Wer glaubt, ein Supersportwagen sei mit geschlossenem Dach grundsätzlich schneller, wird beim neuen Aston Martin Valhalla Spider eines Besseren belehrt. Offen erreicht der britische Mittelmotorsportwagen nach Werksangaben 350 km/h. Wird das serienmäßige Stoffdach montiert, ist schon bei 200 km/h Schluss. Erst das optionale Carbon-Hardtop erlaubt wieder die volle Geschwindigkeit.
Abgesehen davon ändert Aston Martin wenig an der spektakulären Grundform seines Hybrid-Supersportwagens. Die aus Carbon gefertigte Fahrgastzelle bietet die notwendige Steifigkeit, um auf ein festes Dach verzichten zu können. Auch die charakteristischen, nach oben öffnenden Türen bleiben erhalten, besitzen beim Spider allerdings rahmenlose Scheiben und eine überarbeitete Mechanik, die das Öffnen und Schließen erleichtern soll.
Die Sache mit dem Fahrtwind
Die größte Herausforderung beim Umbau zum Spider war offenbar die Luftführung. Beim Coupé strömt die Luft über das Dach zu einem Ansaugschnorchel hinter der Fahrgastzelle, der den Antrieb mit Kühlluft versorgt. Fehlt das Dach, funktioniert dieser Weg nicht mehr wie vorgesehen. Deshalb sitzt der neu geformte Lufteinlass beim Spider 35 Millimeter höher. Zusätzlich lässt sich oberhalb der Windschutzscheibe ein spezieller Windabweiser befestigen, der die Luft gezielt zum Ansaugsystem leitet und gleichzeitig die Verwirbelungen über den Köpfen der Insassen reduzieren soll.
Wird er nicht benötigt, lässt sich der dreiteilige Deflektor zusammenfalten und in einem 15 Liter großen Staufach im Seitenschweller unterbringen. Auch die aktive Aerodynamik und das elektronische Stabilitätsprogramm wurden auf die unterschiedlichen Dachkonfigurationen abgestimmt. Bewegliche Luftleitelemente an Front und Heck regeln den Abtrieb, der bei montiertem Dach im Rennmodus bei 240 km/h mehr als 600 Kilogramm erreicht. Für einen offenen Sportwagen, der auch auf der Rennstrecke funktionieren soll, ist das ein erheblicher konstruktiver Aufwand.
Vier Liter Hubraum, vier Motoren
Beim Antrieb bleibt alles beim Alten. Hinter den beiden Insassen arbeitet ein eigens für den Valhalla entwickelter Vierliter-V8 mit zwei Turboladern und flacher Kurbelwelle. Der Achtzylinder leistet 828 PS und erhält Unterstützung von drei Elektromotoren, die weitere 251 PS beisteuern. Zwei davon sitzen an der Vorderachse und können ihre Antriebskraft unabhängig voneinander verteilen. Der dritte Elektromotor ist in das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert und unterstützt den Verbrenner beim Antrieb der Hinterräder.
Zusammen ergeben sich 1.079 PS und maximal 1.100 Nm Drehmoment. Die Elektronik koordiniert dabei den gesamten Antriebsstrang mit Fahrwerk, Bremsen und Aerodynamik. Für den Sprint von null auf 100 km/h nennt Aston Martin unverändert 2,5 Sekunden. Das sind exakt die Werte des Coupés, obwohl der Spider konstruktionsbedingt andere Anforderungen an Gewicht und Luftführung stellt.
Ein paar Zugeständnisse an den Komfort gibt es ebenfalls. Serienmäßig erhält die offene Variante neu entwickelte Carbon-Touringsitze, die etwas bequemer ausfallen und den Ein- und Ausstieg erleichtern sollen. Wer lieber möglichst fest im Auto sitzt, kann ohne Aufpreis die enger geschnittenen Carbon-Schalensitze des Coupés bestellen.
Seine öffentliche Premiere feiert der Valhalla Spider am kommenden Wochenende beim Concours at Wynn in Las Vegas. Die ersten Kunden sollen ihre Fahrzeuge ab dem dritten Quartal 2027 erhalten. Einen offiziellen deutschen Verkaufspreis hat Aston Martin bislang nicht genannt.