Ben Bernschneider ist nicht nur auf Instagram (@benbernschneider) eine Stilikone, er bringt seine Weisheiten auch im Buch „100 Staple Pieces – die Wunschliste des modernen Gentleman“ im Mai unters lechzende Volk. Auch wenn er mehr den englischen Schneidern und amerikanischen Modehäusern zugewandt ist, hat er für uns ein paar wichtige deutsche Highlights herausgepickt.
„Über die deutsche Wirtschaft wird im Moment viel gesprochen. Meistens mit Sorgenfalten. Aber wenn man sich ein bisschen umschaut, sieht man auch etwas anderes: Firmen, Handwerker und Läden, die seit Jahrzehnten solide Arbeit leisten. Marken, die nicht laut sind, aber zuverlässig gute Produkte machen. Hier sind sieben Beispiele, bei denen ich jedes Mal denke: Wir können es noch.“
BURLINGTON
Burlington gehört für mich zu den Marken, die ein Detail ernst nehmen. Die Argyle-Socke ist kein Gag, sondern ein Stück britisch geprägter Kleidungsgeschichte. Gute Baumwolle, saubere Farben, langlebige Qualität. Wer klassische Garderobe mag, braucht solche Konstanten im Schrank. Ich habe über die Jahre viele Paare getragen und immer wieder gemerkt: Eine gute Socke entscheidet oft darüber, ob ein Outfit funktioniert oder nicht. Sie verbindet Hose und Schuh, sie setzt manchmal einen kleinen Farbakzent, sie sorgt dafür, dass ein Look komplett wirkt. Burlington macht dieses scheinbar kleine Detail seit Jahrzehnten verlässlich richtig – und genau solche Marken sorgen dafür, dass klassische Kleidung im Alltag funktioniert. Und ja, Burlington gehört zu Falke mit Sitz in Schmallenberg.
MERZ B. SCHWANEN
Merz b. Schwanen fertigt Unterwäsche und T-Shirts auf alten Rundstrickmaschinen. Der Stoff hat Substanz, die Passform sitzt, die Geschichte stimmt. Ich habe einige ihrer Shirts im Schrank und trage sie ständig. Man merkt sofort, dass sie anders gemacht sind als die meisten T-Shirts von heute. Genau solche Marken zeigen, dass Tradition und Gegenwart problemlos zusammenpassen. Und gute Basics sind das Fundament jeder Garderobe. Wenn sie stimmen, funktioniert alles andere darüber automatisch besser. Und dass es auch mal nur im T-Shirt geht, beweist Jeremy Allen White in der Serie „The Bear“.

MAXIMILIAN MOGG
Maximilian Mogg hat dem klassischen Maßanzug in Deutschland wieder Aufmerksamkeit gegeben. Saubere Linien, klare Schnitte, viel Gespür für Proportion und einem ganz besonderem 20s und 70s Touch. Seine Doppelreiher haben Gravitas. Ich bekomme dort meine Hemden mit Tab Dollar und Coktail-Cuffs, die ich sonst nirgends so bekäme. Ich schätze besonders, dass er Maßarbeit nicht als Nostalgie versteht, sondern als zeitgemäße Form von Kleidung. Ein gut gemachter Anzug funktioniert heute genauso wie vor fünfzig Jahren. Und Max hält das am Leben.

RUDOLF BEAUFAYS
Der edle Second Hand Laden in Hamburg erinnert mich jedes Mal daran, warum Second Hand so wichtig ist. Jedes Mal eine kleine Lektion über Qualität. Gute Kleidung hat ein langes Leben. Ein gut gemachter Mantel, ein Sakko aus ordentlichem Stoff oder ein Paar rahmengenähte Schuhe verlieren ihren Wert nicht nach einer Saison. Im Gegenteil: Man sieht ihnen an, dass sie getragen wurden. Genau dieser Respekt vor Qualität fehlt oft in der heutigen Wegwerfmode. Bei Rudolf Beaufays hängen Stücke, die zeigen, wie langlebig gute Kleidung sein kann. Ich finde es beruhigend, dass solche Orte existieren. Sie erinnern einen daran, dass Kleidung früher für viele Jahre gedacht war – und nicht für einen Sommer.

LADAGE & OELKE
Ladage & Oelke ist seit 1845 einer der wenigen Orte in Deutschland, an denen klassische Herrenmode wirklich verstanden wird. Maßkonfektion, gutes Schuhwerk, hervorragende Beratung. Wenn ich den Laden betrete, spüre ich sofort, dass hier Menschen arbeiten, die sich seit Jahrzehnten mit Stoffen, Schnitten und Proportionen beschäftigen. Man spricht über Dinge wie Schulterlinien, über Flanellgewichte oder über Schuhe, die ein Leben lang halten. In einer Zeit, in der vieles austauschbar geworden ist, wirkt so ein Haus fast wie eine kleine Insel der Kontinuität. Genau deshalb ist es wichtig, dass es solche realen Orte noch gibt.
ROOKS & ROCKS
Rooks & Rocks zeigt, dass junge Marken in Deutschland klassisches Handwerk neu interpretieren können. Strick mit Charakter, hochwertige Garne, klare Silhouetten. Die Jungs sind für mich wie moderne Missionare, die in einer Welt voller Jogginghose den Anzug am Leben erhalten. Sie versuchen nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern konzentrieren sich auf gute Materialien und gute Verarbeitung. Genau daraus entstehen die Stücke, die man jahrelang trägt. Weil sie passen
MÜHLE
Mühle baut Rasierer, die Jahrzehnte halten. Edelstahl, Porzellan, gutes Design aus dem Erzgebirge. Rasur als Ritual statt Wegwerfprodukt. Ich benutze seit Jahren klassische Rasierer und merke jedes Mal, wie viel angenehmer dieser kleine Morgenmoment ist. Man nimmt sich ein paar Minuten Zeit, verwendet gutes Werkzeug und beginnt den Tag ruhiger. Mühle zeigt sehr schön, dass selbst alltägliche Dinge eine gewisse Würde haben können, wenn sie gut gemacht sind. Gute Werkzeuge verändern selbst banale Routinen.

Zusammengestellt von Ben Bernschneider für WALTER #28