Kein anderer Volvo verkauft sich so oft wie der XC60. Auch im siebten Jahr nach dem ersten Auftritt der zweiten und aktuellen Generation ist er die Cash-Kuh des „schwedischen“ Herstellers. Wer sich eine Übersicht der Modellvarianten, Motorisierungen und Farbpaletten des XC 60 verschaffen möchte, stellt sich einfach morgens um 8 Uhr an eine beliebige Kita seiner Wahl. Da sieht man sie in allen Varianten. In allen? Nein. Es gibt den einen, den die Autoliebhaber für sich behalten. Der nicht mit veganem Holunder-Sauerkraut-Eis und Dinkel-Pommes auf der Rückbank verschmiert wird. Einen, den sich Menschen ohne hysterisches Sicherheitsbedürfnis und ohne Ausdrucke der Crash-Test-Ergebnisse kaufen. Weil er ihnen einfach gefällt, weil er hot ist und weil er rennt.
Der XC 60 T6 AWD in der Black Edition ist der Beweis dafür, dass schon kleine Änderungen Großes bewirken können: schwarze 21-Zoll-Felgen, schwarze Schriftzüge, schwarzer Grill, schwarzer Innenraum – und schon findet man jeden anderen XC 60 boring. Ist wirklich so. Auf der Autobahn belächelt man die chromverzierten Geschwister und fühlt sich mit seiner Black Edition wie der gut angezogene Einheimische unter den Sandalen-Touristen. Die Black Edition zieht die Blicke auf sich.
Jeder überlegt, warum denn dieser XC 60 einfach so viel attraktiver ist, als die anderen XC 60. Gut, nun muss man fairerweise dazu sagen, dass unsere Pilotin Anna vom Tourismusverband Arosa vielleicht auch noch ihren Teil dazu beigetragen hat, schließlich waren die beiden nicht nur optisch ein Perfect Match in den Schweizer Bergen, sondern auch fahrerisch. Schon nach der ersten Location hat sie das Steuer übernommen, weil sie den XC spannend fand. Und weil sie gerne flott und sportlich Auto fährt. Und es kann. Wäre ich weiter gefahren, hätte der Foto-Shoot eine Stunde länger gedauert auf den engen Serpentinen-Sträßchen. Anna hat hingegen im kleinen Schwarzen alles aus dem großen Schwarzen rausgeholt.
Technisch hat der schöne Kerl als T6 AWD ja auch einiges zu bieten. Zum Beispiel einen schweizwichtigen Allradantrieb, den ja kaum ein SUV-Verschnitt noch unter dem Fake-Kleidchen hat. Als Plug-in Hybrid liefert der 4-Zylinder bis zu 350 PS-Systemleistung, damit der Allradantrieb nicht nur spazieren gefahren wird, sondern auch reichlich Arbeit hat. Mithilfe der 400-Watt-Elektrobatterie kommt man geräuschlos morgens um 4 aus der Tiefgarage.
Als Plug-in Hybrid muss die Batterie aber täglich geladen werden, will man rein elektrisch 76 Kilometer durch die Stadt fahren. Trotzdem verbleibt immer noch so viel Saft gespeichert, dass es zumindest fürs Rangieren reicht. Die Rekuperation ist aber selbst im Gebirge nicht ausreichend, um die Batterie wieder ernsthaft zu laden, ohne Kabel geht da nix. Aber wie immer gilt ja auch: wer elektrisch fahren will, der kauft einfach was Elektrisches. Und wer gern mal eben die 1.100 Kilometer von der Schweiz nach Hamburg abreißen will, der eben nicht.
Selbst beim Bergrennen in Arosa, bei dem es ganz sicher nicht an automobilem Augenschmaus mangelte, drehte sich die verwöhnte Bevölkerung nach der Black Edition um. Schwarz schwarz schwarz sind alle seine Kleider, selbst das riesige Panorama-Glasdach ist von außen nicht als solches zu erkennen. Nur der Schalthebel für die 8-Gang-Automatik aus schwedischem Kristallglas und die silberfarbenen Gitter der Bowers & Wilkins-Lautsprecher bringen auffallende „Farbtupfer“ ins Bild. Selten hat ein weißes Kennzeichen an einem Auto mehr gestört als hier.
TEXT und FOTOS Thomas Senn
