Aston Martin Vanquish. V12-Biturbo-Rakete.

Mit seinem Design und einem seidenweich laufenden Zwölfzylinder wird der neue Aston Martin Vanquish nicht nur James Bond erfreuen.

Wer der nächste James Bond wird, steht noch nicht endgültig fest. Glaubt man der Gerüchteküche, wird der britische Schauspieler Aaron Taylor-Johnson in die Rolle des weltberühmten Geheimagenten schlüpfen. Was den Dienstwagen des Mannes mit der Lizenz zum Töten angeht, sind wir schon sicherer: Der Aston Martin Vanquish. Ein Supersportwagen mit Zwölfzylinder-Motor 835 PS sowie einem brachialen Drehmoment von 1.000 Newtonmetern. Damit ist er das schnellste Serienmodell des britischen Sportwagenherstellers aller Zeiten.

Aston Martin Vanquish 18

Unser Aston Martin Vanquish ist in Supernova Red lackiert. Respekt für den Einfallsreichtum der Farbnamensgeber, aber der Sportwagen soll den Stern der britischen Traditionsmarke nicht zum Verglühen bringen, sondern möglichst hell erstrahlen lassen. Schließlich soll der Vanquish ein Sportwagen und Gran Turismo zugleich sein. Also eine Art Super-GT, der im Revier des Ferrari 12Cilindri wildern. Eine ambitionierte Aufgabe. 

Optisch gefällt der Vanquish. Das Design ist gelungen, verleiht dem Sportwagen schon im Stand eine edle Dynamik und der ganzen Marke ein neues Gesicht. Die Formensprache stagnierte zuletzt etwas, der Vanquish zeigt, wie die zukünftigen Modelle aussehen werden. Nicht nur das: Unter der Motorhaube verrichtet ein in fünf Jahren neu entwickelter 5,2-Liter-Zwölfzylinder-Biturbomotor sein Werk.

Der Zwölfender ist ein echtes Sahnestück. Die Ingenieure haben den Zylinderblock und die Pleuel verstärkt, die Zylinderköpfe neugestaltet, die Nockenwellen sowie die Ein- und Auslasskanäle neu profiliert. Leichtere Turbolader als bei den bisherigen V12-Aggregaten drehen um 15 Prozent schneller als bisher, was mehr Leistung bringt. Die geringere Trägheit wirkt sich zudem positiv auf das Ansprechverhalten aus. 

Aston Martin Vanquish 9

Um die Emissionsziele zu erreichen, haben die Techniker neue Einspritzdüsen mit einer um zehn Prozent höheren Durchflussrate verbaut. Für Zwischenspurts steht die Boost-Funktion zur Verfügung, bei der der Ladedruck für eine begrenzte Zeit erhöht wird. Doch das tritt alles in den Hintergrund, sobald die zwölf Töpfe zum Leben erwachen. Dieser Motor klingt so wohltuend voluminös, ohne auch nur die Spur aufdringlich zu sein. Genau so, wie es bei einem dynamischen Gentleman-Sportler sein sollte..

ANZEIGE

Das Vanquish hat mit 2.885 Millimetern den längsten Radstand des Trios DB12 (2.805 mm) und Vantage (2.705 mm). Das verleiht dem Nobel-Gleiter eine gewisse Ruhe in den Kurven und trägt zum Komfort bei. Ebenso wie das Fahrwerk mit den adaptiven Billstein-Dämpfern, die bereits im DB12 zum Einsatz kommen, für den Vanquish aber anders abgestimmt wurden. „Wir haben die hydraulische Dämpfung reduziert, weil wir das Auto nicht überdämpfen wollten, sondern dem Fahrer die Kontrolle überlassen wollten“, erklärt Chefingenieur Simon Newton.

Der Kunstgriff gelingt: Im GT-Fahrmodus ist der 1.774 Kilogramm schwere Brite komfortabel, ohne es zu übertreiben. Selbst bei großen Schwellen wippt der Aufbau nicht nach, sondern ist gut angebunden. In den beiden Dynamik-Programmen Sport und vor allem Sport+ ist das Ganze natürlich straffer, aber dennoch nicht unkomfortabel.

Aston Martin Vanquish 14

Bei der Querdynamik schlägt sich der Vanquish ebenfalls gut. Das liegt auch am E-Differenzial, das innerhalb von 135 Millisekunden von vollständig geöffnet auf 100 Prozent Sperrwirkung umschalten kann und so der Hinterachse Beine macht. Dass die Karosserie eine um 75 Prozent höhere Steifigkeit hat als der Aston Martin, dem DBS 770 Ultimate hilft ebenfalls beim Komfort und der Agilität. Die Domstrebe im Motorraum macht sich beim Einlenken positiv bemerkbar. Die Lenkung fügt sich in dieses gelungene Gesamtbild ein, da die Sportlichkeit nicht mit hohen Rückstellkräften verwechselt wird. Der eine oder andere würde sich vielleicht eine direktere Übersetzung wünschen, wir finden, dass diese Abstimmung sehr gut zu einem GT passt. 

Die Fahrleistungen sind eines Supersportwagens würdig:  Nach 3,3 Sekunden erreicht der Vanquish Landstraßentempo und ist bis zu 345 km/h schnell. Die Bremsen packen herzhaft zu und bringen die Briten-Flunder aus Tempo 100 in weniger als 30 Metern zum Stehen.

Aston Martin Vanquish 8

Auch beim Interieur markiert der Vanquish einen Neuanfang. Die Briten verkünden stolz, dass sie jetzt ihr eigenes Infotainment-System haben. Und das ist gut so. Denn es passte so gar nicht zu einem nicht gerade günstigen Sportwagen, dass einem beim Einsteigen die Bildschirme und Bedienelemente älterer Mercedes-Modelle entgegenlachten. 

Jetzt gestaltet Aston Martin das Entertainment selbst. Der Unterschied ist sofort sichtbar: Das Interieur und das Infotainment sind aus einem Guss. Der 10,25 Zoll große Touchscreen und das ebenso große digitale Instrumentendisplay fügen sich gut in die Umgebung aus feinem Leder und Sichtcarbon ein. Schaut gut aus und fühlt sich auch so an und passt zum Ambiente des Super-GTs. Allerdings spiegelt sich die Oberfläche des Armaturenbretts und der Hutablage bei hellem Licht in der Front- oder Heckscheibe, was schon etwas stört. Apropos: Bei unserem Vorserien-Testwagen knarzten einige Innenraumteile. Da sollte die Qualitätssicherung etwas wachsamer sein.

Aston Martin Vanquish 19

Allerdings ist die Grafik der Instrumente nicht auf dem neuesten Stand, sondern sieht aus, wie vor zehn Jahren. Dann doch lieber klassische analoge Rundinstrumente. Zumindest als Option. Wenn sich jemand das leisten kann, dann ein Sportwagenhersteller wie Aston Martin. Das Grosl der Kunden dürfte nach wie vor mechanische Uhren tragen. Wie es sich für edle Zeitmesser gehört, werden diese Preziosen nicht im Überfluss produziert. 

Der Aston Martin Vanquish kostet 386.000 Euro und es werden weniger als tausend Stück pro Jahr produziert. Der Grund ist die aufwändige Fertigung des Motors. Da nimmt man gerne Wartezeiten in Kauf.

TEXT Wolfgang Gomoll

LESENSWERT.

WALTER Magazin.

Angebot!

WALTER zum Kennenlernen

Ursprünglicher Preis war: 34,00 €Aktueller Preis ist: 30,00 €.