Der Name knüpft an die Studie Nuvolari quattro von 2003 an, die damals einen Ausblick auf das spätere Audi A5 Coupé gab. Vor allem erinnert er aber an Tazio Nuvolari. Der 1892 in Mantua geborene Italiener gehörte zu den erfolgreichsten Rennfahrern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1933 gewann er die 24 Stunden von Le Mans, später fuhr er unter anderem für die Auto Union. Bekannt war er für seinen spektakulären Fahrstil und den gelben Pullover, den er bei vielen Rennen trug.
Die deutsch-italienische Verbindung setzt sich bei der Produktion fort. Während der frühere R8 weitgehend in den Böllinger Höfen bei Heilbronn entstand, verteilt Audi die Fertigung des Nuvolari auf mehrere Standorte. Die Rohkarosserie wird in Neckarsulm hergestellt, Chassis und Antrieb kommen von Lamborghini aus Italien. Teile der Carbonstruktur entstehen bei Lamborghini und externen Spezialisten.
Dass Audi auf ein gemeinsames Produktionsnetzwerk setzt, hat wirtschaftliche Gründe. Bei nur 499 Fahrzeugen wäre eine vollständig eigene Fertigung kaum sinnvoll gewesen. Hinzu kommt die kurze Entwicklungszeit von rund 18 Monaten. Audi greift deshalb auf bestehende Technik, Produktionsanlagen und Entwicklungskapazitäten innerhalb der Markengruppe zurück.
Technische Grundlage ist der Lamborghini Temerario. Dessen vier Liter großer V8-Biturbo wird beim Nuvolari ebenfalls mit elektrischer Unterstützung kombiniert. Zwei Axialflussmotoren und eine Batterie mit 7,3 kWh Kapazität gehören zum Antriebssystem. Die Gesamtleistung steigt auf 1.001 PS, die Höchstgeschwindigkeit soll oberhalb von 350 km/h liegen.
Damit positioniert Audi den Nuvolari deutlich oberhalb des Temerario. Der Preis beginnt bei 590.000 Euro und liegt damit mehr als 50 Prozent über dem des Lamborghini. Dafür erhalten die Käufer mehr Leistung, eine eigenständige Karosserie und eine deutlich kleinere Stückzahl.
Beim Aufbau kombiniert Audi den bekannten Space Frame mit großflächigen Bauteilen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Nahezu die gesamte Außenhaut besteht aus Carbon. So soll ein Teil des Mehrgewichts ausgeglichen werden, das durch Elektromotoren, Batterie und Hybridtechnik entsteht.
Die Carbonbauteile werden überwiegend im Prepreg-Autoklav-Verfahren hergestellt. Dabei werden vorimprägnierte Fasermatten von Hand in Formen gelegt und anschließend unter Druck und hoher Temperatur ausgehärtet. Das Verfahren ist aufwendig, erlaubt aber leichte und zugleich belastbare Strukturen.
Einige Bauteile übernehmen zusätzlich aerodynamische Aufgaben. Vertikale Elemente im Vorderwagen führen die Luft gezielt durch die Karosserie, andere Komponenten verbinden Verkleidung, Kühlung und Abtrieb. Nach Angaben von Audi floss dabei auch Erfahrung aus dem eigenen Formel-1-Projekt ein.
Höchste Geheimhaltungsstufe
Der Nuvolari entstand in einem abgeschirmten Bereich des Audi-Designzentrums in Ingolstadt. Nur ein kleiner Teil der Belegschaft war in das Projekt eingebunden. Unterstützung kam durch Rouven Mohr, der im März 2026 den Vorstandsposten für Technische Entwicklung übernahm. Zuvor war er bei Lamborghini tätig und kannte die technische Basis des Temerario entsprechend gut.
„Der Nuvolari ist der erste Supersportwagen mit High-Performance-Hybridantrieb von Audi und definiert mit seiner Aerodynamik und der Weltneuheit quattro predictive ride neue Maßstäbe“, sagt Mohr. Was sich hinter dem neuen Fahrwerkssystem konkret verbirgt, hat Audi bislang allerdings nicht im Detail erklärt.
Der Produktionsstart ist für Ende 2026 vorgesehen, die ersten Fahrzeuge sollen Anfang 2027 ausgeliefert werden. Der Nuvolari tritt damit nicht als direkter Nachfolger des R8 an. Dafür ist er zu teuer, zu selten und technisch zu eng mit Lamborghini verbunden. Er zeigt aber, dass Audi den Sportwagen noch nicht vollständig aufgegeben hat.