Cars & Coffee in Malibu.

Die Pandemie macht auch vor den Autofans in Kalifornien nicht halt. Doch so langsam berappelt sich die Szene und trifft sich wieder zweimal im Monat, jeweils sonntags in der früh zu Cars & Coffee. Da kann selbst manche europäische Oldtimerausstellung nicht mithalten.

Jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat beginnt der Tag für Jack so wie er sich es wünscht. Morgens um kurz nach halb sieben bricht er an seiner Villa in Brentwood auf Richtung Malibu. Hier findet im immergrünen Malibu Bluffs Park direkt am Pacific Coast Highway, den hier alle nur PCH nennen, die Veranstaltung Cars & Coffee statt.

Es ist ein informeller Treff von Autofans, die mindestens drei Leidenschaften teilen: Autos, Kaffee und frühes Aufstehen. Denn bereits um 8.30, spätestens 9 Uhr ist der Spaß am morgendlich kühlen Pazifik vorbei und es geht wieder zurück nach Hause. Manche machen einen Abstecher zum Malibu Farmers Market, manche kaufen direkt bei Apollo’s Espresso noch ein paar Backwaren für das familiäre Frühstück oder treffen sich später mit Freunden zum Brunch in Venice Beach oder in Beverly Hills.

Ein Sonntagmorgen in Malibu – es könnte schlimmer sein. Doch die Pandemie hat die kunterbunte Autoszene hier genauso getroffen wie alle anderen. Seit Juni vergangenen Jahres fanden nur wenige Veranstaltungen statt und viele waren unsicher, ob es jetzt am zweiten Augustwochenende wieder einen morgendlichen Autotreff geben würde. Geht es diesmal kurz vor sieben Uhr in der Früh etwas zögerlich los, ist der Malibu Bluff Parkplatz um kurz nach acht bereits prall gefüllt. Volvo P 1800, zahllose Porsche 911, Corvette und Ferrari, ein seltener VW Golf II in Basisausstattung, einige Alfa Romeos und viele andere sind gekommen.

Die Fans selbst rollen aus Malibu, Santa Monica oder den westlichen Teilen von Los Angeles auf zwei, drei oder vier Rädern an. Nicholas hat seine beiden Söhne und Tom, einen Freund aus Dallas / Texas, mitgebracht. Die beiden fachsimpeln über historische Porsche Targas, erfreuen sich jedoch an dem 1963er Mercedes 220 SE Cabrio von James.

„Der Sechszylinder war einfach nichts für das schwere Auto“, lächelt der Hundebesitzer, „ich habe vor ein paar Jahren einen neuen 3,5-Liter-V8 der späteren Modelle einbauen lassen. Zusammen mit einer Fünfgang-Handschaltung von Getrag. Jetzt macht der 220er mehr Laune als alle meine Alfa Romeos zusammen.“

Der Wagen wurde von grau auf schwarz umlackiert und die Einzelsitzanlage im Fond ist ebenso selten wie der Rallyescheinwerfer im Kühlergrill und die 16-Zöller. Mit der Originalität haben es nicht alle Autofans – egal in welcher Preisliga nicht so sklavisch wie in Europa.

Ein paar Meter weiter hat sich eine üppige Porsche-Enklave gebildet. Gleich mehrere 911 GT2 RS, GT3, GT3 RS und sogar ein seltener 993 RS sind zusammen mit den Besitzern nach Malibu gefahren, um sich auszutauschen, andere Autofans zu sehen und einen Kaffee Latte zu trinken. Jason bewegt im Alltag einen Porsche Taycan. „Doch den fahre ich nur in der Woche ins Büro und zum Einkaufen“, lacht der 41jährige Amerikaner, „elektrisch fährt man doch nicht am Wochenende. Da holen wir die echten Autos raus, die Spaß machen.“ Tom, an diesem Wochenende aus Texas auf Urlaub in Malibu legt nach: „Elektroautos – klar, die kommen. Aber bei uns stehen alle auf die großen Pick Ups und sonst einen Sportwagen. Ich habe einen 911 Targa – tolles Auto. Elektrisch fahren, dann kann ich ja gleich in einen Van steigen.“

Wer meint, dass sich bei Cars & Coffee, die im ganzen Land, speziell aber in den Küstenregionen, jeweils am Sonntagmorgen stattfinden, nur die Autoposer treffen, wie man es oftmals bei den Klassikveranstaltungen erlebt, irrt. Die Frühaufsteher sind markenoffen, nicht immer millionenschwer, doch interessieren sich für Sportwagen, Old- und Youngtimer und fahren im Alltag gerne auch einmal ein Tesla Model S. „Wer noch keinen Sportwagen hat, sollte jetzt zuschlagen“, erzählt Nicholas, „man dabei zusehen, wie die Autos von Porsche, Ferrari oder Jaguar teurer werden – gerade die Europäer. Wer weiß, wie lange es so etwas noch gibt?“

Gerade rauscht lautstark ein Bentley 4½ Litre aus den frühen 1930er Jahren an und an paar Meter weiter steht ein spektakulärer Frankenstein. „Der Wagen ist von 1941 und war einen Minentransporter“, erklärt der stolze Besitzer, „ist ein endloses Projekt. Der Wagen war zu 40 Prozent fertig, als ihn vor fünf / sechs Jahren bekommen habe. Der International war gechopt und ich habe einen 1996er Dieselmotor aus dem Ford F-250 eingebaut – mit rund 230 PS. Einfach zu fahren ist er mit der Vorderachse eines F-150 und der Hinterachse eines Dodge Ram allerdings nicht.“

Nach eineinhalb bis zwei Stunden ist der ganze Spaß im Malibu Bluffs Park wieder vorbei. Viele haben elektronisch ihre Visitenkarten ausgetauscht, sich für September wieder verabredet oder gehen kommende Woche gemeinsam auf Tour Richtung Norden. Hier findet vom 10. bis 15. August mit der Monterey Autoweek und den Events von Pebble Beach die bekannteste Oldtimerveranstaltung der Welt statt. Auf nach Pebble! Und für die meisten wohl noch mit einem Verbrenner.

TEXT Stefan Grundhoff; press-inform

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