Audi e-tron vs. Realtität.

Eigentlich sollte es nur ein Fahrbericht über den Audi e-tron werden. Wird es aber nicht. Weil man damit nirgendwo hinfährt. Zumindest nicht in den nächsten Jahren. Oder in die übernächste große Stadt.

Man muss sich das Reisen innerhalb des Kinderschuh-E-Auto-Konzeptes folgendermaßen vorstellen: Es ist wie beim Trampen früher. Man weiß zwar wo man hin will, kann aber nicht sagen, wann man da sein wird. Irgendwann halt. Vielleicht sogar auf den Tag genau. Aber eine kleinere Maßeinheit, wie zum Beispiel Stunden, braucht man in seiner Reiseplanung nicht mehr berücksichtigen. Sinnlos.

Elektroautos haben eine winzige Zielgruppe, sollen aber flächendeckend ausgerollt werden. Da fängt der Berliner Spaß wie so oft schon an. Ich habe Elektroautos bisher einfach ihrer echten Bestimmung nach genutzt: in der Stadt und minutenweise gemietet. Ich muss keine Sorgen haben, unterwegs liegen zu bleiben und ums Laden kümmert sich der Anbieter. Perfekt. Und Spaß macht die eindrucksvolle Ampelbeschleunigung auch allemal. Von diesen Erfahrungen und den Weltrettungsparolen deutscher Politiker euphorisiert, dachte ich: jetzt übertragen wir das alles mal in die echte Praxis. Stell Dir vor, Du hättest ein E-Auto. Und würdest damit ganz normal fahren wie sonst auch. Termine, Städte, Länder. Ich bin zwar nicht der SUV-Fan, aber um es ein bisschen nachvollziehbarer für den Deutschen zu machen, nehmen wir einfach einen Audi e-tron. Dann ist der Fahrbericht am realistischsten.

Hamburg – Leipzig. Sollte machbar sein

Ab jetzt wird es persönlich. Und ich versuche mal anhand von Beispielen zu erklären, wie man sich die Fahrt in einem (aufgrund drohender Strafzahlungen vom Staat für zu hohen CO2-Ausstoss der Flotte mal hektisch auf den Markt geworfenen) E-SUV anfühlt. Der Plan war: Hamburg-Leipzig. 390 Kilometer. 15 Uhr los, zum Abendessen da. So wie immer halt. Und so hat es das Auto auch vorausgesagt. Anfangs. Gibt man eine Strecke ins Navi des e-tron ein, werden auch gleichzeitig die nötigen Ladestopps vorausberechnet und angezeigt.

Stopps? Ja, Stopps. Zwei will der Audi haben. Obwohl er die ganze Nacht an der Ladesäule hing starten wir mit unter 300 Kilometern Reichweite. Angeblich kann er bis zu 400. Na ja. Weiß jeder, dass diese Angaben beim Benziner oder Diesel genauso hart an der Grenze der Volksverarschung gerechnet sind.

Zum nichtelektrischen Teil des e-tron sei noch gesagt: wundervolle Verarbeitung und wahnsinnig leise. Man kann sich weinen hören.

Auch wenn Audi damit wirbt, dass es nicht nur auf die (Tesla)-Reichweite, sondern auch auf die Ladedauer ankommt – dass ein Audi schneller als ein Tesla lädt funktioniert genau an zwei Orten auf der Welt: in der Theorie und auf dem Papier. Die Lade-Infrastruktur spottet weiterhin jedweder Beschreibung. Mit 150 kW kann man den Audi laden. Zwischen Hamburg und Leipzig leider nicht. Sagt der Audi.

Aber warum will er zwei Stopps haben? Letztlich ist es mir egal, er wird es sich überlegt haben. Und ich hab während der sparsamen Fahrt Zeit, das Navi noch ein paarmal neu zu starten, um zu sehen, ob er mir bei genügsamer Fahrweise auch was anderes anbietet. Vielleicht waren aber auch nur die Wunschsäulen unterwegs besetzt und ich bekomme etwas anderes vorgeschlagen, wenn sie frei sind. Die Säulen haben schließlich GPS-Empfänger, der Audi ist auch connected, die werden schon miteinander sprechen.

Schneller als 120? Besser nicht

Was ich natürlich als Stadtfahrer nicht wusste: die angegebene Reichweite von sowieso nur 279 Kilometern gilt ausschließlich bei Tempo 120 auf der Autobahn. 124 gehen, wenn man die Heizung ausstellt. Im Februar. Beachtet man beides nicht und überholt womöglich jemanden: Adé Reichweite! Und zwar mit großen Schritten. Doch das ist erst der Anfang.

Wie es weitergeht, steht in der neuen Ausgabe von WALTER

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