Monterey Car Week 2025. Ein Fest für Autos.

Die Stimmung in der Autoindustrie ist verhalten – das gilt auch in den USA. Wer genau hinschaut, spürt dies mittlerweile selbst auf der Monterey Car Week, dem Höhepunkt des automobilen Jahres. Die mehr als 100.000 Fans sind begeistert und jeder Hersteller, der etwas auf sich hält, trommelt hier so laut er kann. Da kann keine Automesse mithalten.

Eine Veranstaltung wie an der amerikanischen Pazifikküste wünscht sich die Autowelt auch in Europa. Nirgendwo ist die Stimmung besser, die Szene bunter und die Lust am Automobil größer. Jedes Jahr zieht die Monterey Car Week in der dritten Augustwoche mehr als hunderttausend Fans aus aller Welt an die Westküste der USA und lässt die ansonsten beschauliche Region rund um die Luxusenklave Pebble Beach aus allen Nähten platzen.

Luxusevent The Quail 2

Eine knappe Woche lang donnern Autoliebhaber mit ihren getunten Supersportwagen von Lamborghini, Porsche, Ferrari, Koenigsegg, Bugatti, Aston Martin, McLaren oder Corvette über den 17-Mile-Drive, die Cannery Row oder den Cabrillo Highway, um sich zusammen mit ihrem Traummobil höchst standesgemäß in Szene zu setzen.

So kommen alle auf ihre Kosten: Die Oldtimerfans feiern sich bei zahllosen Events ebenso wie die Mitglieder unzähliger Supercar-Clubs. Nirgendwo auf der Welt können Carspotter mehr individualisierte Einzelstücke, Hypercars und exklusivste Klassiker bestaunen. Rimac Nevera, Lamborghini Revuelto, Ferrari 250 GTO, Porsche Carrera GT, Mercedes SL Flügeltürer oder Bentley Blower – all diese millionenschweren Traummobile gehören hier ein paar Tage lang zum normalen Straßenbild.

Carspotter an Hotels 3

Entsprechend viele Autoliebhaber drängen sich entlang der überfüllten Zufahrtsstraßen, insbesondere vor den einschlägigen Hotels, um die oft millionenteuren Fahrzeuge zu bestaunen. Fans deutscher Automobilkunst treffen sich bei Legends of the Autobahn, Italo-Anhänger pilgern zwei Tage lang zum Concorso Italiano, und wer mit einer echten Rostlaube unterwegs ist, macht einen Abstecher zur Kultveranstaltung Concours de Lemons in Seaside. Dazu kommen Exotics on Broadway oder zahllose Fantreffen im Valley.

Peter ist mit seinem Mercedes 380 SEL von 1981 aus Austin nach Pacific Grove gekommen – wie jedes Jahr: „Diese Stimmung hier ist einzigartig. So viele verschiedene Events gibt es sonst nirgends“, strahlt der 34-jährige Texaner, der aus Kostengründen 20 Meilen weiter im Landesinneren in einem Motel wohnt – für stolze 200 Dollar die Nacht. Die schicken Hotels verlangen oftmals 1.000 Dollar oder mehr.

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Dodi Autosales

Die Stimmung ist ausgelassen, und es ist voller als in den Jahren zuvor. Schon lange vor dem eigentlichen Wochenende quellen die Straßen im Dreieck zwischen Big Sur, Monterey und der spektakulären Rennstrecke Laguna Seca aus allen Nähten. Fleißige Helfer, lokale Ordnungsbehörden und ein fein abgestimmter Kalender können nicht verhindern, dass tagsüber oft nichts mehr geht.

Besonders beliebt sind die sogenannten Pinnacle Events wie The Quail oder das historische Hochamt des Concours d’Elegance auf der 18. Bahn des Golfplatzes von Pebble Beach am Abschlusstag, wo Klassiker neben neuen Modellen in Szene gesetzt werden. Doch die steigende Zahl der Besucher, strahlende Gesichter bei Nachwuchs- wie Alt-Fans sind nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Europäische Premiummarken, insbesondere deutsche Hersteller, sind bei der Monterey Car Week und speziell den Luxusevents von Pebble Beach meist kaum vertreten.

Lamborghini The Quail

Ganz anders Lamborghini: In The Quail enthüllten die Italiener mit dem Fenomeno ein über drei Millionen Euro teures Kleinserienmodell. „Die Monterey Car Week und der Event von The Quail sind für uns der perfekte Platz, um unsere Neuheiten zu präsentieren“, erläutert Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann. „Hier passen Umfeld, Wetter, Markt und Klientel wie nirgends sonst auf der Welt.“

Die Zurückhaltung vieler Marken aus Deutschland, England oder Südkorea nutzen nicht nur Kleinserienhersteller wie Czinger, Singer, Pagani, Bovensiepen, Ruf oder Meiers Manx. Auch Lexus, Honda, Bentley oder Cadillac setzen sich hier in Szene und sonnen sich im warmen Licht zwischen Putting Greens und Versteigerungsarealen.

RM Sotheby’s, Mecum oder Gooding kämpfen ebenfalls mit einem sich stark verändernden Markt. Viele historische Modelle – insbesondere aus der Vorkriegszeit oder den 1950er- und 1960er-Jahren – tun sich beim jünger werdenden Publikum schwer. Stattdessen erzielen junge Klassiker wie Lancia Delta, Porsche 959 oder limitierte Ferrari-Modelle Rekordpreise. Und wer bei den Versteigerungen überboten wird, schaut beim Kultautohändler Dodi an der Del Monte Avenue in Monterey vorbei, lässt sich dort den historischen Porsche ein paar Tage später nach Hause liefern oder wird auf den zahllosen Parkplätzen fündig, wo viele ihr Fahrzeug per Fensterinserat anbieten.

TEXT Stefan Grundhoff

LESENSWERT.

WALTER Magazin.