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BMW 333i E30. Gab’s nie? Gab’s wohl!

Ein E30 mit einem Sechszylinder aus dem 7er? Kein böses Tuning durchgeknallter Speed-Junkies, sondern eine Alternative zum vierzylindrigen M3 und lief so serienmäßig vom Band. Zumindest in Südafrika. Unterwegs im BMW 333i von 1986.

Seidenweich brummelt der Sechszylinder des BMW 333i unter der Motorhaube. Tief bollernd entweichen die Abgase aus dem Doppelauspuff. Ein kurzer Gasstoß und der 3,2 Liter große Sechszylinder stellt ein sattes Drehmoment zur Verfügung. Keine läppischen 226 Nm wie beim 325i, sondern stramme 285 Nm. Was für ein Sahnemotor. 3,2 Liter im E30? Gibt es nicht im E30, werden jetzt eingefleischte Dreier-Jünger behaupten. Stimmt nicht ganz. Der BMW 333i mit seinem großen Reihensechszylinder aus dem 732i E23 ist 1985 die südafrikanische Antwort auf den vierzylindrigen M3 aus Bayern – den es wiederum in Südafrika nicht geben sollte. Klingt verrückt. Ist es auch. Aber so ist Geschichte.

BMW und Südafrika sind schon seit über 50 Jahren eng miteinander verbunden. BMW fängt ab 1968 an, über den Subunternehmer Praetor Monteerders in Rosslyn Autos im CKD-Verfahren zusammenzuschrauben. Ab 1970 beteiligen sich die Münchner an Praetor Monteerders, bauen 1973 das Werk in Rosslyn bei Johannesburg, übernehmen den Laden 1975 und fertigen ab da unter dem Namen BMW South Africa (BMW SA) im CKD-Verfahren 5er, 7er und 3er als Rechtslenker und für den hiesigen Markt.

Rosslyn ist das erste Werk außerhalb Deutschlands, das BMW-Fahrzeuge produziert – und ist damit der Beginn einer Globalisierungsstrategie, die es damals noch gar nicht gab. Der Absatz tröpfelt zwar nur dahin, aber besser, ein paar Autos verkaufen als gar keine. Doch Mitte der 1980er reicht es den Chefs nicht mehr, sie wollen den Verkauf ankurbeln. Das funktioniert in afrikanischen Ländern damals ähnlich wie in europäischen Märkten: über den Motorsport. Klappt allerdings auch nur, wenn man ein passendes Auto dafür hat.

Alfa und Ford im Visier

Was also machen, wenn man bei der örtlichen Tourenwagen-Meisterschaft Group One zeigen will, wo die weiß-blaue Fahne weht? Gegen Konkurrenten wie Ford Sierra XR8 (mit V8) und Alfa Romeo GTV 3.0 malen sich die Strategen gute Chancen aus. Da das Reglement jedoch keinen hochdrehenden Vierzylinder in der Klasse sehen will, wie den 2,3-Liter-Vierzylinder mit 195 PS vom M3, bleibt nur eins: ein passendes Auto bauen. Kurz ein paar Anfragen nach München und Buchloe bei BMW Motorsport und Alpina stellen und die Sache ist klar. BMW SA hat mit eigenen Operationen schon Erfahrung. Zwei Jahre zuvor implementieren sie einen M1-Motor M88 in den 7er, nennen das Modell 745i.

Klima oder Servo. Beides geht nicht

Das Konzernregal ist seinerzeit prall gefüllt mit leckeren Sachen. Wie wäre es mit dem M30-Motor aus dem 732i E23? Der müsste passen, von den Maßen und von der Leistung her. Motorhalter, Wasserkühler, Ansaugbrücke und Luftfilterkasten kommen vom Alpina B6 und passen in den engen Motorraum des E30. Irgendwie. Für die Kraftübertragung an die Hinterachse reicht das manuelle und kurz übersetzte Fünfgang-Sportgetriebe von Getrag mit dem ersten Gang unten links. Für mehr Traktion auf Rennstrecken kommt ein Sperrdifferenzial mit 25 Prozent Sperrwirkung von ZF. Muss reichen. Kleiner Haken bei der Operation: Kunden müssen sich zwischen Klimaanlage oder Servolenkung entscheiden – beides gemeinsam passt einfach nicht unter die Haube.

Die Wahl des M30 B32 gefällt noch heute: ein 3,2 Liter großer Reihensechser mit 197 PS bei 5.000 U/min und 285 Newtonmeter Drehmoment bei 4.300 U/min. Fertig ist das südafrikanische Muscle-Car. Lässt man den afrikanischen Dreier von der Kette, reißt die modifizierte Bosch J-Jetronic auf und dreht bis maximal 6.300 Touren, nach 7,4 Sekunden liegt aus dem Stand Tempo 100 an. Bis zu 228 km/h fährt der 333i schnell, bei zeitgenössischen Tests werden 231 km/h gemessen. Die Abgase entweichen über einen Fächerkrümmer und eine katlose Abgasanlage von Alpina – dem Sound tut`s noch heute gut. Auch der Name des Super-E30 oberhalb des 325i mit 171 PS ist schnell gefunden: 333i, oder wie die Südafrikaner sagen: triple three – number of the beast.

Die Wahl des Motors und die Strategie sind 1985 eine echt gute Idee, die Chefs bereiten sich schon aufs kollektive Schulterklopfen vor. Ganz nach dem Motto: „Win on Sunday, sell on Monday.“ Doof nur, dass die Rennserie Ende 1985 ausläuft. Erinnert uns ein wenig an den Porsche 959 und die Gruppe B… Doch das BMW 333i Projekt ist schon längst fortgeschritten und die ersten Autos für die Homologation gebaut. Zum Glück, aus heutiger Sicht.

