Alfa Romeo hat in seiner Geschichte einige ausgesprochen schöne Autos gebaut. Die Erwartungen an eine Studie, die den künftigen Stil der Marke vorgeben soll, sind entsprechend hoch. Mit dem Cuorerosso, italienisch für „Rotes Herz“, versucht das Centro Stile nun, vertraute Merkmale in eine neue Form zu bringen. Eine konkrete Serienversion kündigt Alfa Romeo damit ausdrücklich nicht an.
Die Designer begannen ihre Arbeit mit einem massiven dreidimensionalen Grundkörper, zunächst ohne Räder, Scheinwerfer oder Fenster. Erst anschließend wurden die Flächen und Proportionen herausgearbeitet. Das Ergebnis ist eine flache, weitgehend fugenlos wirkende Karosserie mit fließenden Übergängen und auffallend wenigen Zierlinien. Alfa Romeo nennt die zugrunde liegende Gestaltungsphilosophie „Bellezza Necessaria“, die Schönheit des Notwendigen. Überflüssige Elemente sollen verschwinden, technische Funktionen die Form bestimmen.
Eine Lackierung zwischen Rot und Schwarz
Besonders auffällig ist die Lackierung in Liquid Ink Red. Über einer feinen Aluminiumbasis liegt eine transparente rote Farbschicht, die dem Lack eine ungewöhnliche Tiefe gibt. Je nach Lichteinfall wechselt die Wirkung zwischen intensivem Rot, dunklem Metallic und beinahe Schwarz. Die geschmiedeten Leichtmetallräder greifen das klassische Telefonwählscheiben-Design von Alfa Romeo auf. Quadrifoglio-Embleme erinnern an die sportlichen Modelle der Marke.
Auch das Cockpit orientiert sich stärker an der eigenen Geschichte als an aktuellen Bildschirmmoden. Die schmale Armaturentafel erinnert an den 33 Stradale, das digitale Instrument interpretiert die traditionellen Alfa-Rundanzeigen neu. Zwei Darstellungen stehen zur Wahl: „Immersivo“ zeigt zwei getrennte Instrumente, „Concentrato“ fasst die Informationen zu einer zentralen Anzeige zusammen.
Die Bedienung kombiniert Steer-by-Wire mit einem neu gestalteten Dreispeichenlenkrad und einer Mittelkonsole, auf der klassische Drehregler und Kippschalter neben einem Touchscreen sitzen. Alfa Romeo nennt diese Einheit „Magma-Display“. Bei Aktivierung leuchtet darunter eine rote, an flüssige Lava erinnernde Struktur auf. Ein wenig Theater gehört bei einem italienischen Konzeptauto offenbar dazu.
Vier Plätze und ungewöhnliche Materialien
Der Innenraum bietet Platz für vier Personen. Eine lange Mittelkonsole trennt die Sitzplätze, die Türen öffnen sich nach hinten. Beim Materialmix setzt Alfa Romeo auf Nubukleder von Poltrona Frau, Metalle in Titan- und Anthrazittönen sowie recycelte Kohlefaser. Ein Teil der Lederflächen besteht zu 60 Prozent aus Reststoffen der Polsterlederverarbeitung.
Ungewöhnlich ist auch der Stoff auf der Armaturentafel. Das leichte, transparente Monofilamentmaterial stammt aus der Zusammenarbeit mit Luna Rossa, dem italienischen Segelteam des America’s Cup. Auf der Beifahrerseite sitzt zudem eine herausnehmbare Tasche, die zugleich Teil der Innenraumgestaltung ist.
V6-Hybrid statt reiner Elektrostrategie
Technisch ist das Cuorerosso Concept vor allem ein Ausblick auf die künftige Antriebsstrategie von Alfa Romeo. Die zugrunde liegende Plattform soll Fahrzeuge bis etwa 4,70 Meter Länge ermöglichen und sowohl Elektroantriebe als auch verschiedene Hybridkonzepte aufnehmen können. Dazu zählen Mildhybride, Vollhybride und Plug-in-Hybride.
Besonders interessant ist eine mögliche Konfiguration mit 2,9-Liter-V6, Vollhybridtechnik, Q4-Allradantrieb und einer Kardanwelle aus Carbon. Alfa Romeo nennt diese Kombination ausdrücklich als denkbare Lösung, bestätigt damit aber noch kein Serienmodell. Für die Alfisti dürfte allein die Aussicht auf einen künftigen Sechszylinder eine erfreuliche Nachricht sein.
Zur weiteren Technik der Studie gehören ein Luftfahrwerk, eine Keramikbremsanlage von Brembo und eine elektronische Lenkung ohne mechanische Verbindung zu den Vorderrädern. Konkrete Leistungsdaten, Fahrleistungen oder eine Batteriegröße veröffentlicht Alfa Romeo nicht.
Das Cuorerosso Concept feiert seine öffentliche Premiere auf dem Pariser Autosalon vom 12. bis 18. Oktober 2026. Ob und wann aus einzelnen Ideen ein Serienfahrzeug entsteht, lässt Alfa Romeo offen.