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50 Jahre Audi 50.

Vor 49 Jahren begann die Ära des VW Polo. Allerdings fuhr sieben Monate vorher schon sein Zwilling quer durch Deutschland. Sein Name: Audi 50. Und dieser Name ist 2024 Programm, denn der frühe Vorläufer des Audi A1 feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag.

Es ist ruhig geworden um die kleinen Einstiegsmodelle. Es steht bereits fest, dass der aktuelle Audi A1 keinen Nachfolger bekommen wir wird. Wie für andere Kleinwagen auch macht dem A1 der Trend zur Elektromobilität das Leben schwer. Die Akkus sind teuer, groß und schwer – da fangen viele Autohersteller lieber erst in der Kompaktklasse an, um Geld verdienen zu können.

Als die erste Generation des VW Polo im Frühjahr 1975 seine Premiere feierte, war dieser an sich nur die Nummer zwei. Denn der Polo kam erst sieben Monate nach dem nahezu baugleichen Zwilling Audi 50 auf den Markt. Das von Bertone und Grandini geprägte Kantigdesign wurde vor einem halben Jahrhundert im Schatten des ähnlich gestylten VW Golf I der Weltöffentlichkeit präsentiert und eifrig beklatscht. 

Doch ist das für Außenstehende nicht so verwunderlich, wie die Tatsache, dass in jedem Audi 50-Brief das Volkswagenwerk als Hersteller eingetragen ist. Warum das so ist, ist schnell erklärt. Innerhalb des VW Konzerns war von Anfang an klar, dass der Polo ein knappes halbes Jahr später von denselben Wolfsburger Fließbändern wie auch der Audi 50 rollen würde. Allerdings gibt es auch hier eine Ausnahme, da ein Prototyp als Hersteller Audi NSU Auto Union aufführt.

Zur echten, sogenannten A0-Serie des Audi 50, zählen eingefleischte 50er-Fans nur die 43.002 Fahrzeuge, die vor dem Produktionsstart des 7.500 DM teuren und 40 PS starken VW Polo gebaut wurden. Genauer gesagt: Die Fahrzeuge, deren Produktionsdatum zwischen dem 1. August 1974 und dem 1. März 1975 liegt. Insgesamt laufen bis zum Juli 1978 exakt 180.828 Exemplare des Audi 50 vom Band. Der mit einer Länge von 3,49 Metern kleinste je gebaute Audi wird von Anfang an in zwei Varianten angeboten, dem damals 8.400 DM teuren LS und dem 500 DM teureren GL.

Letzterer zeichnet sich zum einen durch 2,6 Zentimeter mehr Länge, die auf das Konto von Gummileisten an den Stoßstangen gehen, und eine bessere Serienausstattung aus. Dazu zählen unter anderem ein Tuftig-Teppichboden, Zigarettenanzünder, Stahlgürtelreifen und ein abschließbarer Tankdeckel, was gut ein Jahr nach dem Beginn der Ölkrise ein nicht zu unterschätzendes Ausstattungsmerkmal ist. Neben dem Längen- und Ausstattungsunterschied weist der GL mit 60 PS noch zehn weitere PS und ein um acht auf 83 Newtonmeter gesteigertes Drehmoment auf. Sowohl Leistung als auch Kraft werden mithilfe eines Vierganggetriebes an die angetriebenen Vorderräder geleitet.

Die höheren Leistungswerte resultieren jedoch nicht aus einem höheren Hubraum innerhalb des Vierzylinder-Benzinmotors – der ist bei beiden Versionen 1,1 Liter groß. Sie sind das Ergebnis einer höheren Verdichtung durch höhere Kolben, einem Hosenrohr-Auspuff und anderen Vergaserbestückungen. Erst im letzten Jahr seiner Produktionszeit bekommt der Audi 50 einen mit 1,3 Liter größeren Motor verpasst. Der leistet zwar auch nur 60 PS, benötigt aber im Gegensatz zu seinem gleichstarken mit Superbenzin verwöhnten Bruder nur Normalbenzin. Der Spritverbrauch liegt bei allen Varianten bei rund 7,5 Litern auf 100 Kilometern.

Die größten Unterschiede innerhalb der 1,56 Meter breiten und 1,30 Meter hohen Audi 50-Versionen liegen in den Fahrleistungen, bei denen der Stärkere etwas besser abschneidet. Mit 13,5 Sekunden benötigt er 1,9 Sekunden weniger bis Tempo 100 und seine Höchstgeschwindigkeit liegt mit 152 Kilometern pro Stunde genau zehn km/h höher als beim Kleinen – das war es dann eigentlich auch schon. 

Alle Varianten verfügen über einen Kofferraum, der 257 Liter Gepäck im Normalzustand und 637 Liter mit umgeklappten Fondsitzen schlucken kann. VW attestiert seinem baugleichen Polo sogar bis zu 900 Liter Kofferraumvolumen. Der 650 Kilogramm schwere Fünfsitzer, auf dessen 40 Jahre alter Aufpreisliste noch Dinge wie Kopfstützen, ein 24 DM teurer rechter Außenspiegel, ein Heckscheibenwischer und eine beheizbare Heckscheibe zu finden sind, kann bis zu 415 Kilogramm zuladen und sogar bis zu 650 Kilogramm hinter sich herziehen.

Der Vollständigkeit halber muss hier gesagt werden, dass die beheizbare Heckscheibe schon ein Jahr später auf die Liste der Serienausstattung gewandert ist. Ebenfalls gewandert ist im selben Jahr der Aufenthaltsort der Hupbetätigung. Sie ist zum Ärgernis vieler Audi 50-Kunden an den Lenkstockhebel verfrachtet worden. Doch noch interessanter ist die Kompensierung der elektrischen Scheibenwaschpumpe durch einen hässlichen Pumpsack im Fußraum. Auch Audi musste damals sparen.

Die fälschlicherweise nur dem Audi 50 zugesprochene markante Dachkante – sie ist auch beim Polo zu finden – muss im August 1976 weichen, denn schon damals zählt in puncto Luftwiderstandsbeiwert jede Ecke. Wenn schon ein Polo und ein Audi 50 nicht an der Dachkante voneinander zu unterscheiden sind, woran denn dann? Ok, da wären die Ringe in der Frontansicht und der Schriftzug auf dem Heck.

Hier ist noch zu bemerken, dass der Schriftzug bis zum Modellwechsel Mitte 1976 komplett rechts steht und erst dann aufgeteilt wird, so dass Audi 50 links und der Typ rechts zu lesen sind. Ganz wenige L-Versionen vereinen danach noch alles auf der rechten Seite. Neben diesen Auffälligkeiten ist das Hauptunterscheidungsmerkmal die hintere Seitenteilleiste. Verläuft diese beim Polo bis zum August 1976 gerade, erfährt sie beim Audi 50 einen Aufwärtsschwung zur Heckklappenunterkante. Und wer es genau wissen will: Bis dahin produzierte VW Polos haben ein Zierleistenloch weniger.

Wer auf dem Gebrauchtwagenmarkt sucht, der braucht Geduld und gute Nerven, denn der Audi 50 ist in den einschlägigen Börsen kaum zu finden. Das Angebot ist dünn und speziell gut erhaltene Fahrzeuge in damals trendigen Farben wie Miami blau sind schwer zu finden. Die meisten Modellen fielen über die vergangenen fünf Jahrzehnte dem Rost zum Opfer. Unter 10.000 Euro geht wenig. Und ein schickes Topmodell geht auch schon einmal für 15.000 Euro oder mehr weg. 

TEXT Patrick Solberg