Der Klang des Motors massiert die Ohren

Was für eine unfassbare gute Kombination: Die damals schon zeitlose Karosserie des E30-Zweitürers mit einem Sechszylinder-Dampfhammer aus dem Siebener zu verbinden. Klar wiegt der Motor etwas mehr als der des 325i und drückt damit ordentlich auf die Vorderachse. Dafür erhält der Pilot neben einem satten Drehmoment unglaublich viel Laufruhe und Lässigkeit. Kein Aggregat passt besser zum E30. Vor allem verzichten die Südafrikaner auf die ausgestellten Muskel-Radhäuser des M3. Stattdessen kommen dezente Alpina-Insignien zum Vorschein: 16-Zöller mit 20 Speichen, ein bisschen M-Technik an Bug, Seite und Front – das war`s. Zur Auswahl stehen die Farben Hennarot, Diamantschwarz, Alpinweiß und Arktissilber, dazu kommen ABS und Sonnendach. Ein bisschen Luxus darf es sein: elektrische Fensterheber zählen zur Serienausstattung, ebenso wie der kleine Bordcomputer, der in der Lüftungsdüse liegt.

Anfangs kostet der BMW 333i 41.300 ZAR, was damals ungefähr dem gleichen Wert in DM entsprach. Zum Vergleich: Die fahrende nackte Armut 316i kostet 1985 mit 90 PS 21.800 DM und damit fast die Hälfte. Bis 1987 verkauft BMW nur 204 Exemplare, mit Test- und Vorserienfahrzeugen sind es nur 210 Autos, ausschließlich als Zweitürer und Rechtslenker.

Wie schade, die Variante wäre auch in anderen Ländern ein Hit geworden. Heute ist eines der seltenen Fahrzeuge zum Curbs-Wetzen viel zu schade. Einmal auf Temperatur, klingt der Sechser sonor und wohlig weich, schnurrt wie eine vollgefutterte Katze. Dank des bärigen Drehmoments werden die Gänge in der engen Schaltbox schnell durchgeschaltet. Bei rund 2.500 Touren fühlt sich der Sechser besonders wohl.

BMW Südafrika

Die BMW-Produktion in Südafrika geht zurück auf 1968, als das lokale Unternehmen Praetor Monteerders erstmals Glas-Karosserien mit BMW-Motoren und Antriebssträngen montiert. 1973 übernimmt die BMW AG das Unternehmen und gründete die BMW Group South Africa (Pty) Ltd. Damit eröffnet BMW in Rosslyn, nahe Pretoria, seine erste Automobilproduktion außerhalb Deutschlands.

Das Produktionsportfolio umfasst anfangs den 1800 SA und den 2000 SA, ab 1974 die 5er- und 7er-Reihe. Jahrzehntelang ist das Werk ein Eckpfeiler der BMW-3er-Produktion, baut fünf Generationen der 3er-Reihe. Seit 2018 wird in Südafrika der X3 hergestellt, seit diesem Jahr als Plug-in-Hybrid für den weltweiten Export. Das Werk Rosslyn hat bis heute mehr als 1,6 Millionen Fahrzeuge produziert und in mehr als 40 Länder weltweit exportiert. Derzeit arbeiten rund 5.300 Mitarbeiter im Werk, mit Zulieferer sind es 23.000 Mitarbeiter.

Neben dem Werk Rosslyn umfasst BMW SA heute eine nationale Vertriebsgesellschaft für BMW, MINI und BMW Motorrad, Finanzdienstleistungsgesellschaft, Fahrzeugvertriebszentrum und ein BMW IT–Hub, der digitale und IT-Lösungen für den gesamten Konzern entwickelt.

Einmal das Gaspedal durchgedrückt und der Zweitürer stürmt nach vorne, begleitet von einem tiefen Bass. Schalter und Pedale massieren Hände und Füße, die Ohren fangen an zu glühen, so sahnig ist der Sound. Vor der nächsten Kurve runterschalten und den sechs Zylindern genüsslich bei der Arbeit zuhören. Selbst das höhere Gewicht auf der Vorderachse stört beim Cruisen nicht. Sportlich rollt der BMW über die 195/50VR16 und Bilstein-Dämpfer ab, fängt in engen Kurven erst spät an zu schmieren.

Derweil geht der Blick über die nervös zuckenden, roten Nadeln – damals sonst nur M-Fahrzeugen vorbehalten. Die Hände halten das dicke Sport-Lederlenkrad fest und der Körper wird schnell eins mit den Leder-Sportsitzen. Wahnsinn, wie ergonomisch der fast 40 Jahre alte Dreier heute noch ist. Entspannt geht es durch den ansonsten wuseligen Verkehr in Johannesburg. Bei Südafrika denkt man zwar an Sonne und Hitze, doch ausgerechnet heute schüttet es aus Eimern. Ein Grund mehr, die Seitenscheiben zu öffnen, damit der Dreier nicht beschlägt – und vor allem, um dem 3,2-Liter-Sechszylinder zu lauschen. Was für ein Sound.

TEXT Fabian Hoberg für WALTER #20

Technische Daten BMW 333i E3

Reihensechszylinder, 3.210 ccm; Leistung 197 PS bei 5.500 U/min, 285 Nm bei 4.300 U/min; Gewicht 1.256 kg; Fahrleistung: 0–100 in 7,3 Sekunden, Vmax 228 km/h; Preis (1985) 41.300 ZAR

LESENSWERT.
WALTER.