Catch Me! Berühmte Fluchtautos.

Kein guter Film ohne gute Verfolgungsjagd. Wir haben sechs berühmte Fluchtautos rausgepickt, mit denen auf dem Highway die Hölle los war.

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Aston Martin DB5 in „Goldfinger“ (1964)

Für sein drittes James-Bond-Abenteuer erhält Sean Connery einen neuen Dienstwagen. Ein erfolgreicheres Product-Placement sollte es nie wieder geben.

Musste Sean Connery auf der Jagd nach Dr. No und in „Liebesgrüße aus Moskau“ noch ohne standesgemäßes Auto auskommen, ist 007 im dritten Leinwand-Abenteuer 1964 mit einem Aston Martin DB5 dem von Gerd Fröbe gespielten Bösewicht Auric Goldfinger auf der Spur. Damit begann eine Beziehung zwischen James Bond und der britischen Marke, die bis heute anhält. Der in der klassischen Farbe „Silver Birch“ lackierte DB5 taucht über fünf Jahrzehnte in mehreren Folgen auf, bevor er 2012 in „Skyfall“ gnadenlos zusammengeschossen wird. 

Natürlich war das im schottischen Hochland zerstörte Fahrzeug ein Nachbau. Aber gegen das Dauerfeuer aus Maschinengewehren hätte auch die Spezialausrüstung nichts geholfen, mit der Quartiermeister Q den originalen DB5 in „Goldfinger“ ausgestattet hatte. Dazu gehörten ein Radar, ein Schleudersitz für den Beifahrer, Funktelefon, Maschinengewehre in den Kotflügeln und ein kugelsicheres Metallschutzschild vor der Heckscheibe. 

Einiges davon rettet Bond das Leben, als er in Goldfingers Fabrik – in Wirklichkeit ein Werk des Flugzeugherstellers Pilatus in der Schweiz – vor den Schergen des Goldschmugglers flüchtet. Die seitlich ausfahrbaren Messer nutzt Connery in einer anderen Szene, um einen Ford Mustang aufzuschlitzen. Wen dagegen das drehbare Nummernschild mit drei verschiedenen Länderkennzeichen täuschen sollte, bleibt ein Geheimnis – als ob 1964 an jeder Straßenecke ein DB5 gestanden hätte. Ist das nicht der Aston Martin von Bond? Nee, der hat das falsche Kennzeichen.

Tatsächlich baute Aston Martin den mit einem 286 PS starken Reihensechszylinder ausgestatteten DB5 nur 1.064 Mal. Der Preis war mit rund 150.000 D-Mark ambitioniert, höher als bei einem vergleichbaren Ferrari. Auch wenn sich kaum jemand das Coupé leisten konnte, die Rolle als Ausrüster von 007 hat die Marke zur Legende gemacht.

Was auch daran lag, dass Sean Connery nicht auf den Wunsch von Gerd Fröbe einging und die Reihe fortgesetzt werden konnte. „Erwarten Sie, dass ich rede?“ fragt der auf eine Folterbank gefesselte 007. „Nein, Mr. Bond“, erwidert Goldfinger. „Ich erwarte, dass Sie sterben.“

Fun Fact
Einer der beiden für die Dreharbeiten eingesetzten DB5 wurde einem amerikanischen Sammler 1997 gestohlen und gilt seitdem als verschollen – Zweifler vermuten Versicherungsbetrug. Das zweite Filmauto wurde 2010 in London für umgerechnet rund drei Millionen Euro versteigert.

DeLorean DMC-12 in „Zurück in die Zukunft“ (1985)

Die Geschichte hinter dem futuristisch gestylten Edelstahl-Coupé liest sich wie ein Krimi. Eine Zeitmaschine kommt darin allerdings nicht vor.

Perfekte Fluchtautos müssen besser sein als die Wagen der Verfolger, sonst wären sie ja nicht perfekt. Dass ein „Getaway-Car“ aber sogar einen Zeitsprung beherrscht, ist dann doch ziemlich dick aufgetragen. Aber genau das kann der DeLorean DMC-12, der eine Hauptrolle in der Trilogie „Zurück in die Zukunft“ spielt. Natürlich erst, nachdem Doc Brown (Christopher Lloyd) den legendären Fluxkompensator installiert hat.

