Restomods auf Basis des Porsche 911 gibt es inzwischen reichlich. Dass sich nun ein offizielles Porsche Zentrum an das Thema wagt, macht den 964 x 22 Eternity dennoch interessant. Hinter dem Projekt steht das Porsche Zentrum Darmstadt, das 2022 damit begann, ein eigenes Konzept für modernisierte Klassiker zu entwickeln. Vier Jahre später ist das erste Auto fertig.
„Bei 22 Eternity geht es für uns um dauerhafte Gültigkeit, um Anspruch statt schnellem Konsum, um Persönlichkeit statt Vermassung. Das braucht seine Zeit und geht nur mit kompromissloser Qualität, die auf Beständigkeit ausgelegt ist“, beschreibt Geschäftsführer Wolfgang Schaller den Anspruch.
Das klingt zunächst groß, passt aber erstaunlich gut zum fertigen Auto. Statt den 964 mit möglichst vielen modernen Zutaten zu überladen, haben die Darmstädter versucht, seine Grundidee zu bewahren und gezielt weiterzuentwickeln.
Als Basis dient ein Porsche 964 Carrera 2 Coupé. Der Wagen wurde auf dem freien Markt gekauft, vollständig zerlegt und anschließend neu aufgebaut. Die Rohkarosserie erhielt mit Original-Porsche-Teilen den breiten Werksturbolook des 964 Turbo. Das Ergebnis bleibt formal nah am Original, steht aber deutlich satter auf der Straße. 19 Zoll große BBS-Le-Mans-Räder ersetzen die deutlich kleineren Serienformate. Die Felgensterne sind in Turbonit Seidenglanz lackiert.
333 PS statt Showeffekt
Unter dem Heckdeckel blieb es beim luftgekühlten Sechszylinder-Boxer, allerdings nicht im Serienzustand. Der Hubraum wurde auf 3.746 Kubikzentimeter erweitert. Optimierte Zylinderköpfe, bearbeitete Einlasskanäle und Schrick-Sportnockenwellen heben die Leistung auf 333 PS bei 7.390 U/min. Das maximale Drehmoment beträgt 360 Nm bei 5.300 Touren.
Auch beim Getriebe hielt man sich nicht sklavisch an die Bauzeit des Autos. Verbaut ist ein Sechsgang-Schaltgetriebe aus dem Porsche 996 mit verkürzten Schaltwegen. Hinzu kommen eine Kupplung des 964 RS und ein erleichtertes Schwungrad.
Das Fahrwerk stammt von Öhlins und arbeitet mit der Road-&-Track-Abstimmung samt Doppelströmungsventilen. Bei der Bremsanlage kombiniert das Porsche Zentrum Komponenten verschiedener Generationen: vorn Festsättel aus dem 996 mit 320 Millimeter großen Bremsscheiben des 996 GT3, hinten Scheiben des 964 Turbo mit 299 Millimetern Durchmesser.
Damit folgt der Umbau einer recht klaren Linie. Der 964 soll nicht aussehen wie ein modernes Auto im alten Kleid. Vielmehr werden Technik und Details dort aktualisiert, wo es sinnvoll erscheint, ohne die Grundidee des luftgekühlten Elfers zu überdecken.
Fischsilber statt Modefarbe
Ungewöhnlich ist auch die Lackierung. Fischsilbergraumetallic geht auf eine Porsche-Farbe aus den frühen 1950er-Jahren zurück und ist heute wieder über das Paint-to-Sample-Programm erhältlich. Laut Projektbeschreibung wurden für den damaligen Metallic-Effekt tatsächlich Bestandteile aus Fischschuppen verwendet. Heute übernehmen Pigmente diese Aufgabe.
Der zurückhaltende Farbton passt gut zum Rest des Autos. Der breite Turbolook, die großen Räder und die tiefe Karosserie sorgen bereits für genug Präsenz. Eine auffällige Lackierung hätte dem 964 vermutlich eher geschadet.
Im Innenraum wird deutlicher mit verschiedenen Porsche-Epochen gespielt. Die Instrumente wurden neu aufgebaut und tragen weiße Ziffern und Zeiger. Ascotbraunes Leder mit silbernem Kreuzstich zitiert den Carrera GT, die klappbaren Sportschalensitze stammen aus der Baureihe 991. Dreh- und Zugschalter wurden aus massiven Aluminiumblöcken gefräst und anschließend schwarz seidenmatt eloxiert.
Wo früher die hinteren Notsitze waren, finden nun zwei maßgefertigte Rimowa Classic Cabin aus Aluminium ihren Platz. Das ist konsequent, ungewöhnlich und passt zum Anspruch des gesamten Projekts.
Mehr als ein Einzelstück
„22 Eternity“ soll mit diesem 964 nicht enden. Weitere Fahrzeuge sind bereits vorgesehen, wobei der Schwerpunkt zunächst auf der Baureihe 964 bleiben soll. Jedes Auto soll als Einzelstück entstehen.
Das ist auch der interessantere Aspekt des Projekts. Der 964 selbst ist handwerklich aufwendig und technisch sinnvoll zusammengestellt. Bemerkenswerter ist jedoch, dass sich ein Porsche Zentrum auf ein Feld vorwagt, das bislang vor allem unabhängigen Spezialisten wie Singer, Theon oder anderen Restomod-Manufakturen gehörte.
Der erste 22 Eternity versucht dabei gar nicht, den 964 neu zu erfinden. Er macht ihn breiter, stärker und moderner, lässt ihm aber seine charakteristischen Scheinwerfer, seine Proportionen und vor allem seinen luftgekühlten Boxer. Vielleicht ist genau diese Zurückhaltung der richtige Ansatz für ein Auto, das ausdrücklich auf Dauer angelegt sein soll.
Technische Daten Porsche 964 x 22 Eternity
- Motor: luftgekühlter Sechszylinder-Boxer
- Hubraum: 3.746 cm³
- Leistung: 245 kW/333 PS bei 7.390 U/min
- Drehmoment: 360 Nm bei 5.300 U/min
- Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe aus dem 996
- Kupplung: 964 RS mit leichtem Schwungrad
- Fahrwerk: Öhlins Road & Track
- Bremsen vorn: 996-Festsättel, 320-mm-Scheiben vom 996 GT3
- Bremsen hinten: 299-mm-Scheiben vom 964 Turbo
- Räder: BBS Le Mans, 19 Zoll
- Karosserie: Werksturbolook
- Lackierung: Fischsilbergraumetallic