GAC Hyptec SSR. Der chinesische Hypersportler.

Der Hypersportler GAC Hyptec SSR prügelt mit 1.224 PS auf den Asphalt ein und lässt mit einer Beschleunigung von null auf in 1,9 Sekunden die Konkurrenz alt aussehen. Wir haben uns hinter das Steuer der chinesischen E-Flunder geschwungen und den Power-Wahnsinn erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Vor uns eine lange Gerade und eine großartige Startprozedur ist nicht nötig. Ein Tritt auf das Bremspedal schaltet die E-Flunder scharf. Rauf aufs Gas und sofort geht das Spektakel los. Kurz ringen die mächtigen 305er-20-Zöller an der Hinterachse um Grip, das Heck zuckt und schon stürmt die E-Flunder mit der brachialen Urgewalt der 1.224 PS los. Die Wucht der Beschleunigung presst uns in die Schalensitze. In Nullkommanichts sind die 100 km/h erreicht, doch die wilde Hatz geht immer weiter – untermalt vom künstlich generierten und ebenso klingenden Motorengeräusch, das nicht zum Spektakel passt.

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Drei selbst entwickelte Elektromotoren bilden ein dynamisches Dreieck: einer an der Vorderachse mit 435 PS und zwei an der Hinterachse mit jeweils 394 PS. Die kompakten und leichten E-Maschinen (15 Prozent weniger Bauraum und um 20 Prozent geringeres Gewicht als konventionelle Elektromotoren) haben eine Leistungsdichte, von 10,5 kW/kg. Der maximale Wirkungsgrad des Antriebs liegt bei 94,5 Prozent und zwei Gänge ermöglichen eine Beschleunigung ohne Atemnot bei höheren Geschwindigkeiten. Das ist auch nötig, denn der chinesische E-Bolide erreicht 300 km/h.

Wir können uns nicht lange mit diesen technischen Feinheiten aufhalten. Denn eine Linkskurve setzt dem Vortrieb ein Ende. Wir steigen in die Eisen und die Bremsen packen unerbittlich zu. Einmal ist bei einem Kraftpaket, das fast zwei Tonnen wiegt und von 300 km/h verzögert werden muss, nicht genug. Damit die Bremsscheiben standfest sind, setzen die Techniker auf die Langfaser-Keramik-Technologie aus der Luft- und Raumfahrt. 

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Wir knüppeln den Hyptec SSR (Super, Sport, Race) auf 50 km/h herunter und lenken ein. Der sechseckige Volant ist mit Alcantara bezogen und liegt erstaunlich gut in der Hand. Beim Durcheilen der Kurve ist ein sensibler Gasfuß gefragt, wer die Leistung zu radikal abruft, wird durch die Regelsysteme eingefangen. Also progressiv aus dem Scheitelpunkt herausbeschleunigen und schon zieht der SSR sauber seine Bahn. Adaptive Dämpfer helfen bei der Traktion.

Die Karosseriehülle besteht aus Carbon, beim Rohbau des Rennwagens setzen die Techniker auf Aluminium und hochfeste Stähle. Klingt nach konsequentem Leichtbau. Dennoch wiegt der Hyptec SSR 1.9 Tonnen. Ziemlich stattlich für einen Supersportler. Die Chinesen können eben nicht aus ihrer Haut: Lederbezüge und Komfort-Ausstattung bringen Gewicht ins Auto. Rund 500 Kilogramm gehen auf das Konto der Batterie, die eine Kapazität von 74.69 Kilowattstunden hat. Damit kommt der Hyptec SSR nach dem chinesischen Fahrzyklus CLTC bis zu 506 Kilometer weit, umgerechnet auf das europäische Messverfahren WLTP sind es rund 415 Kilometer. Dass ein solcher Über-Sportler kein Reichweitenjäger ist, liegt auf der Hand.

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Damit der Hyptec SSR auch alltagstauglich ist, haben die Ingenieure einiges an Technik und Assistenzsystemen in das Auto gepackt. Das Cockpit unterscheidet sich nicht großartig von dem der zahmen Artgenossen des GAC-Konzerns. Der zentrale Touchscreen misst 14,6 Zoll und das rechteckige digitale Instrumentenanzeige 8,88 Zoll. Auch eine Bedienung per Sprachbefehle ist möglich. Gut, schließlich sollte man bei diesem Gerät tunlichst die Hände am Lenkrad lassen. Die Fernbedienung erfolgt Tesla-mäßig über Drehknöpfe und in den Lenkradspeichen, aktiviert man Helfer wie den Tempomaten. beim Rangieren hilft eine Rückfahrkamera. Der Rückspiegel ist ebenfalls digital, aber den braucht man in einem solchen Auto selten. Ein Schnäppchen ist der Hyptec SSR mit einem Preis von 170.000 Euro nicht. 

TEXT Wolfgang Gomoll

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