Kurz zur Erinnerung: Ab sofort tragen die Elektroautos von Audi gerade Ziffern in der Modellbezeichnung, die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ungerade. So gesehen ist der A5 auch der neue A4, soll sich aber oberhalb des Vorgängers platzieren. Also dort, wo früher der A6 sein Revier hatte.
Außerdem wollen die Ingolstädter wieder in den Angriffsmodus schalten. Zu lange verharrte man im Schatten der Konkurrenz. Deswegen sollen die Audis optisch wieder selbstbewusster auftreten und da zeigt vor allem das vorläufige Top-Modell S5 Avant Flagge.
Der steht mit seinem 3,0-Liter-V6 mit 367 PS und einem maximalen Drehmoment von 550 Newtonmetern nicht so schlecht im Futter. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun: Im Vergleich zum aktuellen S-Benziner der A5-Baureihe sind das 13 PS mehr. Keine Leistungsexplosion, aber immerhin. Da lohnt ein Blick auf die Technik.
Der Audi S5 Avant basiert nicht mehr auf dem Modularen Längsbaukasten (MLB evo), sondern auf der nagelneuen Premium Platform Combustion (PPC). Bei allem Hype um die Elektromobilität gibt es also doch noch eine Architektur für Verbrennungsmotoren.
Ganz ohne Stromschlag geht es natürlich nicht. Auch beim Dreiliter-Sechszylinder kommt, ebenso wie bei den anderen Motoren Audis neue 48-Volt-Mildhybridisierung (mhev plus) zum Einsatz. Bei dieser Elektrifizierung wird der Riemenstarter-Generator (RSG) einen Triebstrang-Generator (TSG) ergänzt, der auf der Getriebeausgangswelle angebracht ist und Bei dieser Elektrifizierung wird der Riemen-Starter-Generator (RSG) durch einen auf der Getriebeausgangswelle montierten Antriebsstrang-Generator (TSG) ergänzt, der bis zu 24 PS und 230 Newtonmeter zum Antrieb beisteuert.
Ebenso wichtig ist die maximale Rekuperation mit einer Leistung von 25 kW. Wenn nötig auch bis zum Stillstand. Ab einer Geschwindigkeit von 140 km/h wird der TSG abgekoppelt. Damit dieses komplexe System funktioniert, ist eine Batterie nötig, die die Energie schnell aufnehmen und wieder abgeben kann. Die 48V-Lithum-Eisenphosphat-Akkus haben eine Kapazität von 1,8 kWh. So ist auch rein elektrisches-Fahren möglich. Neben der besseren Fahrbarkeit reduziert der das E-Modul auch den Verbrauch um bis zu 0,74 l/100 km bei den Benzinern. Beim neuen S5 Avant sollen es laut Audi 7,6 Liter pro 100 Kilometer sein.
Noch entscheidender ist allerdings, wie der S5 fährt. Schließlich stellt sich niemand einen solchen Kombi für mindestens 80.150 Euro in die Garage, um konstant den Normverbrauch zu erzielen. Hin und wieder darf es auch das Spaßfahren sein. Genau das bereitet der S5: Freude. Und das unkompliziert und ohne großen Aufwand. Ein Gentleman-Sportler eben, der flott unterwegs ist, aber niemals schwitzt und auch den Piloten nicht zum Transpirieren bringt. Man muss also kein Vollblut-Lenkradkünstler sein, um mit dem 1.965 Kilogramm schweren Avant flott unterwegs sein zu können. Das liegt auch an der Lenkung, die deutlich auskunftsfreudiger ist als in früheren Fahrzeugen mit den vier Ringen auf dem Kühlergrill.
Dank des Sportfahrwerks, bei dem die Karosserie 20 Millimeter über den Asphalt fliegt, dem serienmäßigen Sportdifferenzial in Kombination mit Torque Vectoring per Bremseingriffen, das aufgrund der Brake-by-Wire-Technik schneller reagiert als bei konventionellen Systemen, hat der 4.83 Meter lange Sportkombi beste Voraussetzungen, schnell um die Ecken zu wieseln. Verbesserungen am Fahrwerk wie zum Beispiel die optimierten Querlenkerlager und ein erhöhter Sturz an der Vorderachse fördern die Leichtfüßigkeit des Vorderwagens beim Einlenken zusätzlich.
Generell bleibt der S5 Avant in Kurven neutral und gut beherrschbar. Nur wenn man es übertreibt, stoßen sowohl der traktionsfördernde Allradantrieb als auch die Fahrwerkskunst der Ingenieure an ihre Grenzen und der S5 Avant drängt in Richtung Straßenrand. Aber selbst das kommt nicht völlig überraschend und überrumpelt den Fahrer.
Im Innenraum findet man die neue Audi-Wohnwelt mit gekrümmten Bildschirmen vor. Der Fahrer blickt auf ein 11,9-Zoll-Cockpit mit virtuellen Instrumenten und Anzeigen, während ein 14,5-Zoll großer Touchscreen die Kommandozentrale des Infotainments bildet. Ergänzt wird das Ganze durch ein Head-up-Display, das um 85 Prozent größer ist als bisher. Auch die fliegenden Navigationspfeile sind besser auszumachen.
Interessant ist der Sprachassistent, der über eine Lenkradtaste oder „Hey Audi“ aktiviert wird. Wenn das autoeigene Programm an seien Wissensgrenzen gelangt, holt es vom Fahrer unbemerkt ChatGPT ins Boot. Alles schön und gut, aber die Kernkompetenz des Audi S5 Avant bleibt die Agilität.
TEXT Wolfgang Gomoll