Audi Träume. Geht nicht, gibt’s nicht!

Wer Audis sehen will, die sich Audi nie getraut hat, sollte tief in den Instagram-Kanal von George Achorn eintauchen. Der Amerikaner verwirklicht die Träume der Quattro-Fraktion und kassiert dafür sogar Likes der Konkurrenz.

Bevor wir zu Deiner Arbeit kommen, wer steckt hinter 4rings.ai? Bitte stelle Dich doch einmal kurz vor!

„Mein Name ist George Achorn, ich bin ein amerikanischer Künstler und unter anderem ehemaliger Herausgeber von VWvortex.com. In dieser Zeit berichtete ich hauptsächlich über Audi und nahm zehn Mal mit der Marke am 24 Stunden Rennen in Le Mans teil, wobei ich viele der Fahrer und Teams kennenlernte, oder mich intensiv mit ihren Fahrzeugen beschäftigt habe. Nach dem Verkauf unserer Websites im Jahr 2016 habe ich mit der Arbeit für den größten Audi-Owners-Club der Welt, den Audi Club North America, begonnen.“

Warum ausgerechnet Audi? Was fasziniert Dich an dieser Marke?

„Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Audi, sei es durch den Rallyesport, von dem ich als Kind in Büchern gelesen hatte, oder durch die Autos, die ich beim Händler sah, wenn ich meinen VW Scirocco zur Inspektion brachte. Ich mochte den Technologiefokus. Jetzt will Audi es mit der Formel 1 aufnehmen. Ich kenne keine andere Marke, die in ihrer Geschichte so viele Herausforderungen gemeistert hat, wie Audi und dafür bewundere ich die vier Ringe.“ 

Man darf also davon ausgehen, dass mittlerweile auch ein Audi in Deiner Garage steht?

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„Ich habe erst vor Kurzem meinen C8 RS 6 in Nogaroblau verkauft, der ein echtes Schmuckstück war. Jetzt habe ich einen gebrauchten SQ8 und meine Tochter, die im Herbst aufs College geht, einen gebrauchten frühen B9 A5 Sportback. Meine Frau fährt einen e-tron SUV und wir besitzen auch einen 1985er Urquattro und ein grünes 1972er-Coupe S mit einem V8- und Quattro-Umbau. Das Auto hatte ich während der Pandemie in Schweden gefunden. In unserer Garage steht auch noch ein Porsche 964, den ich vor Jahren angeschafft hatte, als wir die Websites verkauften, ich besitze also nicht nur Audi … aber fast.“

Zurück zu Deiner Arbeit: Auf welches Modell bzw. welche Grafik bist Du besonders stolz?

„Es sind inzwischen so viele. Ich habe fast 800 Bilder veröffentlicht und noch viel mehr, die ich jetzt formatieren und veröffentlichen kann. Ich habe einige, die mir besonders aufgefallen sind. Es gibt einen wilden RS 6 GT Avant, den ich entworfen habe, eine Serie von modernen Audi-SUVs, die ich „Wanderer“ nenne, wobei ich den alten Markennamen Auto Union verwende. Einer meiner Favoriten war ein Mittelmotor Sport Quattro E3 Gruppe S Homologation Straßenfahrzeug, oder die Quattro/Sport Quattro Avants.“

Natürlich spielt auch die Gruppe-B-Zeit eine wichtige Rolle in Deiner Arbeit …

„Als ich an einer Geschichte über die Rallye-WM 1982 arbeitete, stellte ich mir eine Serie von Konzeptfahrzeugen vor, die jeweils nach den Siegen in dieser Saison benannt waren. In Anlehnung an das italienische Wort ‚quattro‘ nannte ich sie Acropoli, Portogallo und Brasile, wobei der Brasile mein Favorit von den dreien ist – einfach ein sehr frühes 80er-Jahre-Geländewagen-Coupé mit Kombi-Profil und einem fast retroartigen Flügeln wie beim R8. Es erinnert mich an einige der imaginären Matchbox-Autos aus meiner Jugend und sieht aus wie etwas, das Giugiaro, Bertone oder Pininfarina in dieser Zeit entworfen haben könnten.“

Bei so viel PR-Arbeit für Audi, hat jemand aus Ingolstadt schon mal ‚Danke‘ gesagt?

„Indirekt. Das Social-Media-Team von Audi Spanien hat meine Arbeit geteilt und ich habe mit dem Social-Team von Mattias Ekström an einem Aprilscherz in diesem Jahr gearbeitet. Die Accounts von Audi Deutschland und Audi Tradition haben meine Arbeit ebenfalls geliked, aber nicht geteilt. Ich würde gerne mehr mit ihnen zusammenarbeiten und wenn sie interessiert sind, wissen sie sicher, wo sie mich finden können.“

Gibt es denn Reaktionen von anderen Auto-Designern?

„Als ich letztes Jahr in Los Angeles war, schaute ich bei Meyers Manx vorbei, um das Studio zu sehen und mit Freeman Thomas, einem Freund, zu Mittag zu essen. Er erwähnte, dass er meine Werke gesehen hatte und sehr beeindruckt davon war. Ich glaube, die Designer sind wirklich neugierig darauf, wie es weitergeht und es ist ein riesiges Kompliment, wenn sie es gut finden. Ich habe festgestellt, dass viele Kreativschaffende und Designer den Account mögen oder ihm folgen. Ich weiß, dass Chris Harris eines meiner ersten großen Renderings (einen C1 100 Allroad aus den frühen 70er-Jahren) in seinem Podcast Collecting Cars erwähnt hat. An einem Tag sah ich, wie ein leitender Designer von Aston Martin dem Account folgte und ein anderer von Mercedes ein Bild innerhalb weniger Minuten likte, also nehme ich an, dass etwas, das ich gepostet habe, Gefallen findet.“

Du arbeitest mit dem KI-Tool Midjourney. Wie lange hat es gedauert, bis Du die richtigen Prompts, also die zur Erstellung eines Bildes nötigen Anweisungen, gefunden hast? 

