Keine Lust mehr auf die Suche nach einer richtig krassen Individualisierung für den eigenen Benz? Mercedes-Fans aufgepasst, jetzt kommt das ultimative Accessoire: eine Wohnung im neuen Mercedes-Benz Places. 67 Stockwerke hoch, 2,5 Millionen Quadratmeter Wohnfläche. Mitten in Miami Brickell. Wird gerade gebaut. Kein Witz.
Zwei Türme entstehen, eingebettet im Zentrum Miamis, direkt an der Underline-Zuglinie. Der öffentliche Southside Park mit viel Grün gehört dazu, mit Basketball-, Padel- und Hundeplatz. Zum Abhängen oder Sporttreiben für alle Bewohner Miamis.
Die beiden Tower und deren Besonderheiten dürfen hingegen nur Besitzer oder deren Besucher betreten. Wie das professionelle Podcast-Studio. Oder ein 16-Meter-Schwimmbad auf der Dachterrasse der Arrow Lounge. Oder der Formel-1-Simulator. Fitness- und Wellnesscenter gibt es natürlich auch. Zählt ja schon fast zum Standard.

Mercedes-Benz Customer Solution, die Merchandising-Firma von Mercedes, baut die neue Immobilie, die Verbindung zur Automarke verläuft optisch aber eher subtil. Auf große Mercedes-Sterne oder Logos verzichten die Stuttgarter. Die beiden quaderförmigen Türme sollen vielmehr die dezente Ästhetik und Qualität der Marke aus Stuttgart repräsentieren. „Ähnlich wie unsere Automobile zielt die Immobilie auf zeitlose Eleganz“, sagt Gordon Wagener, Chef-Designer von Mercedes-Benz. Mehr Bauhaus als Pop-Art.
Geschwungenes Glas als Balkonabtrennungen erinnert zumindest ein wenig an Windschutzscheiben, vertikale und horizontale Linien an Kühlergrill-Rippen oder Räder des AMG One. Auf dem Boden des Schwimmbads leuchten ein paar Mini-Mercedes-Sterne. In einer Lounge nehmen Besucher auf Ledersofas Platz, deren Material an historische Mercedes-Sitze erinnert, eine Wand ist mit den Textilen aus dem legendären 300 SL verkleidet. Kann man machen.
Ein Corporate-Designteam von Mercedes hat dafür in den vergangenen Jahren eng mit JDS Development und Architekten zusammengearbeitet. Insgesamt entstehen 800 Einheiten, vom Studio bis zur Penthouse-Wohnung mit drei Schlafzimmern – mit Blick auf die Biscayne Bay und den Atlantischen Ozean. Dazu kommen 130.000 Quadratmeter für Bars, Restaurants und Freizeitflächen, 250.000 Quadratmeter für Büros, Gesundheits- und Fitnesseinrichtungen sowie ein Hotel mit 174 Zimmern. Außerdem bietet die Anlage Platz für Ladestationen, Fahrrad- und Roller-Sharing und Parkplätze. Viele Parkplätze.
Einige der Wohnungen verfügen über bis zu drei Meter hohe Fenster sowie individuell designte Küchen und Bäder – die Optionsliste ist Mercedes-typisch lang. Bis zur Netzhaut-Ablösung. Interessierte können sich in ihrer Traumwohnung schon vor dem Bau mittels VR-Brille umschauen und den Ausblick erkunden. Scheint anzukommen: 100 Wohnungen sind schon verkauft. Preis? Ab 700.000 Euro (fürs Studenten-Appartement) bis zu ein paar Millionen US-Dollar ist alles drin, verkauft werden die Einheiten vom Team des Netflix-Immobilien-Maklers Ryan Serhant. Aus „Watch Owning Manhattan“ könnte dann bald „Watch Owning Miami“ werden. Noch Fragen?
Wem das zu wenig Auto im Beton ist, wer auf sein Fahrzeug in der Wohnung nicht verzichten will, soll es ja geben, oder es einfach leid ist, einen Parkplatz zu suchen, der wählt eine Immobilie von Porsche, Aston Martin oder Bugatti. In Thong Lor, einem Viertel in Bangkok, entsteht derzeit ein 95 Meter hohes Porsche-Gebäude mit 23 Stockwerken, 22 Einheiten und viel Glas. Die Wohnungen sind doppel- oder vierstöckig und bieten zwischen engen 525 und luftigen 1.135 Quadratmetern Wohnfläche. Praktisch für Autofans: Bewohner fahren über eine spiralförmige Rampe direkt in ihr Apartment. Preis: zwischen 15 und 40 Millionen US-Dollar.
Für Porsche Design ist es das dritte Bauprojekt. Vor zwölf Jahren haben die Stuttgarter ein 198 Meter hohes Wohnhaus in Miami entwickelt, um die Faszination der Marke auch abseits des Autofahrens ins Leben zu transportieren. Höhepunkt der 2017 fertiggestellten Luxusimmobilie sind die drei Fahrzeugaufzüge „Dezervator“. Sie bringen das Auto, es muss nicht unbedingt ein Porsche sein, direkt in die Wohnung. Wen die Aussicht auf Dauer langweilt, der muss sich einfach nur umdrehen: Die 132 Wohneinheiten auf 60 Stockwerken liegen direkt am Ozean am Sunny Isles Beach. Fast alle Wohneinheiten bieten Pool und Outdoor-Küche auf dem Balkon. Zwischen 6,3 und 32,5 Millionen US-Dollar kostete eine Einheit.
