Diese Autos schuldet Ihr uns noch. Teil 3+4.

Weiter geht es mit unserem Wunschzettel, auf dem sich ausschließlich Studien und Concept Cars befinden, mit denen uns die Hersteller in den letzten Jahren den Mund wässrig gemacht. Heute geht der Weckruf an BMW und Audi.

Teil 3. BMW 3.0 CSL Hommage R.

Auf der Straße war der BMW-Zweitürer ein filigranes Stück Eleganz, auf der Piste waren die CSL wilde Tiere, und für nichts anderes war das Coupé Leichtbau Sport 1971 vorgesehen. In den frühen Siebzigern eskalierte man auf der Rennstrecke fröhlich mit Ford um die Wette, höhlte, fräste und bohrte das eigentlich mal als seriennah gedachte Gruppe-2-Reglement für Tourenwagen bis zur Unkenntlichkeit aus. Die Flossen und die Walzen wurden immer dicker und die weißen Renner mit blau-rot-violetter Kriegsbemalung zur Legende.

Der 3,0 CSL-Hommage will nichts anderes, als an glorreiche alte Zeiten erinnern, und so präsentierten ihn die Bayern nicht in Genf oder Frankfurt, sondern auf dem Klassiker-Schaulaufen an der Villa d’Este. BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk hat kein wirkliches Retro-Auto auf die 21-Zoll-Walzen gestellt, sondern ein scharf gezogenes Monument der Moderne, das dennoch auf einen Blick als Urenkel des Originals erkennbar ist, was nicht zuletzt am Heckflügel liegt, der ebenso schamlos wie aufregend den Vorgänger kopiert.

Das Einzelstück aus Stahl und Karbon stellten die Münchner im selben „Golf Yellow“ aus wie einst das frühere Original. Die hier gezeigte Rennversion in Weiß parkte ebenfalls als Einzelstück 2015 auf der Oldtimer-Schau im kalifornischen Pebble Beach. Nur einen Steinwurf entfernt siegte ein CSL 1975 in Laguna Seca und bei den Zwölf Stunden von Sebring. Die 560 PS könnten wunderbar auch im neuen Reihensechszylinder über die Nordschleife wüten und Porsche, Mercedes und die bayerische Konkurrenz von Audi beim 24-Stundenrennen das Fürchten lehren.

„Aus Freude am Fahren“ lautete mal der Slogan von BMW, aber das Schönste, was die Blauweißen seit Jahrzehnten zustande gebracht haben, darf nach wie vor nur parken.

Teil 4. Audi Quattro Concept.

Wenn in Sachen unbefriedigter Fans irgendwer noch was gutzumachen hat, dann ist es Audi. Wie kaum ein anderer Hersteller haben uns die Ingolstädter aufgeheizt mit rauem Fünfzylinder-Gebrüll und explosionsartiger Beschleunigung, egal wie die Straße darunter aussieht. Aber genauso heftig, wie der damalige Technikchef das Thema Quattro auf den Rallyepisten der Welt anschob, genau so abrupt hat er es Ende 1988 wieder abgestellt. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Quattro ist seitdem nur noch ein Accessoire unter vielen, Audi will von der eigenen Vergangenheit nicht mehr viel wissen – Schampus statt Schotter.

Umso schmerzhafter ist der nun schon zehn Jahre währende Anblick des Quattro Concept, der kein Showcar ist, das nur auf einer Messe gut aussieht. Was der Sport Quattro an PS hatte, wummert beim 2,5-Liter Fünfzylinder an Kilowatt unter der Haube. Den Aggregatzustand wechselt das 408-PS-Geschoss in 3,9 Sekunden von Parken zu Landstraßen-Tempolimit.

Das Chassis ein um 15 Zentimeter gekürzter RS5, das Dach um vier Zentimeter runtergeschnitten, ein echtes Muscle Car, made in Germany. So hätte er aussehen können, 40 Jahre nach dem Ur-Quattro. Eine Serien-Version war geplant, ein Erlkönig drehte schon seine Alltagsrunden.

Was ist schief gelaufen? So müssen wir weiter träumen – von noch ein bisschen dickeren Backen, einem fetteren Flügel hinten und ein frech rauslugendes Unterbodenblech vorn, darüber sechs dicke Halos vorne am Grill, um am Col de Turini die Nacht zum Tag zu machen. Neben dir sitzt der Geistdörfer und sagt die Kurven an. Das ist jetzt nicht mal ein Traum: Die Stimme des Röhrl-Beisitzers haben sie digitalisiert und ins Navi programmiert.

LESENSWERT.