Der hätte John DeLorean vielleicht gerettet. Der Erfinder des für die damalige Zeit futuristisch gestylten Coupés ist zunächst nichts Geringeres als Vizepräsident bei Autogigant GM, bevor er sich 1973 mit eigenem Laden den Traum eines Sportwagens mit Edelstahl-Karosserie erfüllen will. Der Weg dorthin gerät allerdings schnell zu einem Wirtschaftskrimi. DeLorean schafft es trotz Finanzspritze der britischen Regierung für eine Fabrik im nordirischen Belfast, einem ersten Designentwurf von Giorgetto Giugiaro und Entwicklungshilfe durch den Formel-1-Rennstall Lotus nicht, das Projekt auf gesunde Füße zu stellen. Als er versucht, zusammen mit Lotus-Besitzer Colin Chapman mit Drogengeschäften an zusätzliches Kapital zu kommen, werden beide verhaftet (1982). Chapman stirbt vor der Gerichtsverhandlung. DeLorean wird wegen Verfahrensfehlern zwar freigesprochen, aber seine Firma ist pleite. 

Das mit einem 2,8-Liter-Sechszylinder nur schwach motorisierte Coupé konnte mit der angepeilten Sportwagen-Konkurrenz bei Weitem nicht mithalten und hatte außerdem extreme Qualitätsprobleme. Nur rund 9.000 DMC-12 wurden bis zum Konkurs gebaut. Doch das einzigartige Design verhalf dem DMC-12 zu zahlreichen Leinwand-Auftritten. Abgesehen von „Zurück in die Zukunft“ reichte es aber nur noch zu Nebenrollen.

Fun Fact
Produzent Steven Spielberg will den DeLorean beim Zeitsprung mit Doc Brown und Marty McFly (Michael J. Fox) unbedingt fliegen sehen. Für diese Szenen wendet George Lucas – der Mann hinter den Special Effects in „Star Wars“ – eine der ersten Computer-Animationen (CGI) der Kinogeschichte an.    

Ford Capri in „Knockin‘ on Heaven’s Door” (1997)

Til Schweiger und Jan Josef Liefers kidnappen ausgerechnet einen Capri mit Sitzbezügen aus getigertem Lammfell.

Von Gangstern und Polizei Gejagte dürfen manchmal nicht wählerisch sein. Anders ist kaum zu erklären, warum sich Til Schweiger und – der ziemlich junge – Jan Josef Liefers in „Knockin‘ on Heavens Door“ ausgerechnet einen roten Ford Capri für die Flucht krallen. Der hat nur einen Vierzylinder unter der Haube, zu allem Überfluss außerdem Lammfell-Sitzbezüge mit grellem Tiger-Muster. Ok, die Gesetzeshüter sind mit Ford Sierra und Scorpio sowie VW Passat auch nicht besser aufgestellt. Wenigstens die bösen Jungs machen sich stilecht in zwei S-Klassen auf die Verfolgung.

Die waren 1997, als das skurrile Roadmovie um zwei Todkranke auf der letzten Reise ans Meer erschien, schon genauso nicht mehr der neueste Schrei wie die Schüssel von Schweiger und Liefers. Die dritte Baureihe des Capri wurde nur bis 1986 gebaut, die Mercedes-Baureihe W116 sogar nur bis 1979. Entsprechend gemütlich läuft die Verfolgungsjagd ab, die Bullen stoppen sogar an einer roten Ampel.

Schweiger und Liefers geraten in die Zange von Bösewichten und Bullen, können aber erneut fliehen, weil die beiden Verfolgergruppen sich lieber gegenseitig in den Kugelhagel nehmen. Die beiden Hauptfiguren pflügen durch ein Maisfeld, an dessen Ende allerdings eine steiler Abhang lauert. Den heftigen Überschlag einen 20 Meter hohen Abhang hinunter überstehen sie – obwohl nicht angeschnallt – ohne Blessuren. Was beweist, dass ein Ford Capri doch kein so schlechtes Fluchtauto ist.    

Fun Fact
Der Capri und die Polizeiwagen tragen NA als Ortskürzel auf den Nummernschildern. Fiktiv, denn NA existierte auch 1997 als Kennzeichen nicht.

Ford Mustang GT Fastback in „Bullitt“ (1968)

Steve McQueen in der Rolle als Polizist in San Francisco läutete eine neue Ära der Kino-Verfolgungsjagden ein.

