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Kia EV6. Fahrbericht.

Kia glaubt auf die mächtige Elektrowelle durch die ID-Familie von Volkswagen genau die richtige Antwort zu haben. Besonders groß sind die Erwartungen dabei an den Kia EV6, der Ende des Jahres in den Handel kommt. Bei einem ersten Fahrtest zeigt der Koreaner, was er kann.

Technisch ist der 4,70 Meter lange Kia EV6 eng mit dem Hyundai Ioniq 5 verwandt, mit dem er sich weit mehr als die neue Elektroplattform E-GMP teilt. Doch erst einmal ist sein Design eine echte Schau, denn die flache Front, der betont lange Radstand und das sehenswerte Heck mit dem eleganten LED-Lichtband dürfte bei vielen Kunden bestens ankommen.

Das Innere präsentiert sich mit seinen beiden Zwölf-Zoll-Bildschirmen nebst Head-Up-Display eher modern als futuristisch und ist trotz der Mittelklasse-Dimensionen schon Dank des 2,90 Meter langen Radstandes vernünftig dimensioniert. Die breite Mittelkonsole trennt Fahrer und Copilot mit Ablagen und Bedieneinheiten. Die Sitzposition ist durch das Akkupaket im Unterboden etwas höher, als diese sonst wäre. Bei einem SUV lässt sich dies jedoch vergleichsweise leicht kaschieren.

Der Laderaum fasst 480 Liter, die durch Umlegen der Rücksitze auf bis zu 1.300 Liter erweitert werden können. Ein kleines Staufach (20 bis 52 Liter) befindet sich vorn unter der Fronthaube und nimmt problemlos kleinere Gegenstände auf, die zum Beispiel nicht verschmutzen sollen, wenn der Laderaum einmal voll ist.

Der Kia EV6 wird in zwei Versionen mit zwei Batteriepaketen von 58 und 77,4 kWh angeboten. Während die Basisversion mit 125 kW / 170 PS oder 168 kW / 229 PS allein über die Hinterachse angetrieben wird, ist der EV6 auch mit einem Allradantrieb zu bekommen, der wahlweise 173 kW / 235 PS oder 239 kW / 325 PS / 605 Nm leistet. Wem das nicht reicht sollte, kann sich Ende 2022 auf das Topmodell des Kia EV6 GT freuen, dessen zwei Elektromotoren üppige 430 kW / 584 PS und 740 Nm maximales Drehmoment leisten.

Die nachgelieferte Sportskanone schafft den Imagespurt von 0 auf Tempo 100 in 3,5 Sekunden und greift mit einer stattlichen Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h höhere Fahrzeugklassen und Hersteller an. Doch für viele Interessenten dürfte die vorübergehende Topversion mit 325 PS die rechte Wahl sein; positioniert sich diese doch auch gegenüber den GTX-Modellen der VW ID-Familie.

Mit einem Gewicht von 2,1 Tonnen ist der Allradler alles andere als ein Leichtgewicht, doch der 74 kW / 100 PS starke Elektromotor an der Vorderachse sowie die 165 kW / 225 PS an der Hinterachse schieben den Allradler auf der Landstraße imposant und mehr als dynamisch an. Die Lenkung ist wie bei vielen Elektromodelle reine Gefühlssache – man muss sich etwas an sie gewöhnen. Doch die Rückmeldung ist gut; allein die Rückstellkräfte sind anders, als man es von einem Allradler der 300-PS-Liga aus der Verbrennerwelt erwartet hätte.

Das gilt auch für das Anfedern, denn der allemal sportliche Kia EV6 ist nicht unkomfortabel abgestimmt – aber straff allemal und das unabhängig vom angewählten Fahrprogramm. Der Imagespurt von 0 auf 100 in 5,2 Sekunden interessiert im Alltag niemanden, doch beim Zwischenspurt ist der EV6 eine echte Schau.

Als es hinter einem Lastwagen auf der Landstraße gerade einmal etwas zäh vor sich hin zuckelt, reicht ein Druck aufs rechte Pedal und aus Tempo 60 spurtet der Elektrocrossover trotz seines üppigen Gewichts in spektakulären 2,7 Sekunden auf 100 km/h. Kurz auf die Autobahn auffahren? 80 auf Tempo 120 in 3,9 Sekunden – spektakulär in den Sitz gepresst und allemal auf Sportwagenniveau. Doch wirklich schnell ist der Kia EV6 auch mit seinen 325 PS auf der Autobahn nicht, denn bei 185 km/h wird allzu schnell abgeregelt.

Wichtiger dürfte vielen Kunden ohnehin die maximale Reichweite sein und die soll mit den kleineren 19-Zöllern bei gut 500 Kilometern liegen. Um das 77,4-kWh-Akkupaket im Unterboden von 10 auf 80 Prozent zu füllen, dauert es an einer Schnellladesäule mit 350 Kilowatt 18 Minuten und an einer 50-kW-Säule 73 Minuten. Der Kia EV6 kann ebenso wie der Hyundai Ioniq 5 an Ladestationen mit 400- als auch 800-Volt nachtanken. An der heimischen Wallbox dauert das Nachtanken auf die zu 80 Prozent knapp 7,5 Stunden und für die restlichen 20 Prozent an Akkukapazität wird es wie bei allen Elektrofahrzeugen zäh.

Preislich geht es für den Kia EV6 im vierten Quartal bei 44.900 Euro für die Basisversion mit Hinterradantrieb und kleinem Akkupaket los. Mit Allradantrieb und großem Akkupaket werden es für die GT-Variante des Kia EV6 dann rund 66.000 Euro sein. Damit hat Kia dann ein neues Topmodell, denn aktuell ist zumindest in Europa bei knapp 58.000 Euro für den schicken Kia Stinger Schluss.

TEXT Stefan Grundhoff; press-inform

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