Das Konzept hat auch andere Hersteller inspiriert. Fußläufig vom Mercedes Places in Miami liegt die Aston-Martin-Residenz mit 66 Stockwerken, 400 Einheiten und einer segelförmigen Front direkt am Wasser. Höhepunkte: Kunstgalerie, Kinosäle, Golfsimulator, Butler-Service, Dach-Pool und Heliport. Besitzer haben bei der Einrichtung freie Wahl, inklusive individuell angefertigter Aston-Martin-Griffe. Preis: zwischen 1,4 Millionen Euro und 55 Millionen für eine der sieben Penthouse-Wohnungen.
Britisch edel und kostspielig werden auch die Wohnungen von Bentley in Miami. Bis 2026 entstehen 216 Wohnungen auf 63 Stockwerken. Wie bei Porsche kann der Aston Martin, oder ein anderer Sportwagen, praktisch neben dem Sofa parken. Im Gebäude finden sich Restaurants, Bars, Fitnesscenter und ein Kino – mit Sitzen wie in einem Bentley. Das Gute kann so nah sein. Eröffnung: 2026, Preis: ab fünf Millionen US-Dollar.
In einer ähnlichen Liga spielt Bugatti. Der französische Luxushersteller entwickelt in Dubai mit einem Partner derzeit eine Residenz mit zwei Autoliften, 171 Wohnungen, elf Penthouses – inklusive edlen Oberflächen und einem hohen Maß an Luxus. Für Entspannung sorgen im Gebäude Pool, Jacuzzi-Spa, Fitnessclub, ein Gourmetrestaurant. Ein eigener Strand zählt ebenfalls zur Serienausstattung des Bugattis ohne Räder.
Warum gibt es den Trend der „Branded Residences“ von Autoherstellern? Klar, es geht ums Geld. Um viel Geld. Mit einer Luxusimmobilie zeigen Autohersteller, dass sie mehr können als kaltes Blech biegen – und erschließen sich damit im besten Falle neue Kunden. Die meist unbekannten Immobilien-Entwickler werben mit den weltbekannten Automarken für neue Kunden. Eine Win-win-Situation. Das klappt natürlich weniger mit Opel, Ford oder VW.
Dabei kam die Initialzündung zum ersten Porsche-Haus nicht von Porsche, sondern von US-Fans der Marke. Sie überhäuften Porsche mit Anfragen nach im Porsche-Design gestylten Wohnungen und einem kuscheligen Parkplatz neben dem Sofa. „Die Idee klang anfangs verrückt, aber wir haben sie bis zum fertigen Projekt weiterentwickelt“, sagt Stefan Buescher, CEO der Porsche Lifestyle Group. Die weltweite Porsche-Community feiert das bis heute hart ab.
Vor rund fünf Jahren begann Porsche Design daher mit der Projektentwicklung der Immobilie in Bangkok. Von außen soll das Gebäude an Porsche erinnern: Auf dem Dach scheint ein Leuchtenband ähnlich dem Rücklicht des Elfers, die Lamellen der Stahlkonstruktion erinnern an die Lamellen auf der Motorhaube. Im Wohnbereich kommen von Porsche Design entworfene Lampen, Wasserhähne, Küchentüren oder Türgriffe zum Einsatz. „Da wir ein zeitloses Objekt gestalten, müssen die Hinweise auf Porsche dezent ausfallen“, erklärt Stefan Buescher. Zwischen 8,42 und 25,56 Millionen US-Dollar kostet eine Porsche-Wohnung.
Dagegen wirkt das 90-Meter-Hochhaus mit 23 Stockwerken am Pragsattel in Stuttgart fast schon beliebig. In dem Ende 2023 eröffneten Gebäude liegen auf acht Etagen Büroräume, ein Hotel sowie ein Restaurant. Auf dem Dach glänzt das Porsche-Design-Logo, am Fuße liegt ein Porsche-Zentrum. Anders als bei Automobilien, die für die ganze Welt entwickelt werden, sind Immobilien immer Einzelstücke.
Mercedes-Benz schwingt parallel zum neuen Projekt in Miami die Kelle auch in Dubai. Ganz anders als in den USA wird das Gebäude in Dubai mehr Bling-Bling und viele Mercedes-Sterne zeigen. Das Design orientiert sich an der Studie Vision EQXX. In den 341 Metern und 65 Stockwerken entstehen derzeit 150 Einheiten mit einem Preis von mindestens 2,5 Millionen Euro. Weitere Projekte sind längst geplant, auch wenn Mercedes darüber noch nicht sprechen will. Neben Mercedes bekommen auch die Submarken Maybach und AMG eigene Gebäude. Damit soll Beton endlich auch richtig sportlich werden.
TEXT Fabian Hoberg
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