Im November 1984 lüftet Mercedes den Schleier über der neuen Baureihe 124, erst neun Jahre später krönt man diese mit einem Cabrio, der fünften Karosserievariante. Obwohl man mit dem Coupé eine gute Ausgangsbasis hatte, erforderte die Verwandlung zu einem offenen Viersitzer hohen konstruktiven Aufwand. Zur Versteifung der Karosserie mussten rund 1.000 Teile neu konstruiert werden.
Für nahezu alle tragenden Teile wurde dickeres bzw. hochfestes Stahlblech verwendet. Sämtliche hochbelasteten Stellen wurden mit zusätzlichen Verstärkungen in Form von Dopplern, Knotenblechen oder Streben versehen. Als besonders wirkungsvoll erwiesen sich die bereits vom SL bekannten Diagonalstreben, die die vier Ecken des Karosseriebodens mit dem Motorquerträger und der Reserveradmulde verspannen. Mehr als 130 kg zusätzliches Blech waren erforderlich, um die fehlenden 28 kg des Coupé-Dachs zu kompensieren und die gewünschte Verwindungssteifigkeit zu erreichen.
Damit der Komfortgedanke auch bei diesem Mercedes nicht zu kurz kommt, verbaute man vier Schwingungstilger, die im linken Dämpferbein, im Dachrahmen und in den seitlichen Kofferraummulden angebracht waren und das Fahrzeuggewicht nochmals um 26 kg erhöhten.
Für den Fall eines Überschlags wurden besondere Vorkehrungsmaßnahmen getroffen werden. Um das Fehlen des seitlichen Dachrahmens weitgehend zu kompensieren, waren die A-Säulen im knickgefährdeten Bereich mit innenliegenden Profilblechen zu einer stabilen Einheit verschweißt.
Ein automatischer Überrollbügel wie im zweisitzigen SL war für das Cabriolet nicht verwendbar: Beim automatischen Aufstellen des Drehbügels hätte es für die Fondpassagiere zu unerwünschtem Kopfkontakt kommen können. Daraufhin wurde ein hinter den Fondsitzen angeordneter Linearbügel entwickelt, der bei einem drohenden Überschlag innerhalb von 0,3 Sekunden nahezu senkrecht nach oben fuhr und gleichzeitig als Kopfstütze für die Fondpassagiere diente. Zu diesem Zweck konnte der Überrollschutz auch manuell ausgefahren und wieder abgelegt werden.
Das voll versenkbare Verdeck besaß eine große heizbare Heckscheibe aus Sicherheitsglas und besaß als Sonderausstattung eine elektrohydraulische Betätigung, die bei 180 bar Bedriebsdruck mit sechs kompakten Hydraulikzylindern arbeitete; die Hydraulikeinheit war dabei in der rechten Kofferraummulde untergebracht. Zehn Ventile und zwölf elektrische Endschalter kontrollierten den fehlerfreien Ablauf der drei Schwenkbewegungen sowie das korrekte Einrasten der verschiedenen Verschlüsse und überwachten den „Verriegelt-Zustand“ während der Fahrt.
Die Serienfertigung des Cabriolet lief erst im März 1992, sechs Monate nach seiner Präsentation, im Werk Sindelfingen an. Es wurde für ein voller Erfolg und blieb als letzte Karosserievariante der Baureihe 124 sogar noch bis Juli 1997 in Produktion. Insgesamt wurden 33.952 Exemplare gefertigt, davon 15.380 mit Vierzylinder- und 18.572 mit Sechszylindermotor.
FOTOS Mercedes Benz AG