Die Räder von Pferdewagen hatten in aller Regel eine gerade Speichenanzahl. Das war auch logisch, denn Symmetrie machte die Arbeit für die Stellmacher einfacher. Wo ein Protagonist, da ein Antagonist, zumal bei störrischem Holz. Die Radgeschwindigkeiten waren gering, was sich erst im Laufe der Zeit ändern sollte. Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts konnte das durch Speichenräder abgefangen werden.
Erst als sich die Leichtmetall-Felge auf breiter Flur durchsetzte, musste man auf die Physik achten, namentlich auf die Schwingungsharmonik: Man will nicht, dass jede Felge pro Umdrehung mehrfach belastet wird. Das Problem löst man ebenso elegant wie formschön durch Primzahlen: Sportliche Felgen haben also 3, 5, 7, 11 Speichen und so weiter.
Weiters sollen Felgen – vor allem sportliche – möglichst leicht und robust sein. Die einfachste Variante wären also Dreispeichen-Felgen, doch die hat außer Saab nie jemand wirklich überzeugend und ästhetisch zusammengebracht. Zusätzlich gilt es, die Bremsbelüftung und Aerodynamik im Auge zu behalten. Beides war bei den Langstreckengleitern von Saab nie so ein großes Thema wie im absoluten Spitzensport.
Dort kam man schon früh auf die Form eines Sheriff-Sterns im Runden – und wohl auch, weil es gut aussah. Auch diesbezüglich kann Porsche, stets Performance, aber auch Ästhetik verpflichtet, unser Leitstern sein. Gab es ein Problem, dann setzte man die besten Zulieferer in Gang, in diesem Fall die Firma des Felgenbauers Otto Fuchs aus Meinerzhagen im Sauerland, damals bereits in Besitz seines Sohnes Hans Joachim. Butzi Porsche war mit dem Auftrag gekommen, für das S-Modell des 911 eine Felge zu entwickeln, die um drei Kilo pro Stück leichter sein sollte als die Stahl-Rundlinge des Serien-Elfers.

Sinn der Übung natürlich: Reduktion der ungefederten Massen. Von Anfang an war klar, dass man auf fünf Speichen gehen würde, und zwar aus eben erläuterten Gründen. Der Prototyp der ersten gegossenen Fuchs-Felge, den wir auf dem Aufmacherbild sehen, war jedoch unterdimensioniert und brach. Doch nicht nur das Problem, sondern auch die Lösung hatte zwei Teile.
Erstens designte Butzi Porsche die Felge so um, wie wir sie heute kennen, mit der nach außen hin deutlich breiter werdenden Kleeblatt-Form, wie sie zum Beispiel auch jüngst für den 50-Jahre-Jubiläums-Elfer wieder neu interpretiert wurde. Und Fuchs entwickelte ein Verfahren, in dem das Rohteil geschmiedet und der Felgenbereich danach gewalzt wird.
Seither haben fast alle klassischen Porsche-Felgen fünf Speichen (Ausnahmen bestätigen die Regel): Hackmesser. Telefonscheiben. Cup. Turbo. Manchmal wurde das Thema auch als Doppelspeiche variiert – etwas, das auch BMW immer sehr gern gemacht hat (und zusätzlich haben die Münchner die Doppelspeiche lange Jahre im Lenkrad wieder aufgegriffen als untere der drei Lenkrad-Speichen).

Porsches Hackmesser wurden übrigens nicht von Fuchs, sondern von ATS hergestellt, damals ein Big Player auf dem Felgenmarkt, Mitte der 1980er-Jahre mit eigenem F1-Team am Start. Die Kohle dafür verdiente die Firma von Günter Schmid mit Alufelgen, die noch heute jedes Opel C-Kadett Coupé zieren, heute sogar neu zu bekommen als „ATS Classic“. Wie die Fuchsfelge ist sie meist zweifarbig schwarz-silber, hier jedoch mit fettem Stern und kurzen Speichen. Auch trägt sie ihren Namen mehr als zu Recht.
Geht man weiter zurück, finden sich ikonische Fünfspeichen-Felgen im Einsatz auf den geilsten Autos der Zeit, man nehme etwa die Campagnolo-Felgen für den Lamborghini Miura oder BMW M1, letztere quasi eine inverse Fünfspeichen-Felge: Sieht aus wie ein Scheibenrad, hat allerdings (je vier) Luftschlitze, angeordnet im Fünfstern-Form.
Das Fünfer-Design des italienischen Herstellers Cromodora sah man gern an Fiat 124, Lancia, Dino oder diversen Abarth, machte aber auch jeden Opel Commodore hübsch. Die Besonderheit der Cromodora war das Material: Magnesium.

Ebenfalls aus Italien und ebenfalls Künstler mit Magnesium-Knowhow war bis in die 1990er-Jahre Speedline, bekannt für schlichte Ikonen wie die Fünfspeichen-Allstars für Ferrari F40 oder, in Weiß lackiert, die Gruppe-B-Audi in der Rallye-WM. Auch auf dem Porsche 956 sehen wir anfangs schlichte schwarze Fünfstern-Speedline, bevor später Kreuzspeichen und noch später das weiße Turbinen-Design zur besseren Bremskühlung zum Einsatz kam.

Heute gehört Speedline – einst größter europäischer Felgen-Hersteller – zur Schweizer Ronal Group. Ronal verdanken wir eine andere ikonische Felge mit fünf Speichen, ikonischer als alle anderen, weil sie so einzigartig ist, dennoch funktioniert und vor allem unkopierbar ist: Bei der Bärchen-Felge sind die Berührungspunkte zum runden Kopf, Ärmchen und Beinchen. Diese Felge verlangsamt das Auto schon im Stand, erstickt jegliche sportliche Ambition und ist vor allem eins: süß! Das kann wirklich nicht jede Bauform von sich behaupten. (Und wir stellen uns jetzt keine Tier-Felge mit drei, sieben oder elf Extremitäten vor).
TEXT Werner Jessner für WALTER #23
FOTOS RM Sotheby’s & Hersteller