The Italian Job. Ksport.

Italiener bauen nicht nur die schönsten, sondern auch die besten Rallyeautos – dieses uralte Gesetz gilt bei der Rallylegend und in der Historischen Europameisterschaft noch immer. Schuld daran sind insbesondere Luca Malatesta und seine Firma Ksport, die den Delta Integrale auf WRC-Niveau hieven. Grund genug, dem Mann mal einen Besuch abzustatten.

Es war im Jahr 2009, dass der Tourismusverband von Queensland eine Stellenausschreibung lancierte, die weltweit Beachtung fand. Der findige Personalchef suchte Bewerber für den angeblich „besten Job der Welt“. Das Aufgabenprofil las sich wie folgt: Entspannen, Sonnen, Schnorcheln und aller Welt in Form eines Blogs davon berichten. Der Arbeitsplatz: die australischen Trauminsel Hamilton Island in der Nähe des Great Barrier Reefs. 35.000 Menschen bewarben sich, ein britischer Sonnyboy bekam den Zuschlag.

Luca Malatesta war nicht unter den Bewerbern. Der Italiener hat den schönsten Arbeitsplatz der Welt nämlich schon andernorts gefunden. Nur fünf Meter von seinem Bürostuhl entfernt beginnt eine fast vollständige Ahnengalerie an Lancia-Renn- und Rallyeautos: Stratos, 037, S4 und alle Delta-Modelle vom 1987er-4WD bis hin zum Evo. Dazu noch der eine oder andere Rundstrecken-Bomber made in Torino. „Viele Leute zahlen Geld, um solche Autos zu sehen, ich arbeite in unmittelbarer Nähe zu ihnen“, erklärt Malatesta in wohlklingendem Italo-Englisch.

Der Chef von Ksport arbeitet sogar mit ihnen. Ein Stockwerk drunter – im Erdgeschoss – stellen seine vier Mechaniker gerade einen Lancia 037 Evo 1 fertig, so einer fehlt noch in der Sammlung. Bei der frühen Mittelmotor-Flunder handelt es sich um das Originalauto von Walter Röhrl und Christian Geistdörfer bei der Rallye Portugal 1983. Röhrl ließ es zwar fliegen „wie der Teufel“ und demoralisierte damit einmal mehr Teamkollege Markku Alén, gegen die Audi Quattro war der Hecktriebler aber chancenlos. Mehr als Platz drei hinter der Audi-Doppelspitze war nicht drin.

Heute strahlt der 037 wieder so wie an jenem Tag, als er in Estoril über die Startrampe rollte – und das gestaltete sich gar nicht so einfach. Ksport hat seit seiner Gründung vor zwölf Jahren zwar schon unzählige 037er wieder flott gemacht, dabei handelte es sich aber in der Regel um Autos der letzten Ausbaustufe (Evo 2). In dieser Spezifikation kam auch das Röhrl-Auto im Ksport-Workshop an.

Doch der Besitzer – ein britischer Sammler – wollte ihn in den Originalzustand von Portugal 1983 zurückversetzen, ohne Kompromisse. „Das ist gar nicht so leicht“, erklärt Malatesta. „Für den Evo 2 gibt es alles, für den Evo 1 muss man manche Teile lange suchen oder aufwändig nachbauen.“ Die Unterschiede beginnen, wie er verrät, schon bei dem kleinen Display oberhalb des Drehzahlmessers und enden beim Hubraum (1.995 statt 2.111 cm3), den Auspuffkrümmern und der hinteren Stoßstange, die beim Evo 2 einfach weggelassen wurde.

Während Malatesta bei dieser Restauration auf zeitgenössische Fotos zurückgriff, hat sein Privatmuseum bei anderen Projekten sogar praktischen Nutzen. „Wir können die Originale einfach kopieren“, gibt der 44-Jährige Preis, und schiebt gleich hinterher. „Bei den meisten unserer Autos spielt Originalität keine große Rolle. Die meisten sind nicht nach einer Museums-Philosophie entstanden, sondern nach einer modernen Philosophie.“ Sprich: Die Sicherheitsausstattung ist ebenso auf dem neuesten Stand wie die Technologie in puncto Motor, Getriebe und Fahrwerk. Das hebt einen Delta Integrale auf das Niveau von so manchem World Rally Car.

