere Wahl. Die Tendenz zum Untersteuern ist gering, es sei denn, man treibt das Auto über die Grenze des Zumutbaren hinaus. Über die Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperationsintensität in mehreren Stufen variieren und den Enyaq nahezu nur mit dem Gaspedal bewegen. Das Bremsen selbst erfordert eine gewisse Gewöhnung, da die Geschwindigkeit zu Beginn des Pedalwegs nicht so stark reduziert wird, wie man es erwarten würde.

Einer der wenigen Nachteile des 4×4 Enyaq Coupé ist, dass der Wenderadius etwa einen Meter größer ist als bei der Version mit Hinterradantrieb, was sich beim Fahren und Parken in der Stadt bemerkbar macht. Um dies zu kompensieren, manövriert der optionale Parkassistent das Fahrzeug automatisch in Parallel- und Längsparklücken. Und wer die Funktion trainiertes Parken nutzt, speichert das System den Weg in eine häufig genutzte Parklücke, zum Beispiel in einer engen und verwinkelten Einfahrt, und das Fahrzeug kann diesen Weg dann bei Bedarf wiederholen.

Das Skoda Enyaq RS Coupé kann ab Juni in Deutschland bestellt werden, die Preise beginnen bei 57.700 Euro. Die anderen Antriebsversionen starten bei rund 45.000 Euro und sind damit rund 1.500 Euro teurer als der normale Enyaq.

TEXT Joaquim Oliveira für WALTER

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