Ultra Trail Mont-Blanc.

Chamonix mutiert in der letzten Augustwoche regelmäßig zum Wimbledon der Trailrunner. Der „Ultra-Trail du Mont-Blanc“, das um das Mont-Blanc-Massiv führende Elite-Rennen, bei dem auf einer Länge von 171 Kilometern mehr als 10.000 Höhenmeter zu bewältigen sind, zählt zu den prestigeträchtigsten Rennen der Welt. Impressionen von einem Lauf, den nur wenige Teilnehmer ohne Halluzinationen überstehen.

Chamonix, Startbereich. 17:15 Uhr. Jose aus Madrid hat es sich auf dem Asphaltboden gemütlich gemacht. Seit vier Stunden schon verteidigt er seinen Platz in der ersten Reihe hinter dem Startbereich der internationalen Top-Läufer. Scheinbar ganz entspannt liegt er vor dem Absperrgitter. Doch über seine Wangen laufen Tränen. Angst vor der Aufgabe? Emotional zu sehr gepackt von der brodelnden Stimmung im Zentrum von Chamonix? Schwer zu sagen – die Banane, in die er eben biss, zaubert ihm jedenfalls ein verklärtes Lächeln ins Gesicht. Jose nimmt zum dritten Mal am UTMB teil. Sein Ziel: ihn in 40 Stunden ohne Schlaf zu absolvieren. 

„Das wird natürlich nicht ohne Folgen für den Körper bleiben“, sagt er. Und gesteht, dass er wieder mit Halluzinationen rechnet. „Es ist fast sicher, dass sich diese am Ende der zweiten Nacht einstellen – man hat den Eindruck, dass die Bäume oder die Steine ​​Menschen oder Tiere sind.“ Er gibt zu, im Nachhinein „darüber gelacht“ zu haben, erklärt aber, dass er dabei nicht gemerkt habe, dass „etwas nicht stimmt“. 

18 Uhr. Das Rennen ist eröffnet. Mehr als 1.500 Läufer und Läuferinnen nehmen es in Angriff. Insgesamt waren es die Woche über mehr als 10.000 Starter aus 104 Nationen, die zum Großteil die kürzeren Distanzen zu Füßen des Mont Blanc absolvierten. Im Duster von Dacia, einem der Hauptsponsoren des Events, geht’s für mich weiter nach Saint Gervais. In dem schmucken Bergdorf wartet die erste Verpflegungsstation. Exakt 21 Kilometer sind nun von den Spitzenläufern bewältigt. Von Erschöpfung (noch) keine Spur. Lächelnd klatschen sie nach der ersten hastigen Nahrungsaufnahme die Zuschauer ab. Noch sind die Zeitabstände knapp. In Führung: der Amerikaner Jim Walmsley und der Spanier Kilian Jornet. Gemeinsam nehmen sie zu Beginn der Nacht den Anstieg zum Col de la Croix du Bonhomme in Angriff.

Unser nächster Zwischen-Stopp: Notre-Dame-de-la-Gorge. Es herrscht eine Begeisterung unter den Zuschauern, die man sonst nur auf den legendären Bergetappen der Tour de France erlebt. Jornet und Walmsley sind ihren Verfolgern bereits um mehr als eine Minute voraus. Ihre Gesichter werden von leuchtenden Kreisen illuminiert, die vom Sportschuh-Hersteller Hoka, einem weiteren Sponsor der Veranstaltung, installiert wurden. Und die Kluft zwischen den beiden Männern und ihren Verfolgern (Pau Capell, Zach Miller und Thibaut Garrivier) wird im Laufe der Nacht immer größer. Doch wo Jim Walmsley bei früheren Teilnahmen am Ende der Nacht in dem langen Abstieg vom Grand Col Ferret (2.537 m) nach La Fouly in der Schweiz regelmäßig Schwäche zeigte, gelingt ihm diesmal das Gegenteil: Er enteilt seinem Rivalen. 

Val Ferret. 9:30 Uhr. Das Seitental in der italienischen Region Aostatal, nordöstlich von Courmayeur, zählt zu den landschaftlichen Highlights des Rennens. An der Verpflegungsstation neben der Arnouva-Schutzhütte auf einer Höhe von 1.789 Metern haben die „normalen“ Läufer, die jetzt erst hier ankommen, 98 Kilometer zurückgelegt. Die nächsten 500 Höhenmeter hinauf zum Grand Col Ferret absolviere ich mit ihnen. Echt fies, die kurzen, extrem steilen Passagen unter der Passhöhe. Die Blicke sind allesamt starr, immer wieder bleiben Läufer für Minuten stehen, um Atem zu holen. Die Beine machen längst nicht mehr mit, Anfeuerungsrufe werden nur noch mit einem müden Lächeln quittiert. 

Auch die Spitzenläufer zeigen erste Schwächen: Kilian Jornet zeigt Anzeichen schwerer Erschöpfung und muss am Verpflegungsposten in La Fouly eine viertelstündige Pause einlegen. „Ich bin am Limit“, gesteht er den Reportern vor laufender Kamera. Jim Walmsley dagegen trifft bereits gegen 8 Uhr in Champex-Lac (km 126), dem nächsten Boxenstopp, ein. Auf dem extrem schwierigen Streckenabschnitt wird Kilian Jornet zudem vom Franzosen Mathieu Blanchard überholt, bleibt aber mit schmerzerfülltem Gesicht in dessen Windschatten.

