Porsche 911 GT2R. Der letzte Luftgekühlte.

Nur 48 Kilometer hat dieser extrem seltene Porsche 911 GT2R auf der Uhr. Entsprechend hoch dürfte sein Verkaufspreis sein. Für uns ist er ein guter Grund im Geschichtsbuch ein paar Seiten zurück zu blättern.

Gerade erlebt der Langstrecken-Rennsport eine Blütezeit. Beim Aushängeschild „24 Stunden von Le Mans“ im Juni traten Boliden von 14 Herstellern an. Das war nicht immer so, diese Motorsportdisziplin erlebt ein ständiges Auf und Ab. Die Heydays der Gruppe C in 1980er Jahre brachte eine epische Rivalität zwischen Porsche, Jaguar, Mercedes-Benz, Toyota, Mazda und anderen. Die Renner waren technisch soweit aufgerüstet, dass die World Sports-Protoype Championship sogar die damalige Formel 1 in den Schatten stellten. Es kam, was kommen musste: Die explodierenden Kosten drehten der Serie Ende 1992 den Hahn zu.

Auftritt Jürgen Barth und Stéphane Ratel. Der Deutsche mit Porsche-Background und der Franzose, der mit einem eigenen Markenpokal namens Venturi Trophy für reiche Gentleman-Driver eine Marktlücke entdeckt hatte, warfen ihre Visionen in einen Topf. Zusammen mit Marketing-Spezialist Patrick Peter gründeten sie die Organisation BPR und veranstalteten fortan Langstreckenrennen. Statt auf sündhaft teure Prototypen setzte das Trio auf GT-Fahrzeuge.

Die mussten allerdings weitgehend erst noch entwickelt werden. Barth hatte da auch schon einen Kandidaten: eine nach dem sogenannten GT2-Reglement aufgebaute Rennversion des Neunelfers. Für die Homologation war allerdings ein Serienmodell vorgeschrieben. Für Porsche kein Problem. Basis bildete der 911 Turbo der Generation 993. Der hatte einen luftgekühlten 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxer im Kreuz, der dank zwei Turboladern 430 PS leistete. Weil im Rennsport Allrad verboten war, flog der vordere Antriebsstrang raus. Dicke, sichtbar aufgesetzte Kotflügelverbreiterungen boten Platz für bis zu zehn Zoll breiten Rädern. Dazu kam der riesige Heckflügel des 911 Carrera RS Clubsport.

Neben dem ersten GT2-Serienmodell der Firmengeschichte legte Porsche wie von Barth geplant auch eine Rennversion auf Kiel. Diverse Tuningmaßnahmen steigerten die Motorleistung trotz der vorgeschriebenen Luftmengenbegrenzer auf 450 PS. Schalensitz, Käfig, Sicherheitstank, Feuerlöschanlage und andere Motorsport-Komponenten waren serienmäßig an Bord. Vom 911 GT2R der ersten Serie verkaufte Porsche 66 Stück zwischen 1995 und 1997, zum Preis ab 506.000 D-Mark plus Steuern.

Die meisten landeten natürlich im Rennsport. Nicht so ein Exemplar, das gerade bei Girardo&Co zum Verkauf steht. Dessen bisherige drei Besitzer widerstanden tatsächlich der Versuchung, den letzten luftgekühlten Rennwagen von Porsche auf der Langstrecke oder bei Trackdays zu malträtieren. Der Bolide präsentiert sich mit nur 44(!) Kilometern auf der Uhr im Auslieferungszustand. Kaufinteressenten sollten ein wenig mehr als einen Bausparvertrag auf der Hand haben.

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Epilog: Die von den Herren Barth, Peter und Ratel ab 1994 durchgeführte BPR Global GT Series entwickelte sich derart erfolgreich, dass sich der Weltmotorsportverband FIA bald das Ganze unter den Nagel riss. Ab 1997 hieß die Serie FIA GT Championship. Daraus entstand die Langstrecken-Weltmeisterschaft nach heutigem Format. Dort spielen GT-Fahrzeuge inzwischen allerdings nur noch eine Nebenrolle.     

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