„Dies ist eine ständige Herausforderung. Midjourney entwickelt sich ständig weiter. Es ist gut in einigen Dingen und in anderen nicht. So sind bestimmte Generationen von Autos leicht zu rendern, andere wiederum nicht. Quattro-Autos aus der B2-Ära sind einfach. Moderne Autos sind auch einfach. Midjourney braucht ein bisschen, um aufzuholen, wenn Audi das Design ändert, wie jetzt mit der neuen Positionierung der Ringe im Kühlergrill, den gestapelten Scheinwerfern wie beim Q6 oder neuen Ringtexturen. Einige Epochen von Autos, z.B. B3-B8, neigen dazu, eine Mischung zu sein und sind schwer zu gestalten. Ich habe vor Kurzem einen B4 S2 für eine Grafik für einen Kunden erstellt. Das hat viel Zeit gekostet und war nicht sehr konsistent. Und das, bevor man sich überhaupt in die Stilfrage vertieft, ob fotorealistisch, grafischer Stil, oder etwas anderes. Ich bin Mitglied einer Gruppe auf Facebook namens Midjourney Official und beobachte die eigene Seite von Midjourney, um Abfragen zu imitieren und habe dann meine eigenen Tricks gelernt, um bestimmte Autos oder Winkel zu bekommen. Es ist eine ständige Lernerfahrung sowohl für mich als auch für die KI, denn die diese entwickelt sich ständig weiter.“

Also musst Du noch eine Menge in Photoshop nacharbeiten?

„Zum Teil. Die generative Füllung in Photoshop hat sich als sehr praktisch erwiesen, wenn es darum geht, Hintergründe zu vergrößern oder Details zu verändern, und das spart mir eine Menge Zeit. Ich überarbeite Logos, wenn es die vier Ringe – manchmal fünf oder mehr – durcheinander bringt, füge Grafiken und Logos zu Rennwagen oder Rädern hinzu, wenn ein toll aussehendes Auto schreckliche Felgen hat. Wenn ich etwas mit mehr Sorgfalt machen würde als einen täglichen Instagram-Post oder etwas für einen Kunden, würde ich mehr Details wie Räder usw. korrigieren. In den letzten 14 Monaten, in denen ich dies tue, hat sich Midjourney jedoch bei Dingen wie Rädern, Bremsen, Scheibenwischern und sogar den vier Audi-Ringen stark verbessert.“

Ist es für Dich wichtig, nah an den Serienmodellen zu arbeiten, oder kann es auch „unrealistisch“ sein?

„Am Anfang, als ich den Account gestartet habe, war ich experimenteller. Ich habe Dinge gemacht wie die Astronautin Michèle Mouton oder R18s auf dem Mond, eine Serie von Audi-Bildern in Vergnügungsparks zu Beginn des Sommers oder ein Weihnachts-Rallye-Thema zu den Feiertagen. Ich habe Audi Sport Team Addams Family Racer und einen Ghost Busters Ecto-4 RS 6 Avant für Halloween gestaltet, ein futuristisches Auto von Ahsoka (Star Wars) und Loki (Marvel), als die Fernsehserie auf Disney Plus startete, oder Barbie im letzten Sommer, als der Film herauskam – zusammen mit Beiträgen von Tom Kristensen als Ken-Puppe und Michèle Mouton als Barbie-Puppe. Wie viele Social-Media-Akteure neigt man dazu, die Bilder zu posten, die besser performen. Letztes Jahr bekamen die älteren Autos mehr Likes, aber in letzter Zeit, seit dem RS 6 GT, habe ich viele RS-Autos und GT-Versionen von RS-Autos gemacht, und die scheinen sehr gut anzukommen. Ich muss wieder zu einigen der verrückteren Dinge zurückkehren und ein wenig mehr Spaß haben. RS e-tron Avants kommen auch ziemlich gut an.“

Mit KI scheinen die Möglichkeiten endlos zu sein. Welches Projekt kommt als nächstes?

„Für den Account würde ich gerne anfangen, mehr Storyboard-Bilder zu erstellen. Das wird mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber die Plattformen werden immer einheitlicher. Es wäre cool, eine Serie von Bildern zu zeigen, die eine Geschichte erzählen, um einige Geschichten neu zu erzählen, wie Automobilist.com es mit ihrer eigenen Silberpfeil-CGI-Posterserie getan hat, die mich inspiriert hat, oder eine Geschichte zu erfinden, die nie stattgefunden hat, wie ein alternatives Universum, in dem Auto Union in den 1930er-Jahren zum Pikes Peak gefahren wäre, als sie für den Vanderbilt Cup in die USA kamen und Hans Stuck in seinem aufgeladenen Auto Union Typ C mit vier Hinterrädern dominiert hätte, wie er es in Europa tat. Midjourney ist allerdings nicht besonders gut darin, Mittelmotor-Rennwagen aus den 1930er-Jahren zu bauen, also könnte es noch eine Weile dauern, bis ich mich an dieses Projekt wage. Anscheinend war Ferdinand Porsche ein solcher Paradigmenwechsel, dass selbst KI-Tools wie Midjourney im Jahr 2024 nicht das tun können, was er 1934 tat. (lacht).“

LINK: https://www.instagram.com/4rings.ai

Das Interview führte Michael Heimrich

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