Für diese „modernen alten Autos“ ist Malatestas Firma vor allem bekannt – nicht zuletzt dank seiner Heimrallye. Bei der Rallylegend in der nur sechs Kilometer entfernten Republik San Marino bringt Ksport immer ein Großaufgebot an den Start. Mit Erfolg. Zuletzt gewannen Malatestas Mannen vier Mal in Folge die Historic-Wertung. Drei Siege verzeichnete die finnische Rallyelegende Markku Alén in einem „modernen“ 037 Evo 2, einer ging auf das Konto des früheren Formel-1-Piloten Eric Comas. Der Franzose konnte einen befreundeten Uhrenhersteller vor einer Weile davon überzeugen, einen Chronographen namens Stratos herauszubringen. Und jetzt raten Sie mal, wer dafür auf Werbetour geht und welches Fahrzeug dabei eingesetzt wird?

Comas, bis vor Kurzem selbst Besitzer eines Alpine-Restaurationsbetriebs, zündet den Donnerkeil aber nicht nur bei der Rallylegend in San Marino. 2016 bestreitet er darin die Historische Europameisterschaft – ein Championat, in dem Ksport seit Jahren den Ton angibt. Allerdings nicht mit dem Stratos. Seit 2012 stammt das Meisterauto der modernsten Kategorie aus Malatestas Rallyeschmiede. Von 2012 bis 2014 dominierten die 037er das Geschehen. Seitdem die FIA die Meisterschaft für Autos der Jahre 1987 bis einschließlich 1990 geöffnet hat, gilt der Hecktriebler bei Malatesta jedoch als Auslaufmodell. „Wir pushen den Delta, das ist das Auto der nächsten fünf Jahre“, prognostiziert der 44-Jährige.

Machen vier Titel in Serie seine Autos denn auch zu den besten Histo-Flitzern Europas? „Ich würde nicht sagen, dass unsere Autos besser sind als die der anderen. Der Speed ist ähnlich, wir sind nicht immer die Schnellsten“, erklärt Malatesta, der den Schlüssel zum Erfolg in anderen Aspekten sieht. „Aber unsere Autos sind schwer zu stoppen, sehr zuverlässig. Außerdem haben wir die beste Crew, die besten Kunden und die beste Logistik.“

Letzteres ist bei den Läufen zur Historischen Europameisterschaft tatsächlich ein Erfolgsfaktor, denn der Service ist hier wie zu alten Zeiten unbegrenzt. Nach fast jeder Prüfung empfangen die Ksport-Mechaniker ihre Kunden und schauen nach dem Rechten. „Das macht die Rallyes viel interessanter. Wenn die FIA diese Philosophie ändert, werden Fahrer wie ‚Lucky‘ [Luigi Battistolli, Historischer Europameister 2014] nicht mehr in der EM fahren“, prophezeit Malatesta. Es hat aber auch seinen Preis: Um zwei Autos zu betreuen, schwärmt Ksport mit sechs bis acht Mechanikern, drei Servicewagen und einem Motorhome aus zu Läufen wie der Rallye Sanremo Storico oder der historischen Akropolis.

Der freie Service und auch der Delta Integrale sind für Malatesta eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. 1991 begann er seine Laufbahn als einfacher Mechaniker des italienischen ART-Teams. Macht das den Delta auch zu seinem Lieblingsauto – oder bevorzugt er doch eher Stratos oder 037? „Das ist schwer zu sagen. Der Stratos ist das schönste Auto. Der 037 ist von der technischen Seite mein Favorit, der wurde fürs Rallyefahren geboren. Und zum Delta habe ich die größte persönliche Bindung, das war meine Zeit. Jedes Auto war für seine Zeit fantastisch.“

Eines steht für den Ksport-Chef allerdings fest: Anders als bei ART, die 1993 zu Subaru wechselten, muss es für ihn ein Italiener sein. „Wir konzentrieren uns auf eine Marke“, so Malatesta, der bei den Rallyeautos der Schwestermarken Fiat oder Ferrari jedoch auch mal eine Ausnahme zulässt. „Diese Spezialisierung ist besser, weil wir so sicherstellen können, dass wir alle Ersatzteile auf Lager haben. Für den Delta haben wir beispielsweise 50 Felgen hier.“

Darüber hinaus bekäme Malatesta bei einem Markenwechsel auch ein Platzproblem, denn der „schönste Arbeitsplatz der Welt“ ist mit der Ahnengalerie von Lancia schon komplett ausgefüllt.

TEXT Sebastien Klein
FOTOS Rosario Liberti

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