0,00 €

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 €

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Porsche-Auszeit in den Seealpen.

Wie wäre es mit einem einzigartigen Ausflug an die Cote d’Azur und quer durch die Seealpen mit ihren spektakulären Straßen. Was würde für den Kurvenspaß besser passen als Fahrmaschinen aus Zuffenhausen?

Der Jahreswechsel kann man kaum besser verbringen als mit ein paar Runden im Porsche 911 GT3 RS auf der Grand-Prix-Strecke von Monaco, einem Porsche 718 GT4 RS und einem Porsche 911 Dakar auf dem legendären Col de Turini. 

Die erste Waffe meiner Wahl? Nun, es musste natürlich der 911 GT3 RS sein und es ist schlicht einzigartig, wie zivilisiert sich das rennstreckentaugliche Fahrzeug als Cup-Version auf dieser ganz normalen Straße anfühlt. 

Nach Aufnahmen auf der Rennstrecke von Monte Carlo und einem Besuch an der Riviera von Maybourne für weitere Fotos mit dem atemberaubenden Blick über den Hafen von Monaco wurde es Zeit, das zu tun, was diese Porsches am besten können: im Grenzbereich bewegt zu werden. Ich schnappte mir die Schlüssel des einzig manuell geschalteten Sportlers in dieser Gruppe – ein Porsche 911 Carrera T – von dem viele behaupten, er sei aktuell der preiswerteste und aufregendste Carrera auf dem Markt, was er auf dem ebenso intensiven wie wunderschönen Anstieg zum Col de Turini mehr als eindrucksvoll bestätigte.

Danach hat mich dieser schamlosen Kurvenräuber namens Porsche 718 GT4 RS beglückt und konnte aus erster Hand diesen unverschämt dominanten Ansauggeräuschpegel erleben, den das Auto bietet – ein Angriff auf das Trommelfell, der je nach Drehzahl einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Ein verlassener Col de Turini mit Fotografen an jeder Ecke und einem Funkgerät, das mich über den Verkehr in Gegenrichtung informierte, schien das perfekte Szenario zu sein. Selbst wenn die winterlichen Temperaturen für den Mittelmotor-Porsche mit seinen Cup-Reifen an sich zu kalt waren. Trotzdem fuhr ich los, legte die erste Schaltstufe des PDK ein und schob den Schalthebel zur Seite, um sicherzustellen, dass ich das Orchester eigenmächtig dirigieren könnte.

Erster Gang: 1.000, 2.000, 3.000, 4.000, 5.000, 6.000 und mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wegen der mäßigen Traktion auf Schnee und Eis oder dem Vertrauen an die eigenen Fahrkünste nervöser war. Es ging schnell noch höher hinauf – viel höher. 7.000, 8.000, und schließlich an die 9.000er Marke heran. Ich ziehe den Hebel zurück, der zweite wird hereingeknallt und dann kommt die Nummer drei – wieder runter – wieder rauf – immer wieder.

Wie beim GT4 RS sind Lautstärke sowie Klang mehr als bemerkenswert und mit noch weniger Gehörschutz werden beide in neue Höhen getrieben. Doch es geht nicht um das Gebrüll an sich – die Textur und die Wahrnehmung dessen, was der Motor tut, ist so sägend, dass dieser nicht mit einem spricht, sondern heult, bellt oder kreischt. Man lernt schnell, den zentralen Drehzahlmesser zu ignorieren, um zu wissen, wann man schalten muss. Der eigene Kopf verschmilzt mit dieser grandiosen Fahrmaschine und wird ein Teil dieser technisch einzigartigen Symbiose.

Es kommt nicht oft vor, dass man mit derart viel Adrenalin aus einem Auto aussteigt und nicht wegen der kalten Außentemperatur zittert, sondern wegen der Konzentration und der Aufregung über das, was gerade auf den kurvenreichen Pisten mit einem geschehen ist. Der Spyder RS ist eines dieser Autos, das einen begeistert und der Welt entrücken lässt. Dabei zeigt er dem übermächtigen 911er, dass ein Mittelmotor seine Vorteile hat. Dieser sportlichste aller 718er ist etwas für Profis. Ich konnte die Schlüssel nicht aus der Hand geben. Noch nicht, denn die Sucht hatte mich gepackt. wieder herein in den Boliden – Motor an und wieder hoch, runter und wieder hoch. Man hätte mir die Schlüssel aus meinen erfrorenen Fingern reißen müssen, um mich davon abzuhalten.

Schließlich gab ich die Schlüssel doch her, denn ich glaube, das kalte Wetter forderte allmählich seinen Tribut an meiner Gesundheit. Dabei ist es einfacher, in einen 992 Turbo S zu steigen, als zu versuchen, dem Spyder RS zum ersten Mal seine dünne Mütze aufzusetzen. Beheizte Sitze und weniger Getöse waren im Turbo S eine mehr als willkommene Abwechslung. 

Der 911 Dakar war das einzige Auto, das ich auf diesem Kurztrip nicht bewegen konnte – und Schuld daran war nur der fulminante Spyder RS. Als ich viel später zum Hotel in Nizza zurückkehrte, war es an der Zeit, diesen einzigartigen 911ern und dem 718 Adieu zu sagen, denn die 24-Stunden-Fahrt der Träume war zu Ende. Wohl die perfekte Art und Weise, das alte Jahr ausklingen zu lassen und das neue zu beginnen.

TEXT Zaid Hamid

LESENSWERT.
WALTER.