Ausgangspunkt der Zusammenarbeit war ausgerechnet eine Uhr. Louis Vuitton sollte zunächst lediglich eine spezielle Cockpituhr für einen von Singer restaurierten Porsche entwickeln. Daraus entstand ein deutlich größeres Projekt: Am Ende wurden zwei Fahrzeuge in nahezu allen sicht- und fühlbaren Details gemeinsam gestaltet.
Das erste Auto basiert auf Singers Classic-Service und damit auf einem Porsche 964 Coupé. Die Carbonkarosserie trägt eine auffällige Kombination aus Safran, Kobaltblau und Gelb. Auf dem Dach sitzt ein eigens entwickelter Gepäckträger, der Koffer, Skier oder ein Surfboard aufnehmen kann. Letzteres wurde ebenfalls von Louis Vuitton gestaltet und aus Eiche und Walnuss gefertigt.
Im Heck arbeitet ein luftgekühlter Vierliter-Sechszylinder-Saugmotor, kombiniert mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe und Hinterradantrieb. Gebremst wird mit Carbon-Keramik.
Louis Vuitton bis ins Kombiinstrument
Die Individualisierung geht deutlich weiter als bei klassischen Sondermodellen. Louis Vuitton und Singer haben sogar Drehzahlmesser, Tachometer und Zusatzinstrumente neu gestaltet. Ihre Grafik orientiert sich an der Tambour-Uhrenlinie des französischen Hauses.
Zentrales Detail ist eine mechanische Uhr, die aus dem Armaturenbrett herausgenommen und als Tischuhr verwendet werden kann. Entworfen und gebaut wurde sie von La Fabrique du Temps Louis Vuitton in der Schweiz. Nach Angaben der Beteiligten dauerte allein die Anpassung der Instrumente rund ein Jahr.
Auch im Innenraum dominiert Louis Vuitton. Naturfarbenes Leder, gelbe Kontrastnähte und blau abgesetzte Elemente greifen die äußere Farbgebung auf. Die Sitzflächen tragen ein geprägtes Rautenmuster, das an das Innenleben klassischer Louis-Vuitton-Reisekoffer erinnert. Kunststoffteile wurden weitgehend durch Metall ersetzt, Schalter, Lüftungsdüsen und Bedienelemente aufwendig bearbeitet und teilweise rhodiniert.
Passend zum Auto entstand außerdem eine komplette Gepäckkollektion. Darunter befinden sich Koffer für den vorderen Gepäckraum, ein Helmbehälter, Reisetaschen und weiteres Zubehör. Selbst die Fahrzeugschlüssel erhielten eigene Etuis.
Das Cabriolet mit Holzdeck
Das zweite Fahrzeug geht in eine völlig andere Richtung. Der Porsche 911 Reimagined by Singer – Classic Turbo basiert auf einem 964 Cabriolet und wurde unter Beteiligung von Nicolas Ghesquière, dem Artistic Director der Damenkollektionen von Louis Vuitton, gestaltet.
Die Karosserie ist in „Calcaire Lutétien“ lackiert, einem warmen Weißton, der sich auf den Pariser Kalkstein bezieht. Dazu kommen goldfarbene Details, hellbraunes Leder und zahlreiche Holzelemente.
Besonders auffällig ist der Bereich hinter den Sitzen. Dort befindet sich ein mit Holz belegter Gepäckraum, dessen Gestaltung an klassische Runabouts und Motorboote erinnert. Holz findet sich auch an Stoßfängern, im vorderen Kofferraum und im Motorraum wieder.
Die Cockpituhr sitzt beim Cabriolet nicht im Instrumententräger, sondern zentral in der Mittelkonsole. Auch hier wurden Anzeigen, Schalter und Bedienelemente eigens gestaltet. Die Lederverkleidung des Schalthebels nimmt dabei die Form der Louis-Vuitton-Tasche Noé auf.
Technisch basiert das Cabriolet auf Singers Classic-Turbo-Service. Der 3,8-Liter-Sechszylinder arbeitet mit zwei Turboladern und Luft-Wasser-Ladeluftkühlung. Dazu kommen Sechsgang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb, wählbare Fahrprogramme und Carbon-Keramik-Bremsen.
Mehr als nur zwei Sondermodelle
Für beide Fahrzeuge wurden zusätzlich Kleidung, Helme, Handschuhe, Taschen und Gepäckstücke entwickelt. Louis Vuitton greift damit auf eine lange Tradition zurück. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts fertigte das Unternehmen Gepäck für Automobile, später entstanden spezielle Koffersätze für verschiedene Hersteller und Karosseriebauer.
Bemerkenswert ist die Zusammenarbeit vor allem deshalb, weil beide Marken normalerweise sehr stark auf ihre eigene Handschrift achten. Singer verändert klassische Porsche 911 mit beträchtlichem technischem Aufwand, Louis Vuitton wiederum überträgt seine Gestaltungswelt konsequent auf Materialien, Oberflächen und Reisegepäck.
Die beiden Autos sind daher weniger klassische Sondermodelle als gemeinsame Designprojekte. Das Coupé bleibt optisch näher an der gewohnten Singer-Welt, während das Turbo Cabriolet mit Holz, Weiß und Gold deutlich weiter davon abrückt.
Beide Fahrzeuge werden im Rahmen der Monterey Car Week gezeigt.