Maserati Fuoriserie. Exklusiver geht es kaum.

David Beckham hat es getan und auch einige Spitzenköche: Sie ließen sich ihren Maserati nach Maß bauen. Das darf ab sofort jeder Kunde und erhält noch einen Stilratgeber gratis dazu.

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Damit würde man selbst auf der Düsseldorfer Kö oder in Münchens Leopoldstraße auffallen und müsste noch nicht einmal aussehen wie Ex-Fußball-Star David Beckham. Allein sein brandneuer Maserati MC20 reicht schon. Der 630 PS starke Mittelmotorsportwagen mit den riesigen Schmetterlingsflügeltüren ist ein Blickfang – und erst recht, wenn er wie in Beckhams Fall zum Unikat veredelt wurde. Dabei vermied der Weltstar sogar den Griff zu knalligen Farben oder extrovertierten Dekoren. Stattdessen verlieh er seiner Liebe zu seiner Wahlheimat Miami und seinem dortigen Fußballverein Inter Miami Ausdruck. Neben viel Schwarz wird dort nämlich Pink getragen. Und so bekam Beckhams MC20 eine Farbmixtur aus glänzendem und mattem Schwarz und einer kleinen, aber durchaus auffälligen Prise Rosa. Das dürfte vermutlich auch Ehefrau Victoria gefallen.

Ob es jedermann gefällt, sei dahingestellt. Über Geschmack sollte man nicht streiten. Und schon gar nicht, wenn es ums Thema Fahrzeugindividualisierung geht, das in den letzten Jahren massiv an Bedeutung gewonnen hat. Was früher mehr oder minder seriösen Tuningbetrieben vorbehalten war, machen heute die Hersteller von Luxusfahrzeugen lieber selbst: Zu groß ist die Marge, die man damit verschenken würde. Ein Hauch eines besonderen Farbtons, ein paar zusätzliche Carbon-Applikationen und ein als exklusiv angepriesenes Raddesign – schon sind viele Kunden bereit, für diesen Auftritt deutlich mehr zu bezahlen. Hersteller wie Porsche und BMW verdienen daran seit Jahren gut, während Marken wie Rolls-Royce und Ferrari auf Kundenwunsch und gegen opulente Bezahlung sogar Unikate mit eigenständigen Karosserien fertigen.

Doch auch ohne diese Optionen läuft das Fuoriserie-Geschäft für Maserati gut. Im vergangenen Jahr waren es bereits 800 Fahrzeuge, die von Kunden personalisiert wurden. In diesem Jahr sollen es doppelt so viele werden. Gerade die inzwischen angelaufene Serienproduktion des Supersportwagens MC20 spielt dafür eine wichtige Rolle, weil bei Basispreisen von über 200.000 Euro das Geld der Kunden ohnehin lockerer sitzt. Logischerweise sind es bei den Sportlimousinen Ghibli und Quattroporte sowie beim SUV Levante eher die Top-Motorisierungen, bei denen Kunden bereit sind, nochmals deutlich tiefer in die Tasche zu greifen. Gabba weiß: „Wird das Fahrzeug völlig frei nach den Kundenwünschen gestaltet, kann sich der Fahrzeugpreis verdoppeln.“

Ganz so weit geht Maserati mit seiner neu eingeführten Abteilung Fuoriserie nicht. Der Begriff bedeutet „nicht von der Stange“, also nach Maß gefertigt. Es geht es ausschließlich um stilistische Aspekte: um Farben, Dekore und Materialien – nicht um eigenständige Karosserien, auch wenn das Projektleiter Vittorio Gabba für die Zukunft nicht ausschließen will: „Wir haben damit im letzten Jahr erst angefangen, und es bedarf für so etwas nicht nur die Kompetenz und Kapazitäten, sondern auch die entsprechenden Kundenanfragen.“ Immerhin soll es in absehbarer Zeit bereits Karosseriemodifikationen für eine veränderte Aerodynamik geben.

Neben David Beckham ließ beispielsweise auch der weltweit jüngste Sternekoch, Massimiliano Alajmo, einen Levante frei nach seinen Vorstellungen gestalten. Besonders wild trieb es Küchen-Star Missimo Bottura, der seinem SUV eine Optik gab, als wären ein paar Kübel Farbe über den Wagen und im Innenraum ausgegossen worden. Alle drei verbindet, dass sie nicht nur über das nötige Kleingeld verfügten, sondern dass sie mit dem Maserati-Designcenter im engen Austausch waren, um ihre Ideen am Fahrzeug umzusetzen. Selbst Beckham grübelte bis zum Schluss zwischen drei verschiedenen Rosatönen, bevor seine Entscheidung traf.

So viel Zeit und Energie wollen und können nicht alle Kunden aufbringen. Oft schwebt ihnen nur eine bestimmte Farbrichtung vor, ohne sich Gedanken zu Details oder flankierenden Maßnahmen gemacht zu haben. Die Situation ist vergleichbar mit Maßschneidern, deren Kunden eine bestimmte Material- oder Farbvorstellung haben, von Taschenform, Innenfutter oder Kopfgestaltung aber nichts wissen. Um diesen Kunden entgegenzukommen, schufen die Maserati-Designer eine Art Farb- und Musterkatalog, der als Inspirationsquelle dienen kann. Das Ganze ist aufgeteilt in „Futura“ mit modern-futuristischen Farben und Dekoren und „Corse“ mit Designs, die an alte Rennwagen erinnern. Innerhalb der jeweiligen Linie gibt es vorgegebene, stilistisch passende Optionen. Der Kunde wird damit an die Hand genommen und durch den Dschungel der Möglichkeiten geführt. Der Gestaltungsprozess erfolgt zu Hause am Computer oder beim Händler.

Natürlich erinnert diese Vorgehensweise an eine erweiterte Liste der Sonderausstattungen. Gleichwohl spielt schon dieses Fuoriserie-Angebot preislich in einer völlig anderen Liga. So kostet beispielsweise eine Metallic-Lackierung für den Levante rund 1.200 Euro, die Dreischichtlackierung steht mit 3.200 Euro in der Preisliste. Entscheidet sich der Kunde dagegen für eine Fuoriserie-Lackierung, sind 20.000 Euro fällig. Für einen passenden Dekorstreifen werden dann nochmals fast 10.000 Euro aufgerufen. Dahinter steckt einerseits der Preis der Exklusivität, um beispielsweise nicht an jeder Ecke einen Ghibli in der schrillen Farbe „Hypergreen“ anzutreffen. Doch es gibt auch technische Gründe. „Fahrzeuge aus dem Fuoriserie-Programm werden von Hand lackiert und müssen aus dem normalen Produktionsprozess herausgenommen werden“, erklärt Gabba: „Und auch sämtliche Dekorlinien sind von Hand lackiert und nicht foliert.“

Während selbst die individuellen Fahrzeuglackierungen augenscheinlich allerhöchsten Qualitätsansprüchen entsprechen und absolut gleichmäßig sind, tritt an anderen Stellen die Handarbeit deutlicher zu Tage. Beispielsweise bei lackierten Felgenrändern mit einer fünf Millimeter breiten, von Hand aufgetragenen Farbeinfassung. Hier sind leichte Toleranzen sichtbar und Gabba erinnert sich: „Die Kollegen aus der Produktion wollten das zunächst nicht hinnehmen, denn Maschinen könnten es exakter. Das sagten wir auch dem Kunden. Doch er bestand auf die handgemalten Räder, schließlich seien sie ein Unikat.“ Und genau darum geht es ja bei Fuoriserie.

TEXT Wolfgang Hörner für WALTER

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