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Tesla vor dem Umbruch.

Es läuft aktuell nicht allzu rund bei Tesla. Die Autoabsätze stocken und einige Produkte treffen nicht ins Herz der Kundschaft. Richtungskorrekturen tun Not und der Druck wird größer – in China, Europa und Nordamerika gleichermaßen.

Der große Hype rund um Tesla und seinen CEO Elon Musk scheint verschwunden. Ganz überraschend kommt das nicht, denn die meisten Autohersteller haben mittlerweile konkurrenzfähige Elektroautos auf den verschiedenen Märkten und der einstige Vorsprung des amerikanischen Elektropioniers ist Vergangenheit. Zeitgleich holt die Realität den Elektroprimus ein, der im vergangenen Jahr mit dem Tesla Model Y noch das meistverkaufte Elektroauto der Welt auf vier Reifen stellte. Dabei sind es jedoch gerade die Produkte, an denen es hapert. Das Oberklassefahrzeug Tesla Model S ist mächtig in die Jahre gekommen und auch wenn es seit seiner Markteinführung vor mehr als einem Jahrzehnt immer wieder verbessert wurde, gibt hier längst die Konkurrenz die Schlagzahl vor.

Ein Nachfolgemodell mit neuem Design, frischem Innenraum und zeitgemäßer Technik ist längst überfällig, doch die Tesla-Verantwortlichen unter Elon Musk entschieden sich schon vor Jahren erst einmal gegen ein Nachfolgemodelle. Der Fokus sollte auf den kleineren Familienmitgliedern und dem Herzensprojekt des Cybertruck liegen.

Doch der Cybertruck ist polarisierender als alles, was Tesla bisher auf die Straße brachte. Zudem kam das martialische Geodreieck auf Rädern Ende 2023 nicht nur mit mehr als zwei Jahren Zeitverzug auf den Markt, sondern ärgerte Kunden und Verkaufsteam mit Qualitäts- und Sicherheitsmängeln, die aktuell ausgemerzt werden. Grund für den großen zeitlichen Verzug war weniger das ungewöhnliche Design als vielmehr die Fertigung der Außenhaut aus besonders hartem, kaltgewalztem Edelstahl. Aus dem Stand benötigt der Koloss, gefertigt in Texas, bis 100 km/h nicht einmal drei Sekunden. 

Derzeit ist der Cybertruck auf einer großen Roadshow durch Europa, um die Tesla-Jünger in der alten Welt milde zu stimmen, denn hier soll der Koloss mit den grandiosen Fahrleistungen und der offenen Ladefläche erst einmal nicht zu den Kunden kommen. Eine richtige Entscheidung der Tesla-Führungsriege, denn Pick Ups spielen in Europa seit Jahrzehnten allenfalls eine Spartenrolle und in Asien sind die Pick Ups ebenso wie in Südamerika nicht mehr als billige Alltagsmobile.

Doch auch auf dem Heimatmarkt den USA als Pick-Up-Nation Nummer eins wird die Kritik am Cybertruck immer lauter. Doch auch das ändert nichts daran, dass Musk mit dem mobilen Kantholz wieder einmal besonderen automobilen Mut bewiesen hat. Und mehr Pick-Up für weniger Geld mit Image und Innovationswert und insbesondere einmal Elektroantrieb bietet kein anderer. 

Doch viele Probleme abseits des Cybertrucks bleiben. Mit dem zunehmenden Erfolg des Model 3 brach der Absatz des deutlich ertragsstärkeren Model S vor sechs Jahren zusammen. Und auch wenn es Tesla mit dem technischen Zwilling des Model Y als SUV gelang, die Fertigungskosten zu senken und die Produktion effektvoll zu skalieren, warten immer mehr Tesla-Fans auf ein neues Mittelklassemodell.

Der mächtige Familien-SUV des Model X ist seit seiner Markteinführung weit hinter den Erwartungen zurück und bräuchte ebenso langsam eine Ablösung wie das betagte, aber unverändert schick anzuschauende Model S. Wenn es um die Ertragssituation geht, wären Nachfolger von Tesla Model S und Model X weit wichtiger als das kleine Einstiegsmodell des Model 2, der in nennenswerten Volumen wohl kaum vor Ende 2026 Realität werden dürfte.

