Damit korrigiert Alpine seinen früheren Kurs zumindest teilweise. Unter dem früheren Renault-Chef Luca de Meo war die Marke noch klar auf eine rein elektrische Zukunft ausgerichtet. Inzwischen verfolgt Alpine-Chef Philippe Krief eine offenere Strategie. Die neue A110 soll zunächst als Elektro-Sportwagen kommen, die technische Basis bleibt aber flexibel genug für andere Antriebskonzepte.
Im Mittelpunkt steht die neue Alpine Performance Platform, kurz APP. Die Aluminium-Architektur wurde nicht nur für die A110 entwickelt, sondern soll künftig eine ganze Familie sportlicher Alpine-Modelle tragen. Neben dem zweisitzigen Coupé wären auch ein Cabrio, ein 2+2-Sitzer oder größere Sportwagen denkbar. Auch eine spätere Markteinführung in den USA wurde bei der Entwicklung berücksichtigt. Die aktuelle A110 ließ sich dort nur schwer homologieren und war für weitere Karosserievarianten kaum geeignet.
Technisch dürfte die elektrische A110 eng mit dem Renault 5 Turbo 3E verwandt sein. Alpine verzichtet offenbar auf eine klassische Architektur. Stattdessen sollen zwei Batteriepakete zum Einsatz kommen: eines dort, wo beim aktuellen Modell der Verbrennungsmotor sitzt, ein weiteres vor der Fahrgastzelle. So will Alpine eine Gewichtsverteilung von etwa 40:60 erreichen. Die Reichweite soll deutlich über 500 Kilometern betragen.
Beim Gewicht peilt Alpine weniger als 1.450 Kilogramm an. Damit läge die neue A110 ungefähr auf dem Niveau des eingestellten Porsche 718 Cayman, der auch fahrdynamisch als Referenz gilt. Alpine will nicht nur gute Beschleunigungswerte liefern, sondern auch konstante Leistung auf der Rundstrecke. Der Nürburgring spielt in der Entwicklung entsprechend eine wichtige Rolle.
Für den Antrieb bestätigt Alpine eine sogenannte 3-in-1-E-Achse. Sie kombiniert zwei radnahe Elektromotoren mit einem Siliziumkarbid-Inverter. Die Leistung dürfte oberhalb der 464 PS des stärksten A390 GTS liegen. Die APP-Plattform ist zudem auf Allradantrieb vorbereitet.
Interessant ist auch der Blick auf die Batterie. Alpine prüft offenbar, den Akku austauschbar zu machen. Kunden könnten damit später auf neue Zellchemie umsteigen oder die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs erhalten. Zugleich ließe sich damit ein Problem vieler teurer Elektro-Performanceautos entschärfen: der starke Wertverlust durch alternde Batterietechnik.
Ob es tatsächlich eine A110 mit Verbrennungsmotor geben wird, ist offen. Alpine betont, dass die Entwicklung eines solchen Antriebs noch nicht begonnen habe. Die Plattform sei aber so konstruiert, dass ein klassischer Verbrenner, ein Mildhybrid oder ein Plug-in-Hybrid grundsätzlich möglich wären. Das könnte vor allem für Märkte wichtig werden, in denen Elektroautos weniger gefragt sind oder gesetzlich weniger stark bevorzugt werden.
Genau hier liegt der strategische Unterschied zu Porsche. Während Porsche beim elektrischen Nachfolger des 718 offenbar mit einer späteren Verbrennerlösung kämpfen müsste, hält sich Alpine diese Option von Beginn an offen. Krief beschreibt das als bewusste Absicherung: Die Marke will schnell reagieren können, falls sich Märkte, Kundenwünsche oder politische Rahmenbedingungen verändern.
Nach der A110 dürfte das Programm wachsen. Alpine denkt bei der APP-Plattform nicht nur an ein einzelnes Modell, sondern an mehrere eigenständige Sportwagen. Denkbar wären größere Modelle unter historischen Namen wie A210 oder A310. Auch besonders radikale Sondermodelle sind wahrscheinlich. Nach dem A110 Ultime soll die Special-Projects-Abteilung künftig weiter ausgebaut werden.
Erster Auftritt in Goodwood
Einen ersten Eindruck davon gibt Alpine beim diesjährigen Goodwood Festival of Speed, das vom 9. bis 12. Juli im Süden Englands stattfindet. Dort zeigt die Marke den Prototyp der neuen A110 erstmals öffentlich. Begleitet wird der Auftritt von der aktuellen Modellpalette sowie dem Alpine F1-Team, darunter die Formel-1-Piloten Pierre Gasly und Franco Colapinto.