Beim Abstieg zurück zur Arnouva-Schutzhütte taucht plötzlich Jose, der Spanier aus dem Startbereich, hinter einem Felsblock auf und schildert kurzatmig seinen momentanen Zustand: „Ich hatte bis hierher schon so viele schmerzhafte Momente. Andererseits gibt’s so viele Momente, die unendlich langweilig sind. Momente, in denen du dir immer wieder sagst: gib auf, erhole dich, hör auf, an die nächste Steigung zu denken.“ Aber das sei Teil der Challenge und mache den Reiz aus, sagt er und fügt hinzu: „Diesen Lauf überstehst du nur, wenn du die Monotonie bezwingst.“ 

Spitzenläufer wie Kilian Jornet vergleichen solche Rennen mit dem Leben an sich. Man erlebt Höhen und Tiefen, Ärger und Freude, Schmerz und Apathie. Dabei spielt es keine Rolle, wie gut man vorbereitet ist. Früher oder später übermannen einen diese Gefühle unweigerlich. Und man kann sie nicht einfach zur Seite schieben. Manchmal helfe das Zählen, verriet Jornet in einem Interview. Aufgenommene Kalorien zählen, Schritte zählen, Serpentinen zählen, Dinge zählen, die man auf dem Weg zu Gesicht bekommt: Kirchtürme oder Gebirgsbäche. Manche sagen Mantras auf, andere konzentrieren sich nur noch auf das Atmen. Wie auch immer: es hilft enorm, wenn man den Fokus auf etwas völlig anderes richten kann.

Kurz nach Champex-Lac eine erste Vorentscheidung. Jim Walmsley schafft es nicht, sich gut zu verpflegen – er leidet unter Magenproblemen und fällt zurück. Kilian Jornet, der sich zunächst schwer tat, das Tempo von Mathieu Blanchard zu halten, erlebt im Laufe des Vormittags einen zweiten Frühling. Am Versorgungspunkt in Vallorcine, am Fuße des letzten Anstiegs zum Tête aux Vents, dann der entscheidende Moment des Rennens. Kilian Jornet und Mathieu Blanchard mustern sich gegenseitig, beide nehmen so schnell wie möglich Nahrung auf. Plötzlich springt der Spanier auf und sprintet los. Blanchard zögert keine Sekunde und folgt ihm. Wenige hundert Meter nach der Verpflegungsstation startet Kilian Jornet einen Angriff, dem sein Konkurrent nicht mehr folgen kann. Nach dem Anstieg zum Tête aux Vents ist der Vorsprung des Spaniers auf 10 Minuten angewachsen.

Chamonix, Zielbereich. 14 Uhr. In der neuen Rekordzeit von 19 Stunden, 49 Minuten und 32 Sekunden gewinnt Kilian Jornet den UTMB, gefolgt von Mathieu Blanchard, der nur fünf Minuten länger braucht. Auf dem Weg ins Hotel muss ich an Jornets Landsmann Jose denken, der das Ziel wohl erst am nächsten Vormittag erreichen wird. Bleibt zu hoffen, dass er im Zeitlimit und von den gefährlichen Halluzinationen der zweiten Nacht verschont bleibt.  

Dacia goes Outdoor.

Imagewechsel bei Dacia? Künftig will sich die Renault-Tochter die Reifen schmutzig machen und mit speziellen Angeboten den Outdoor-Markt bedienen.

Dacia-CEO Denis Le Vot hat klare Vorstellungen von der neuen Ausrichtung: „Die Kernmerkmale machen unsere Fahrzeuge zum idealen Begleiter für Outdoor-Aktivitäten. In Zukunft wird Dacia diesem Trend verstärkt Rechnung tragen, indem die Marke ihr Angebot an Modellen ausweitet, die Ausflüge abseits befestigter Straßen erlauben. Neben Allradsystemen wird Dacia spezielles Zubehör für Outdoor-Aktivitäten anbieten, darunter ab 2023 ein Kit, um im Jogger in wenigen Minuten ein Doppelbett einzurichten. Hinzu kommt ein Zelt für bis zu vier Personen, das unmittelbar mit dem Fahrzeug verbunden ist.“ 

Und so kam es auch schon jetzt zur Zusammenarbeit mit den Ultra-Läufern: „Wir sind sehr stolz, der offizielle Partner des UTMB-Ultra-Laufs zu sein. Wir teilen dieselben Werte, wie Teamgeist, den ausgeprägten Outdoor-Charakter und den Sinn für Abenteuer – eine Kooperation, die funktioniert“, so der Managing Director von Dacia Deutschland, Thilo Schmidt.

Wir tragen es uns schonmal in den Kalender ein und legen den Jogger raus: 2023, zelten gehen mit dem Dacia Jogger.

TEXT und FOTOS Franz Michael Braunschläger

LESENSWERT.

WALTER.