Als Citroën 1948 den ersten 2CV präsentierte, war sein Auftrag denkbar einfach: vier Personen und 50 Kilogramm Kartoffeln transportieren, möglichst wenig verbrauchen und auch auf schlechten Straßen funktionieren. Das Ergebnis wurde zu einem der bekanntesten Autos Frankreichs. Mehr als fünf Millionen Exemplare entstanden bis 1990, obwohl die Ente weder schnell noch besonders luxuriös war. Vielleicht war gerade das ihr Erfolgsrezept.
78 Jahre nach der Premiere wagt Citroën nun einen neuen Anlauf. Das 2CV Concept greift die vertraute Silhouette auf, verbindet sie mit einem elektrischen Antrieb und stellt eine Frage, die sich die Automobilindustrie wieder häufiger stellen könnte: Wie viel Auto braucht man eigentlich?
Kleiner als das Original
Mit 3,76 Metern Länge ist die Studie sogar neun Zentimeter kürzer als die historische Ente. Auch beim Gewicht setzt Citroën ein vergleichsweise bescheidenes Ziel. Rund 1.000 Kilogramm soll das künftige Fahrzeug auf die Waage bringen. Das würde eine kleinere Batterie ermöglichen, den Energieverbrauch reduzieren und vor allem die Kosten begrenzen.
Konkrete Angaben zur Motorleistung, Batteriekapazität und Reichweite gibt es allerdings noch nicht. Citroën positioniert das geplante Serienmodell zwischen dem kleinen Ami und dem C3. Produziert werden soll es in Europa und die künftigen europäischen Vorschriften für besonders kompakte Elektroautos erfüllen.
Optisch hat die Neuauflage wenig Mühe, ihre Verwandtschaft zu erklären. Die freistehenden Rundscheinwerfer, die steile Windschutzscheibe, die geschwungene Dachlinie und die kräftig ausgeformten Kotflügel erinnern unmittelbar an den historischen 2CV. Auch die sichtbaren Scheibenwischer und die Lufteinlässe unterhalb der Frontscheibe gehören zu den Zitaten aus der Vergangenheit.
Die Designer haben die Flächen allerdings gestrafft und die Karosserie deutlich moderner gezeichnet. Das Heck trägt eine große schwarze Klappe, LED-Rückleuchten und ein digitales Kennzeichen, auf dem verschiedene internationale Spitznamen der Ente erscheinen können. Gefahren wird auf 18 Zoll großen Stahlrädern, deren Gestaltung ebenfalls an das Original erinnert.
Einfach zu bauen, einfach zu reparieren
Interessanter als manche Retro-Spielerei sind die konstruktiven Überlegungen. Citroën setzt auf möglichst einfache Karosserieformen und separat montierte Stoßfänger, die bei Beschädigungen einzeln ausgetauscht werden können. Das soll Fertigung und Reparaturen günstiger machen.
Auch beim Materialeinsatz geht es um niedrige Kosten und geringes Gewicht. Recycelte und wiederverwertbare Werkstoffe sollen eine größere Rolle spielen. Gemeinsam mit Michelin entwickelte Citroën außerdem ein System, das anhand vorhandener Fahrzeugdaten unter anderem Reifenverschleiß, Luftdruck und Haftungsverhältnisse überwachen kann, ohne zusätzliche Sensoren im Reifen zu benötigen.
Das klingt erfreulich vernünftig. Denn ein günstiges Elektroauto wird nicht dadurch besser, dass man ihm möglichst viele Funktionen einbaut, die später teuer repariert werden müssen.
Sitzbank raus, Picknick rein
Noch deutlicher wird die Nähe zur alten Ente im Innenraum. Ein klassisches Armaturenbrett fehlt weitgehend. Stattdessen nimmt ein quer verlaufender zylindrischer Träger das Einspeichenlenkrad, Bedienelemente und einen quadratischen 8-Zoll-Bildschirm auf. Drei echte Drehregler sind unter anderem für Temperatur, Lautstärke und Gebläse vorgesehen. Die wichtigsten Fahrinformationen erscheinen in einer Projektion im Blickfeld des Fahrers.
Vorn und hinten sitzen jeweils zwei Personen auf breiten Sitzbänken. Die vordere lässt sich nach dem Vorbild des Originals sogar herausnehmen und außerhalb des Autos verwenden. Flexible Gurtschlaufen dienen als Türöffner, herausnehmbare Körbe ersetzen einige der üblichen Ablagefächer. Dazu kommt ein von Hand aufrollbares Stoffdach, das sich über einen großen Teil der Dachfläche erstreckt.
Bei den Farben haben sich die Designer weniger zurückgehalten. Orange mit gelben und roten Reflexen bestimmt die Karosserie, innen treffen gelb karierte Sitzbezüge auf beige Elemente, Holz und geflochten wirkende Stoffe. Das herausnehmbare Radio trägt den Namen „Radioën“ und funktioniert auch außerhalb des Fahrzeugs als Lautsprecher.
Selbst die kleinen Scherze der historischen Ente sind wieder da. Auf den Pedalen sitzen Symbole von Schildkröte und Hase, die Hupe erinnert klanglich an das Original. Und die Türablagen wurden ausdrücklich so gestaltet, dass man darin Eier transportieren kann. Citroën nimmt damit Bezug auf das alte Lastenheft, nach dem die Ente auch über schlechte Feldwege fahren können sollte, ohne ihre empfindliche Ladung zu beschädigen.
Serienmodell bis 2028 geplant
Bei aller Liebe zum Detail bleibt das 2CV Concept zunächst eine Studie. Gerade die herausnehmbaren Sitzbänke, das ungewöhnliche Cockpit und einige der verspielten Ausstattungsmerkmale dürften vor einer Serienfertigung noch auf ihre Alltagstauglichkeit und Zulassungsfähigkeit geprüft werden müssen.
Citroën kündigt allerdings bereits ein entsprechendes Serienmodell bis 2028 an. Der angepeilte Einstiegspreis liegt bei rund 15.000 Euro. Damit könnte die Ente wieder jene Rolle übernehmen, die ihr schon 1948 zugedacht war: möglichst vielen Menschen ein bezahlbares Auto zu bieten.