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Vor 40 Jahren: Walter Röhrl siegt mit Audi.

Walter Röhrl und die Rallye Monte Carlo - das ist eine ganz besondere Beziehung. Im Januar 1984 trat er zum ersten Mal im Audi Quattro an und musste dafür seinen Fahrstil komplett ändern. Doch das war nicht die einzige Herausforderung.

Wir schreiben den 21. Januar 1984, es ist kalt und es beginnt zu schneien. Einen Tag vor dem Start der Rallye Monte Carlo fröstelt es Walter Röhrl auch innerlich ziemlich. Trotz der Granatensaison mit Lancia hat der Lange nun bei Audi unterschrieben. Der Bayer war es satt, immer mit übermenschlichen Leistungen die Nachteile von heckgetriebenen Autos zu kompensieren.

Als Allradanfänger tat sich Röhrl zunächst schwer. Dem Quattro mit der langen Nase und seiner Frontlastigkeit das Zeit raubende Untersteuern abzugewöhnen, wollte nicht so richtig gelingen. Dabei traf er im Audi-Team mit Hannu Mikkola und Stig Blomqvist auf die erfahrensten Männer des Allrad-Zeitalters. „Ich wollte gegen Stig auf gleichem Material fahren. Es hieß es, er sei der beste Allrad-Fahrer. Das wollte ich mir genauer anschauen“, erinnert sich Röhrl.

Röhrl hatte viel getestet, um sich auf die Monte vorzubereiten, doch es war es immer trocken. Zwei Mal war er beim Testen abgeflogen, das Selbstvertrauen hatte keinen Ladedruck. Kurz bevor er erstmals mit dem Audi in Bad Homburg über die Rampe rollen sollte, rückte er in der Nacht noch einmal im Bayerischen Wald aus, um endlich die Geheimnisse des Linksbremsens zu begreifen. Mit dem ständigen Getänzel des linken Fußes auf dem Bremspedal, während der rechte auf dem Gas bleibt, ließ sich eine sanfte Gewichtsverlagerung nach vorn erreichen und das entlastete Heck ließ das Auto in die gewünschte Richtung lenken. Auf einmal machte es klick und Röhrl hatte den Bogen raus.

Die Königin der Rallyes zeigte sich nach zwei knochentrockenen Jahren endlich wieder einmal von ihrer weißen Seite. Alle erwarteten eigentlich einen klaren Sieg des Schweden Stig Blomqvist, der sich schon 1983 als schnellster Mann im Audi-Team etablierte und als der absolute Schneekönig galt. Blomqvist hatte Röhrl ganz uneigennützig Fahrunterricht im Schnee gegeben und zeigte sich zur Rallye-Halbzeit doch überrascht: „Du lernst aber schnell“, gestand er Röhrl, denn der blieb dem Nordmann eisern auf den Fersen.

Blomqvist spielt mit gezinkten Karten

Mit der Kollegialität war es dann auch vorbei, Blomqvist hatte es bald satt, erst Nachhilfe zu geben, sich dann abduschen zu lassen, während Röhrl in die Fernsehkameras jammerte, es sei ein Graus, weil er fürchterlich schlecht fahre. „Jede fünfte Kurve passt nicht“, grantelte er.

Plötzlich zog Blomqvist das Tempo wieder an. Röhrl kämpfte, konnte aber nicht schneller. Blomqvist ließ in aller Gemütsruhe seine Reifen aufziehen und weil die Wahl der Gummis in Monte Carlo so ziemlich die wichtigste Angelegenheit ist, schaute Röhrl regelmäßig, womit der erfahrene Teamkollege die nächste Prüfung zu meistern hoffte. Dann ließ er die gleichen Pneus montieren und eilte los. Plötzlich entschied sich Blomqvist anders und ließ seine Reifen umstecken.

“Ich bring Euch alle um!”

Das Spielchen funktionierte eine Weile, bis ein Spezi Röhrl verriet, dass bei den Audianern im Service immer große Geschäftigkeit ausbrach, wenn die Startnummer eins schon weg war. Der Regensburger tobte, marschierte schnurstracks zu Sportchef Gumpert und drohte: „Wenn ihr das noch mal macht, bring ich euch alle um!“

Es blieben am Ende alle am Leben. Röhrl ging erstmals nach 17 Prüfungen um drei Sekunden an Blomqvist vorbei. Obwohl Weltmeister Hannu Mikkola in aller Seelenruhe mit Respektabstand Rang drei absicherte, wurde Roland Gumpert die Schlacht an der Spitze zu heikel, und so verordnete er einen Nichtangriffspakt. Wer vor der der letzten Schleife führen sollte, dürfe auch vorn bleiben. Die beiden Kontrahenten akzeptierten. Am Ende hatte Röhrl die Nase um eine halbe Minute vorn und Blomqvist fügte sich in sein Schicksal. Audi hatte endlich die Königin der Rallyes gewonnen und das gleich mit drei Autos. Für einen kurzen Moment war auch Röhrl zufrieden, denn er hatte Blomqvist als Allrad-König abgelöst.

TEXT Markus Stier
FOTOS Audi

LESENSWERT.
WALTER.