Wenn James Bonds Aston Martin einen Konkurrenten im Kampf um den Titel als bekanntestes Filmauto hat, dann der Ford Mustang, den Steve McQueen 1968 im Warner-Brothers-Streifen „Bullitt“ fährt. Der liefert sich als Lieutenant Frank Bullitt in dem Dark Highland Green lackierten Coupé ein Duell mit zwei bösen Jungs im Dodge Charger. Die zehn Minuten dauernde Verfolgungsjagd hat Kino-Geschichte geschrieben, nicht nur wegen der Beteiligung des „King of Cool“. 

Vor dem Briten Peter Yates hatte noch kein anderer Regisseur eine Verfolgungsjagd so detailliert und mit solcher Dramatik filmen lassen. Wo vorher Autos aus dem Bild fuhren, ein Unfall nur zu hören war und den Zuschauern nach einem Schnitt höchstens ein Wrack präsentiert wurde, driften bei Yates der Mustang und der Charger herzergreifend um andere Verkehrsteilnehmer herum, ziehen schwarze Striche auf den Asphalt und heben auf den charakteristisch gestuften Straßen San Franciscos mit allen vier Rädern ab. Klar zu sehen: Ein Mustang hat bessere Flugeigenschaften als ein Charger. 

Der Mustang GT 390 hat einen 6,4-Liter-V8 mit 325 PS unter der Haube, zu wenig für das Duell mit dem 375 PS starken Dodge R/T. Für die Fahrszenen war deswegen leichtes Tuning nötig. Dass McQueen während der Verfolgung zwar 16 Mal hoch, aber nicht einmal herunterschaltet, ist dagegen eher Ungenauigkeiten beim Dreh als modifizierter Technik zuzuschreiben.

Bullitt ist zunächst der Verfolgte, dreht aber schnell den Spieß um. Drei Minuten langes gegenseitiges Belauern wird von Lalo Schifrin’s genial anschwellendem Soundtrack „Shifting Gears“ untermalt. Als die beiden Killer die Beckengurte (!) anlegen, ist auch dem letzten Zuschauer klar: Jetzt wird’s ernst. 

Die nächsten sieben Minuten lang geht es mit – nach amerikanischen Maßstäben – hohem Tempo erst durch die Innenstadt, dann durch die Außenbezirke von San Francisco. Dabei stellt sich Amateur-Rennfahrer McQueen deutlich geschickter an als der Mann am Dodge-Lenkrad. Der rempelt ständig irgendetwas an, der Charger verliert ungefähr doppelt so viele Radkappen wie er Räder hat. Obwohl außerdem geschossen und kräftig gerempelt wird, bleiben alle drei Akteure die ganze Zeit über vollkommen entspannt. Kein Schrei, nix, nicht ein Wort wird gesprochen. Schließlich schubst Bullitt den Dodge in eine Tankstelle, die spektakulär explodiert.

Fun Fact:
Während das Auto für die Fahrszenen nach Drehschluss verschrottet wurde, wanderte das für die Nahaufnahmen verwendete sogenannte „Hero Car“ im Laufe der Jahrzehnte durch zahlreiche Hände. 2020 wechselte es erneut den Besitzer – zum Rekordpreis von knapp 3,4 Millionen Euro. 

Porsche 911 Turbo in „Bad Boys“ (1995)

Die Cop-Klamotte markierte den Durchbruch für Will Smith als Hollywood-Star. Perfekt motorisiert war er von Anfang an. 

Regisseur Michael Bay ging mit „Bad Boys“ gleich mehrere Risiken ein. Weil es sein erster großer Film war und er deswegen Absagen von einigen Hollywood-Stars kassierte, besetzte er die Hauptrollen mit den zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich unbekannten Will Smith und Martin Lawrence. Aus demselben Grund wollten die Produzenten keine Kohle für einen europäischen Sportwagen rausrücken, den Bay für den als Playboy angelegten Cop Martin Lowrey (Smith) vorgesehen hatte. Auch Bays Wunschpartner Porsche winkte ab. Also verwendete er kurzerhand seinen persönlichen 911 Turbo. 

Wie auch immer, der mit 3,6-Liter-Motor insgesamt nur 1.437 Mal gebaute Porsche 911 Turbo der Baureihe 964 passt perfekt zu Lowrey. In der Schlüsselszene, in der es zu einer Verfolgungsjagd mit einer Shelby Cobra kommt, sitzt allerdings Lawrence am Lenkrad. Als typisch amerikanischer Familienmensch lässt er den ganzen Film über kein gutes Haar am Porsche. Nur zwei Sitze und noch nicht einmal ein Cupholder, lautet sein vernichtendes Urteil.

