Röhrls Reifen. Im Herzen nah.

Lieblingsreifen. In jedem Forum ein sicherer Garant für eine verbale Saalschlacht. Weil jeder „seinen“ Reifen hat, auf den er nichts kommen lässt. Walter Röhrl ist da nicht anders.

„Reifen. Sie sind die Verbindung, sie halten dich auf der Erde. Und am schönsten läuft’s, wenn der Reifen über die Lenkung dir in die Hände malt, was unter den Rädern los ist. Eine einfühlsame Lenkung braucht einen maßgeschneiderten Reifen. Bis in den Grenzbereich hinein erwarte ich von einem Reifen Ausgeglichenheit.“  Fahrphysik-Poet Walter Röhrl

Schon am Beginn seiner Laufbahn als Rallyepilot imponiert dem jungen Walter Röhrl die Marke Pirelli. „In meiner ganzen bisherigen Karriere begleitet mich Pirelli. Von Beginn an fahre ich mit dieser Marke Rallyes. Die emotionale Bindung gründet sicher nicht nur auf den sportlichen Siegen. Es sind die menschlichen Bindungen, Vertrautheit zu den Menschen, welche für diese Marke einstehen. Es hat mich wirklich geprägt, als ich in den Jahren 1974 bis 1978 für Opel gefahren bin. Da boten die Pirelli-Techniker und Ingenieure angefahrene Reifen aus Tests und Trainings den Hobbyfahren und kleinen Teams für 25 Mark an. Neue Reifen kosteten ein Vielfaches, schon damals.“

Als Markenbotschafter bei Porsche wird der Rallye-Weltmeister später in die Entwicklung der Pirelli-Reifen, speziell für Porsche-Fahrzeuge, miteinbezogen. Und weil ein Porsche zu den langlebigsten Luxusgütern zählt, wuchs mit jedem Jahr auch automatisch die Nachfrage für Reifen im Klassikbereich. Und so wurde Röhrl 2015 als Testfahrer federführend bei der Entwicklung der „Pirelli Collezione“. Reifen für den Klassikbereich, deren Optik und Profildesign den historischen Originalen gleichen und den gehobenen Ansprüchen modernster Reifen entsprechen. So entstehen bei Pirelli für den Automobilhersteller zertifizierte Reifen mit spezieller Markenkennzeichnung. Bei Porsche sind es (seit Anfang der 80er) die im Handel mit „N“ gekennzeichneten. N wie Porsche. Logisch.

Es gibt in Walter Röhrls automobilem Leben natürlich nicht nur die Reifenmarke Pirelli. Und wie er heute selbst resümiert, hat er die meisten Rundstreckenrennen wohl auf Michelin gewonnen. Er charakterisiert Michelin als „mindestens genauso professionell und zielorientiert wie Pirelli.“ Nur eben nüchterner, distanzierter. Vielleicht liegt es ja auch an ihm? (er lächelt bei diesem Gedanken). 

Ihm erscheint im Rückspiegel die Zusammenarbeit mit der französischen Marke sehr professionell.
„Alles, was sie tun, wirkt groß, ist im Umgang sehr respektvoll, aber eben auch mit persönlichem Abstand. In Qualität und Performance sind Reifen von Michelin ganz sicher High-End Produkte. Im Herzen stehen mir die Italiener aber irgendwie näher. Nestwärme, Leidenschaft und Wille. Improvisation, wo sie gefragt ist. Unkonventionell bedeutet nicht unprofessionell. Italiener sind herzgeleitete Motorsportler!“

Und als bedarf es noch eines Beweises, spricht der vierfache Rally-Monte-Carlo-Sieger von seiner Begegnung mit Nico Hülkenberg. „2013 bin ich einen ganzen langen Tag mit dem neuen P Zero auf einem Porsche um die Hallen des Pirelli-Werks im Odenwald gedriftet. Erst mit Rennsport-Manager Mario Isola und Politprominenz, dann kam Christian Danner zusammen mit Nico Hülkenberg um die Ecke. Und dieser Formel-1-Pilot bat mich dann später um ein Autogramm, weil er noch nie einen Fahrer gesehen hätte, der so perfekt ein Auto beherrscht. Eine jede Runde glich der vorausgegangen. Die Pirelli-Techniker zogen immer wieder neue Reifen auf und die Schlange der Werksmitarbeiter nahm einfach nicht ab. Ich durfte diese Leute mit meinem geliebten Handwerk glücklich machen. Das war ein sehr schönes Gefühl und Anerkennung für mich. Wirklich.“

Nicht nur Italiener sind herzgeleitete Motorsportler.

TEXT Knut Kummer
FOTO McKlein

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