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Daimler-Triumph bei der Targa Florio 1924. Sieg in Rot.

Kaum ein Rennen ist traditionsreicher als die Targa Florio, denn selbst Daytona, Le Mans oder Nürburgring hatten Anfang des 20. Jahrhunderts noch keinerlei Bedeutung im noch dünnen Rennkalender. Keine Überraschung, dass Daimler dieses einst bedeutendste Autorennen auf Sizilien mit einem Mercedes-Rennwagen gewinnen wollte. Vor 100 Jahren gelang dies – und zwar ganz in rot.

Das Autorennen auf Sizilien galt seit seiner Premiere im Jahre 1906 als besonders schwierig – gerade für Rennfahrer ausländischer Marken, denn die Italiener feuerten in erster Linie ihre eigenen Helden an und diese donnerten zumeist in roten Rennern auf den Pisten. 

Damit die heimischen Fans auf den kurvenreichen Landstraßen sie nicht behinderten, bediente sich Daimler bei der 15. Auflage des Straßenrennens im Jahre 1924 einer List und lackierte die normalerweise weiß getünchten Boliden in ein dunkles rot um. Damit folgte man der Idee von Giulio Masetti, der sein Siegerauto von 1922 ebenfalls in rot lackierte, um im Renngeschehen nicht aufzufallen.

Zugegeben – kaum anzunehmen, dass dies der Hauptgrund für den prestigeträchtigen Sieg von Christian Werner am 24. April 1924 bei der Targa Florio in seinem Mercedes 2-Liter-Rennwagen war. Doch auf den insgesamt vier (Targa Florio) beziehungsweise fünf Rennrunden der Coppa Florio mit einer Gesamtlänge von 432 Kilometern war es sicher kein Nachteil, dass die italienischen Fans dem deutschen Rennfahrer im wahrsten Sinne des Wortes keine Steine in den Weg legten.

Die 1924er Fahrzeuge waren dabei jene, die ursprünglich für die 500 Meilen von Indianapolis im Vorjahr gebaut wurden. Ebenso kleine wie leichte Sportwagen mit einem zwei Liter großen Reihenvierzylinder, dem durch zusätzlichen Roots-Kompressor 125 PS entlockt werden konnten. 

Zum 100. Geburtstag des Rennsieges restaurierte die Klassikabteilung von Mercedes den Zwei-Liter-Rennwagen vom Typ Mercedes Tipo Indy 2000 aufwendig. Dauer: zwölf Monate. Der rote Renner war das erste Projekt von Ferdinand Porsche als Chefingenieur der Daimler Motoren Gesellschaft. In Auftrag gegeben wurde das Projekt am 17. November 1923 unter der laufenden Nummer 74945 in Stuttgart-Untertürkheim. Mercedes war beim Rennen im Jahre 1924 mit drei Fahrzeugen am Start, die letztlich die Plätze eins, 10 und 15 belegten. 

Während Sieger Christian Werner das 108 Kilometer pro Runde lange Kurvengeschlängel zwischen Meer und Bergen in etwas mehr als sechseinhalb Stunden als erster zurücklegte, belegte Christian Lautenschlager Platz 10 und Alfred Neubauer Rang 15. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegerautos: 66 km/h. Ein unglaubliches Tempo auf der kurvenreichen Straße (über 7.800 Kurven / Kehren) mit größtenteils unbefestigter Fahrbahn. Die schnellste Rennrunde erledigte Sieger Christian Werner sogar mit einem Tempo von 68 km/h im Durchschnitt.  

Im Ziel hatte Christian Werner knapp neun Minuten Vorsprung vor dem erfahrenen Targa-Florio-Piloten Giulio Masetti, der nicht nur durch seinen Sieg im Jahre 1921 auf einem Mercedes besonders gute Streckenkenntnisse mitbrachte und bei den Fans nur „Löwe der Madonie“ genannt wurde. Auf einem Alfa Romeo RLS 3.6 reichte es für ihn diesmal nur zu Platz zwei vor Pietro Bordino auf seinem Fiat 501 SS Speziale. Von den 42 gemeldeten und letztlich 37 gestarteten Fahrern schafften es 21 in die Wertung.

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.
WALTER.