Bei diesem Pickup steckt die eigentliche Arbeit unter der Karosserie. Um aus dem aktuellen Mercedes-AMG G 63 der Baureihe W 465 einen offenen Transporter zu machen, hat Brabus den Leiterrahmen um einen halben Meter verlängert und die Hinterachse entsprechend weit nach hinten versetzt. Hinter der Rückbank schließt nun eine neu angefertigte Stahlwand mit beheizbarer Scheibe die viertürige Kabine ab. Daran hängt eine Ladefläche, deren Seitenwände aus Carbon gefertigt werden, während Boden und seitlich angeschlagene Heckklappe aus Metall bestehen. Insgesamt misst der P 900 damit 5,38 Meter und ist knapp 69 Zentimeter länger als ein serienmäßiger G 63 ohne Reserverad am Heck.
Beim Ladeboden endet allerdings jede Ähnlichkeit mit einem gewöhnlichen Nutzfahrzeug. Statt blankem Stahl oder einer robusten Kunststoffwanne verlegt Brabus Soft-Teak mit roten Schriftzügen. Zwei wasserdichte und abschließbare Staufächer hinter der Kabine sollen kleinere Gegenstände vor neugierigen Blicken schützen. Das Ganze erinnert eher an das Achterdeck einer Motoryacht als an die Pritsche eines Baustellenfahrzeugs. Immerhin bleibt die Ladefläche tatsächlich nutzbar, auch wenn vermutlich nur wenige Besitzer auf die Idee kommen werden, dort eine Ladung Pflastersteine abzukippen.
900 PS waren schon einmal da
Neu ist die Idee freilich nicht. Bereits 2022 stellte Brabus einen P 900 Rocket Edition auf Basis der damaligen G-Klasse W 463A vor. Auch der war auf zehn Exemplare limitiert und brachte es auf 900 PS. Die Neuauflage übernimmt nun die aktuelle Mercedes-Baureihe W 465, bleibt ihrer technischen Grundidee aber treu. Der Achtzylinder des G 63 wird gründlich umgebaut. Mit einer Spezialkurbelwelle, deren Hub auf 100 Millimeter wächst, größeren Zylinderbohrungen und geschmiedeten Kolben steigt der Hubraum von 3.982 auf 4.407 Kubikzentimeter. Dazu kommen zwei größere Turbolader, die mit bis zu 1,4 bar Ladedruck arbeiten, eine angepasste Kraftstoffversorgung und ein neu abgestimmtes Motormanagement.
Das Ergebnis sind 900 PS bei 6.200 Umdrehungen und maximal 1.250 Nm Drehmoment, die bereits bei 2.900 Touren anliegen. Weil selbst die verstärkten Antriebskomponenten nicht unbegrenzt gequält werden sollen, lässt Brabus im Fahrbetrieb allerdings nur 1.050 Nm zu. Ein Neungang-Automatikgetriebe verteilt die Kraft über den permanenten Allradantrieb. Für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h nennt Brabus 3,7 Sekunden, bei 280 km/h greift die elektronische Begrenzung ein. Das sind exakt die Leistungsdaten des Vorgängers. An mangelndem Vortrieb dürfte dessen Ablösung trotzdem kaum scheitern.
Drei Speichen und wenig Gummi
Während die XLP-Adventure-Modelle aus Bottrop mit Portalachsen und üppiger Bodenfreiheit möglichst weit ins Gelände vordringen sollen, ist der P 900 auf den Asphalt zugeschnitten. Das höhenverstellbare Ride-Control-Fahrwerk legt den Pickup gegenüber der Serien-G-Klasse um rund 45 Millimeter tiefer. Unter den mächtigen Kotflügelverbreiterungen aus Sicht-Carbon stecken 24 Zoll große Monoblock-II-EVO-Schmiederäder. Ihr Dreispeichendesign erinnert an frühere Brabus-Felgen, wurde hier allerdings mit Aero-Blades aus Carbon versehen. Vorne kommen Reifen der Dimension 295/30 zum Einsatz, hinten füllen 345/25er die Radhäuser. Viel Gummi für die Breite, wenig für die Höhe.
Auch sonst bleibt kein Zweifel daran, aus welcher Werkstatt dieser Pickup stammt. Eine Frontschürze aus Sicht-Carbon, große Lufteinlässe und die verbreiterten Kotflügel sorgen für den entsprechenden Auftritt. Beleuchtete Markenembleme, rote Akzente und zusätzliche Leuchten an den Seitenschwellern sind ebenfalls an Bord. Vor den Hinterrädern enden auf jeder Seite zwei Auspuffrohre, eingefasst von Carbon-Blenden mit roter Beleuchtung. Die Edelstahl-Abgasanlage besitzt verstellbare Klappen. Wer seine Nachbarn schonen möchte, wählt den zurückhaltenden Coming-Home-Modus. Andernfalls darf der Achtzylinder im Sportmodus deutlich vernehmbarer arbeiten.
Luxus bis zur letzten Naht
Im Innenraum hat die hauseigene Sattlerei reichlich Arbeit investiert. Das gezeigte Fahrzeug trägt schwarzes Leder und Alcantara, dazu rote Nähte und farbig lasierte Bedienelemente. Die Sitze besitzen ein aufwendiges Shell-Steppmuster mit perforierten Innenbahnen zur Belüftung. Dass auch die Fußräume und Fußmatten mit Leder ausgeschlagen werden, gehört bei Brabus längst zum guten Ton. Carbon findet sich am Armaturenbrett und an den Schaltwippen, deren integrierte LEDs bei manuellen Gangwechseln den richtigen Schaltzeitpunkt anzeigen. Selbst die Türverriegelungsstifte bestehen aus rot eloxiertem Aluminium.
Hinten öffnen die Türen auf Wunsch der Brabus-Techniker nun im 90-Grad-Winkel, was den Einstieg erleichtert. Im Alcantara-Dachhimmel sitzt eine zusätzliche Instrumentenkonsole, die den Fondpassagieren unter anderem Geschwindigkeit, Motordrehzahl und aktuelle G-Kräfte verrät. Für den Fall, dass sie während der Fahrt lieber nicht nach vorne schauen möchten.
Der neue P 900 Rocket Edition entsteht in einer Kleinserie von lediglich zehn Exemplaren, die jeweils nach Kundenwunsch ausgestattet werden. Das hier gezeigte Fahrzeug kostet einschließlich Mehrwertsteuer 847.000 Euro. Dafür gibt es sogar eine eigens angefertigte Weekender-Reisetasche aus demselben Leder wie die Innenausstattung. Für die Ladefläche hinten ist sie eigentlich viel zu schade.