RAM 1500 Laramie Sport. Es war einmal in Amerika.

Wo testet man einen 5,7-Liter V8-Truck (und ein RAM 1500 IST ein Truck!)? Natürlich in Amerika. Gut, wenn es nur 189 Kilometer entfernt ist. Aufsteigen (und man STEIGT in den RAM 1500 auf) und ab dafür!

Seit wirklich langer langer langer Zeit hatte ich nicht mehr so viel Freude in und an einem Auto. Ganz ehrlich. Und das ging nicht nur mir so. Jeder, der in diesem RAM 1500 mitgefahren ist oder ihn selbst ausreiten durfte, hat gestrahlt und ist seinem Charme verfallen. Mein Kind (26) war gelangweilt des Todes, als es in den X3 seiner Mutter steigen musste, nach ihrer ersten Fahrt im RAM. Und war erst wieder ein glückliches Kind, als es zurück in den RAM ging. Peter, der Vater unserer Models Fritzi, ist eigentlich bekennender Sparfuchs und Twingo-Fahrer – und trotzdem hat man ihn nach seiner ersten Fahrt im RAM zwei Tage das Internet leergooglen sehen nach Infos über den RAM. Dieses Auto löst etwas in Menschen aus.

Aber warum denn, himmelherrgottnocheins? Was ist an diesem Monstertruck mit seinem gigantischen 5,7-Liter HEMI-Achtzylinder und den 401 PS so besonders? Unter anderem der gigantische 5,7-Liter HEMI-Achtzylinder mit den 401 PS. Der die 2,6 Tonnen mittels ZF-Achtgang-Automatik so akustisch souverän anschiebt, wie eine Hafenbarkasse die Reisegruppe aus Ostwestfalen.

Und auch wenn es sich beim Verhältnis von Gewicht und PS nicht nach Rennwagen anfühlt: die 1 steht schnell vorne beim blauäugigen Stadtverkehrsbeschleunigen (schönes Detail: trotz unvermeidlicher Touchscreens hat der RAM noch echte und schöne Zeiger für Tacho und Drehzahlmesser).

Man bemerkt die Urgewalt nicht, aber sie geschieht. Dazu tragen drei Dinge bei:

1. die Höhe. Man sitzt auf Sprinter-Level (und damit ist nicht Usain Bolt gemeint). Das relativiert Geschwindigkeiten, wenn man am Horizont von Hamburg aus Texas sehen kann.

2. die Ruhe. Doppelverglasung in allen Zimmern (und der RAM HAT Zimmer) sorgt für eine ohropaxe Geräuschloskulisse,

3. das Fahrwerk. Das ist wahrscheinlich der beeindruckendste Teil des RAMs. Er schwebt. Trotz minimal übertriebener 275er Disco-Glitzer-Räder in 20 Zoll (die es aber wahlweise auch in schön gibt) gleitet der RAM wie ein Luftkissenboot über den deutschen Flickenteppich. Es ist wirklich beeindruckend: Man erwartet eine laute Rumpelkiste mit Holzfällermanieren und bekommt einen Luxusliner mit Balkonkabine. Ihr befürchtet einen durchgesuppten Knorpel-Burger und dann schmeckt dieser wie das beste Wagyu-Steak vom Holzkohlegrill ever. Ihr seid in ein Blind-Date mit der schwer vermittelbaren Cousine der Canasta-Freundin Eurer Mutter reingequatscht worden und es taucht Scarlett Johansen im aufgeknöpften karierten Flanellhemd auf. Versteht Ihr? Der RAM ist dieser amerikanische Traum, von dem alle reden.

Für den Fotoshoot war klar: dieses amerikanische Kunstwerk muss auch in Amerika fotografiert werden. Gut wenn Amerika nur 189 Kilometer von Hamburg entfernt liegt. Hier lassen wir kurz Wikipedia sprechen:

„Das heutige Amerika liegt auf einer kleinen Anhöhe. Der Weg dorthin vom eigentlichen Ort Garrel war aufgrund der sumpfigen Verhältnisse sehr mühsam und beschwerlich, weshalb er von den Siedlern mit einer Reise nach Amerika verglichen wurde. Der Ortsteil ist heute großer Besuchermagnet der Gemeinde Garrel – man kann auch ein Zertifikat erwerben, auf dem bescheinigt wird, dass man in Amerika war.“ Na prima, den letzten Teil haben wir leider verrissen, weil wir es nicht wussten.