Der weltweite Tesla-Absatz lag in den ersten Monaten des Jahres 2024 deutlich hinter denen des Vorjahres. Angespannt ist die Lage aktuell auch in China, denn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurden fast 20 Prozent weniger lokal produzierte Fahrzeuge vom Typ Model 3 / Y verkauft. Im April 2024 gab es nach Angaben der chinesischen Zulassungsbehörden ein Minus von rund 30 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Tesla hat hier mit ähnlichen herausfordernden Gegebenheiten wie die deutschen Hersteller zu kämpfen, wogegen die chinesischen Heimspieler – allen voran Marktführer BYD – davonziehen. 

Parallel muss Tesla das Problem mit den Überproduktionen in den Griff bekommen, denn ebenso wie viele andere traditionelle Autobauer produziert Tesla gerade von Model 3 und Y in seinen verschiedenen Fertigungsstätten in den USA, China und Deutschland aktuell deutlich mehr Fahrzeuge als verkauft werden. Daran ändern auch die jüngsten Preissenkungen nichts. In Deutschland wird das Einstiegsmodell des Tesla Model 3 aktuell ab 40.990 Euro angeboten.

Nach der Modellpflege im vergangenen Jahr mittlerweile neu im Programm: das Model 3 Performance mit 460 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 262 km/h. Sein Preis: mindestens 56.990 Euro. Der Tesla Cybertruck ist in diesem Jahr komplett ausverkauft – die Fertigung fährt gerade erst hoch. Die Basisversion startet in den USA bei unter 58.000 US-Dollar; das Topmodell Cyberbeast mit 500 Kilometern an elektrischer Reichweite und 845 PS liegt mit mit 96.390 US-Dollar noch immer unter der 100.000er-Grenze. 

Ebenfalls von den Tesla-Fans sehnlichst erwartet: die Modellpflege für die Massenversion des Model Y. Diese dürfte in diesem Herbst ähnliche Veränderungen wie beim Model 3 bringen. Letztlich macht derzeit allein das Tesla Model Y das große Geschäft – gefolgt von der eng verwandten Limousinenversion des Model 3. Doch auch die lange Zeit als Hoffnungsträger inszenierten Tesla-Modelle Cybertruck, Roadster und auch der Lastwagen Semi tragen nicht zum finanziellen Erfolg der Amerikaner bei.

Das macht mittlerweile auch die Anleger nervöser denn je. Aktuell liegt der Aktienwert bei rund 160 Euro – weit entfernt vom 52-Wochen-Höchstwert 267 Euro und kaum mehr als 20 Prozent unter dem Tiefstwert von 130 Euro. Tesla war eine der Verliereraktien des Jahres 2023 und die meisten Analysten sehen in den nächsten Monaten kaum Anzeichen für eine Trendwende. Gerade weil neue Produkte fehlen und die Nachfrage nach Elektroautos in vielen Industrienationen ins Stocken gerät. 

Öffnen für andere

Tesla reagiert jedoch unverändert schneller als die Konkurrenz – wieder einmal. Von jedem zehnten Mitarbeiter will sich Elon Musk in den kommenden Monaten trennen. Von aktuell rund 140.000 Mitarbeitern wären das immerhin 14.000 – auch die Fertigung in Grünheide südlich von Berlin soll betroffen sein. Gerade im Topmanagement herrscht bei Tesla große Unruhe. Eine Vielzahl von verantwortlichen Personen sollen das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen haben – andere mussten gehen. Tesla scheint mittlerweile in der automobilen Realität angekommen zu sein. Das hat auch sein Gutes für die Kunden und solche, die es werden wollen. Auch Autofahrer anderer Elektromarken können mittlerweile am Supercharger-Netz von Tesla nachladen – einmal mehr ein schlauer Schachzug. 

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.
WALTER.