Hinter dem etwas bemühten Titel „Sportwagenschmiede ’35“ steckt vor allem eine wirtschaftliche Kurskorrektur. Porsche will sich stärker vom Volumen lösen und pro verkauftem Auto mehr verdienen. Das Prinzip „Value over Volume“ bleibt bestehen, wird aber deutlich konsequenter ausgelegt.
Dazu soll das Modellprogramm gestrafft werden. Porsche plant mittelfristig rund 20 Prozent weniger Varianten, gleichzeitig soll der Absatz pro verbleibender Variante um etwa 30 Prozent steigen. Weniger Auswahl muss bei Porsche also nicht weniger Geschäft bedeuten. Eher im Gegenteil.
Besonders wichtig werden künftig die höher positionierten D- und E-Segmente. Ihr Anteil am Portfolio soll um rund 45 Prozent steigen. Porsche will damit gezielt dort wachsen, wo sich hohe Preise und Margen besser durchsetzen lassen.
718 kommt elektrisch
Konkret bestätigt Porsche die vollelektrischen Nachfolger von 718 Boxster und Cayman. Sie sollen 2028 ihr erstes volles Produktionsjahr erreichen und damit wieder einen echten Einstiegssportwagen unterhalb des 911 bieten.
Ebenfalls 2028 soll ein neues SUV im B-Segment vorgestellt werden. Anders als der aktuelle elektrische Macan bekommt dieses Modell Verbrenner- und Plug-in-Hybridantriebe und wird parallel angeboten. Für 2029 rechnet Porsche bereits mit einem spürbaren Beitrag zu Umsatz und Ergebnis.
Dabei bleibt es nicht. Porsche prüft zusätzlich ein größeres SUV oberhalb des Cayenne und will seine Präsenz in besonders profitablen Segmenten ausbauen. Bis 2030 soll jedes Jahr mindestens ein neues, markenprägendes Produkt erscheinen.
Supersportwagen oberhalb des 911
Interessanter für Sportwagenfans ist ein anderer Punkt: Porsche arbeitet an einer möglichen neuen Mittelmotor-Plattform für einen Supersportwagen oberhalb des 911. Einen ersten konkreteren Ausblick will das Unternehmen am 15. Oktober geben.
Damit würde Porsche erstmals seit dem 918 Spyder wieder ernsthaft über ein Modell sprechen, das den 911 nicht nur bei Leistung und Preis, sondern auch innerhalb der Hierarchie der Marke überragt.
Parallel soll auch die 911-Familie mit weiteren besonders exklusiven Derivaten wachsen. In welche Richtung das geht, lässt sich an den vergangenen Jahren bereits erkennen: limitierte Serien, Sondermodelle und aufwendige Individualisierungen werden für Porsche zunehmend wichtiger.
Sonderwunsch soll deutlich wachsen
Besonders kräftig ausgebaut wird das Geschäft mit der Individualisierung. Porsche will den Umsatz des Sonderwunsch-Programms mittelfristig versechsfachen. Auch Manthey wird stärker eingebunden; Porsche hat seinen Anteil am Nürburgring-Spezialisten auf 67 Prozent erhöht. Neben Performance-Kits und Fahrerlebnissen sollen daraus künftig auch komplette Kleinserien entstehen.
Bei den Spitzenmodellen strebt Porsche mittelfristig einen um rund 20 Prozent höheren durchschnittlichen Verkaufspreis an. Dafür soll allerdings auch mehr geboten werden. Teurer allein wäre schließlich noch keine Strategie.
Verbrenner bleiben
Auch beim Antrieb rückt Porsche von einer einseitigen Elektrifizierung ab. Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektroautos sollen parallel weiterentwickelt werden. Investiert wird sowohl in neue Batterie-Technik als auch in Verbrennungs- und Hybridantriebe.
Gleichzeitig verstärkt Porsche die Zusammenarbeit mit Audi. Künftige Modelle sollen stärker auf gemeinsamen PPE- und PPC-Plattformen aufbauen, während Porsche die markenspezifische Abstimmung und Technik selbst verantwortet.
Weniger Kosten, weniger Personal
Der Umbau betrifft allerdings nicht nur die Modellpalette. Porsche will seine Gewinnschwelle auf weniger als 200.000 verkaufte Fahrzeuge senken und das Unternehmen deutlich schlanker machen.
Geplant sind unter anderem rund 20 Prozent niedrigere Entwicklungskosten für neue Baureihen, zehn Prozent geringere Materialkosten und 20 Prozent weniger Vertriebsaufwand. Die Zahl der Managementpositionen soll mittelfristig um 40 Prozent sinken. Insgesamt will Porsche die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich mittelfristig um rund 25 Prozent reduzieren.
Bereits vereinbart ist der sozialverträgliche Abbau von rund 9.000 Stellen. Gleichzeitig gilt für die Stammbelegschaft eine Standortsicherung bis 2035.
Die Richtung ist damit ziemlich eindeutig: Porsche will künftig weniger Autos verkaufen müssen, um gutes Geld zu verdienen. Dafür sollen die Autos exklusiver, teurer und stärker individualisierbar werden.