Aber die Gegend dort: 1:1 der Wilde Westen. Prärie, endlose Weiten, Countryside. Und zumindest von außen sieht der RAM ja nach Landei aus. Ein sehr großes Ei. Man sitzt so hoch wie im Sprinter, und der RAM ist mit 5,92 Metern auch so lang wie ein Sprinter. Dafür aber mit 2,08 Metern 10 Zentimeter breiter als so ein schwindsüchtiger Sprinter. Bei der Einfahrt in eine Tiefgarage heißt es Spiegel anklappen (lassen). Beim Rangieren in einer Tiefgarage heißt es beten. 3,67 Meter Radstand biegen durchaus anders ab als gewohnt. Natürlich machen Piepser allerorten und die Rückfahrkamera (ohne die niemand außerhalb der Shiloh-Ranch rückwärts einparken könnte) einen guten Job.

Man könnte ergänzend noch in die Hinterzimmer des RAM spazieren und dort aus den Fenstern nach dem Rechten schauen. Der Fußraum des RAM hinter den vorderen Sitzen ist so groß, dass Reisekoffer dort flach liegend transportiert werden können. Es sollten aber mehrere sein, damit sie sich gegenseitig aufhalten können. Hundebesitzern sei gesagt: Alles unterhalb eines Ponys findet im hinteren Fußraum genügend Auslauf während langer Fahrten. Und in den Böden sind tiefe Fächer eingelassen für zum Beispiel Hundefutter und Trinkwasser. Will sagen: die 1,71 Meter lange Ladefläche wird bei Reisen gar nicht benötigt. Alle und alles passt in den RAM.

Auch vorne sind die Platzverhältnisse ähnlich: die belüfteten Sitze sind aus der Hotelhalle des Atlantic, die Mittelkonsole (haha, der zweistöckige Einbauschrank zwischen den Sitzen) verfügt über drei Handyhalter und ein verschiebbares Fach, in dem (kein Spaß) alles bis zur Größe eines Cocker Spaniels ganz bequem mitreisen kann. Legen Fahrer und Beifahrer ihren Arm auf die Mittelkonsole, könnte immer noch jemand von den Rücksitzen aus die Beine dazwischenlegen. Sofern derjenige bei den Chicago Bulls spielt, da der Weg sehr sehr weit ist.

Man möchte in diesem Viel-Kraft-Fahrzeug einfach leben. Sich einrichten, seine persönlichen Dinge verstauen, hier und da eine Zimmerpflanze aufstellen, Wechselkleidung einräumen, ein Esszimmer einrichten, Teppiche ausrollen, den Fernseher platzieren und den Nachwuchs aufwachsen sehen. Auf der Ladefläche positioniert man Grill, Liegen und einen Gemüsegarten, bringt den Kindern das Radfahren bei und überlegt sich, was man denn dank serienmäßiger Anhängerkupplung für weitere 3,5 Tonnen auf einem Hänger mitführen wollte. Ich denke ein Pool wäre nett. Einfach nie wieder aussteigen.

Gut, ab und zu muss man das. Vielleicht sogar ein bisschen öfter. Ein 5,7-Liter-Achtender hat Durst. Auch wenn der Allrad nur bei Bedarf eingreift, so erzeugt das mannshohe Gebäude zumindest noch Luftwiderstand wie ein Mähdrescher. Aber ganz ehrlich: ist gar kein Thema. Europa-Importeur AEC versorgt den RAM von Haus aus (und es IST ein Haus) mit einer über 100 Liter fassenden Gasanlage, die zwar den Verbrauch nicht senkt, aber für glänzende Augen beim Tanken sorgt. 60 Cent der Liter. SECHZIG CENT. Leute, da guck ich nicht mal, was der RAM verbraucht. Soll er verbrauchen was er will. Bei voller Autobahnjagd sind das schon mal 17 Liter. Zu 60 Cent. Ergo: Verbrauch uninteressant. Unter 12 wird es schwierig, ein paar YouTube-Freaks haben ihn schon mit 8,4 gefahren, das aber unter menschenunwürdigen Nerd-Umständen. Rechnet also mit: Fahrfreude. Wenn der Gastank mal leer ist gibt es natürlich noch 98 Liter feinsten Super-Benzins als Range-Extender im Tank.

Für wen ist denn so ein Wagen der Richtige? Für alle, die Autos lieben und Pick-Ups eigentlich nie interessiert haben. Und Pflicht für alle, die ein Haus haben. Und wer kein Haus hat, muss sich halt eins kaufen, damit er einen RAM fahren kann. Ist leider so. Und bei der Finanzierungsanfrage gleich die rund 60.000 Euro mit einrechnen lassen für den RAM. Er ist schließlich eine zusätzliche Einliegerwohnung plus Geräteschuppen!

TEXT UND FOTO: Thomas Senn & Patrick Franco

PS: Nein, er heißt nicht mehr Dodge RAM. Dodge sind heutzutage PKW, RAM sind Trucks. Warum? Weil ein Marketingmensch meinte, man könnte so die Marke Dodge hipper bewerben ohne die Truckkundschaft zu verschrecken. Wie dumm. RAM sind so viel cooler als jeder Dodge. Aber das lernt der Marketingmensch auch noch.

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