Im Finale von „Bad Boys“ jagen Smith und Lawrence also den in der Cobra fliehenden Drogendealer über ein Flugfeld bei Miami. Klar, dass der 360 PS leistende 911er die 75 PS stärkere, mit 30 Sekunden Vorsprung gestartete Cobra beim Beschleunigungsrennen auf der schnurgeraden Landebahn mühelos einholt. Dass der in den Nahaufnahmen Martin Lawrence bei Tempo 200 am Lenkrad ständig Bewegungen ausführt, die den 911er im wahren Leben umgehend aufs Dach gelegt hätten – ebenfalls Schwamm drüber. 

Das Duell entscheidet sich, als der Porsche durch eine schmale Lücke in einer Mauer am Ende des Rollfeldes schlüpft, während die Cobra an der Betonwand zerschellt. Europa 1, USA 0.

Fun Fact
Manche Quellen wollen wissen, dass für Nahaufnahmen noch zwei weitere private 911er eingesetzt wurden. Ein Indiz: Der Drogendealer Fouchet wird gespielt vom Franzosen Tchéky Karyo. Was möglicherweise das ebenso rätselhafte wie unechte Pariser Nummernschild von Lowreys Porsche erklärt.

Subaru Impreza WRX STi in „Baby Driver“ (2017)

Ein Banküberfall wie aus dem Musikvideo – und mitten drin ein knallrotes Fluchtauto.

Welches Auto wählen Gangster, um nach einem Bankraub möglichst unauffällig im Straßenverkehr der Millionenstadt Atlanta untertauchen zu können? Natürlich einen auch in den USA seltenen Subaru Impreza, und zwar einen knallroten. So weit, so unlogisch. 

Passt allerdings hervorragend zur gesamten Optik und Choreografie der Anfangsszene aus „Baby Driver“, in der ein sehr junger Fahrer – ein gewisser Miles aka „Baby“ – als freiberuflicher Subunternehmer einer Truppe Bankräuber als Fluchthelfer dient. Die exakt auf das chaotische „Bellbottoms“ von der „John Spencer Blues Explosion“ geschnittenen Bilder könnten auch aus einem Musikvideo stammen. Miles, der selbst im Einsatz mit dem iPod im Ohr seinen Tinitus zu übertönen versucht, singt sogar zeitweise mit. Auch im Rest des Films geht es häufig um Musik. 

Aber konzentrieren wir uns auf die Action. Rein fahrerisch ist der wendige Scooby natürlich den allen Ernstes „Abfangjäger“ genannten, behäbigen Ford Crown Victoria der Cops um Welten überlegen. Erst recht, wenn der Subaru offenbar nach Belieben zwischen Allrad- und Heckantrieb hin- und herschalten kann. Bei einigen Driftszenen rauchen eindeutig nur die Hinterräder. Eine 180-Grad-Wende Kehre bewältigt Baby dagegen im astreinen Ken-Block-Stil mit vorwärtsdrehenden Rädern bei rückwärts rutschendem Auto.

Tatsächlich wurden für die Eröffnungsszene unterschiedliche, teilweise technisch manipulierte  Exemplare des Impreza WRX STi verwendet (siehe „Fun Fact“), der in den USA von einem 2,5-Liter-Turboboxer angetrieben wurde. Immerhin wirkt die Verfolgungsjagd des Film-Intros deutlich realistischer als manches, was man von Hollywood gewohnt ist. Ok, zum Abschluss wird’s wieder unlogisch. Sechs Minuten lang sind nur schwarze und silberne Autos zu sehen. Ausgerechnet, als Baby sie für das finale Täuschungsmanöver super gebrauchen kann, tauchen zwei andere knallrote Autos auf.        

Fun Fact
Die Flucht ist fast komplett mit echten Autos gedreht worden und nur in wenigen Details Computer-animiert. Obwohl er sichtbar selbst am Lenkrad sitzt, fährt Miles-Darsteller Ansel Elgort den Subaru allerdings häufig nicht selbst. Diesen Job übernahm meist Stuntman Jeremy Fry, der aus einem zweiten Cockpit auf dem Dach des Impreza die volle Kontrolle über das Auto hatte.      

TEXT Christian Schön 
FOTOS Alamy Stock Photos

LESENSWERT.

WALTER.