BMW M3 Competition xDrive. Fahrbericht.

BMW spielt wie fast alle anderen Hersteller gerade weitgehend die elektrische Karte und tut so, als wäre die Autowelt ausschließlich mit Strom unterwegs. Doch eine kleine, düstere Gesandtschaft gibt es noch, die kämpft lautstark für die Verbrenner. Ihr neuestes Pferd im Stall: der BMW M3 Competition xDrive.

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Nachdem der BMW M3 zum Viertürer verkam und das so beliebte Doppelpack aus Coupé und Cabriolet zum M4 erhoben wurde, ist es ruhiger geworden um die sportlichen Familienlimousine aus dem Münchner Norden. Optisch wie technisch lässt der BMW M3 der jüngsten Generation jedoch keinerlei Zweifel daran, dass er eine heiße Fahrmaschine ist, in der auf Wunsch ein paar mehr Personen als allein der Fahrer an Bord sein dürfen.

Das gilt mehr denn je für das Topmodell des BMW M3 Competition xDrive. Bei ihm findet der geneigte Sportwagenfahrer genau das, was er sucht: der drei Liter große Reihensechszylinder mit Turboaufladung leistet 375 kW / 510 PS und überträgt dieses stattliche Paket über eine Achtgangautomatik gleichmäßig an alle vier Räder – das garantiert maximalen Vortrieb. Dabei lässt sich die M GmbH die Zusatzausstattung mit 30 Extra-PS, Allradantrieb und automatisiertem Getriebe teuer bezahlen, denn statt der 83.500 Euro M3-Basispreis kostet der Leistungsschub mit 4×4 und exzellenter Gangwahl stattliche 11.000 Euro zusätzlich.

So spürt man schnell, weshalb der allradgetriebene BMW M3 die ideale Wahl ist, denn so kommt der mehr als imposante Antritt des Bayern perfekter denn je auf den Asphalt. Dabei geht es weniger um die unbeachtliche Disziplin des Imagespurts 0 auf 100 km/h in spektakulären 3,5 Sekunden, denn das braucht im realen Fahrbetrieb wahrhaft niemand.

Jedoch macht es Laune, wie souverän und in seinem technischen Potenzial geradezu subtil der über 1,8 Tonnen schwer Allrad-M3 seine Leistung auf den Boden zaubert und wild anschiebt. Der Klang des aufgeladenen Sechszylinders in Reihenbauart ist nicht ganz so schamlos und rotzig wie einst der Achtzylinder-Sauger der Ahnengeneration des E92, aber immer noch Furcht einflößend und geradezu wild, wenn man an die heutigen Sportmaschinen denkt, die ihre maximale Motorleistung oftmals kurzzeitig nur mit einem lautlosen Boost generieren können.

Doch der imposante Schub von 510 PS und bollernden 650 Nm Drehmoment sind selbst angesichts entsprechender Wiederholungen nur das eine. Was den Unterschied zu so manchem Wettbewerber macht, ist die Fahrbarkeit. Gerade noch zuckelt der Viertürer mit ansehnlichem Restkomfort über schlechte amerikanische Innenstadtpisten, um im nächsten Moment ein paatr Meilen weiter den Kurvenjäger zu mimen – wenn gewünscht mir vier Insassen und Gepäck im 480-Liter-Rucksack.

Prächtiger denn je ist dabei die Rückmeldung der Lenkung, die sich mit ihrer aufwendigen Konstruktion deutlich anders als beim bereits exzellenten kleinen Bruder BMW M 440i präsentiert. Der 440er ist in Sachen Fahrwerk und Antrieb ein echter Volltreffer und die allemal bessere Wahl für das offene Cabriolet. Doch wer sportlich unterwegs sein will und den dicken Kotflügelbacken Taten folgen lassen möchte, ist mit dem BMW M3 Competition xDrive bestens bedient. Vorne rollt der Bayer auf 19- und hinten auf 20-Zöllern. Der Normverbrauch ohne Expresszuschlag: 10,0 Liter auf 100 Kilometern.

Fahrwerksabstimmung, Bremsen, Lenkung, Motor und Getriebe – da gibt es in der Mittelklasse unter den Sportversionen wohl nichts Besseres als den aktuellen M3 / M4. Der ist lässig, bärenstark und mit jeder Menge Alltagsnutzen unterwegs, sodass auch längere Fahrten kein Problem sind es auf der leeren Landstraße am Abend auch einmal etwas dynamischer werden darf und der Roadster in der Garage verbleibt. Die zahlreichen Fahrmodi an Tastern auf Mittelkonsole und Lenkrad kann man sich eigentlich sparen, denn im Normalmodus ist es klasse und im Sportmodus grandios.

Dass man je nach Fahrprogramm selbst Zugriff auf Lenkgefühl und Bremsen bekommt, ist wohl nur dem Spieltrieb der Garchinger zuzuschreiben – braucht aber niemand. Und bei einer zehnstufig abstimmbaren Traktionskontrolle scheint es mit den Technikern an einem regnerischen Wochenende doch etwas durchgegangen zu sein. Das kann man von den Sitzen nicht sagen. Die elektrischen Komfortstühle passen wohl klimatisiert exzellent, haben großen Seitenhalt und angenehmen Langstreckenkomfort. Zudem sehen sie besser aus als die leicht angestrengt wirkenden Sportsitze mit festen Schalenelementen. Allemal ausreichend: das Platzangebot vorne wie hinten. Die Zuladung ist mit 400 Kilogramm jedoch eher überschaubar. Doch ernsthaft: wen stört das bei einer solchen Fahrmaschine?

TEX Stefan Grundhoff für WALTER

LESENSWERT.