VW Amarok Red Rok. Wild Thing.

Im Gegensatz zu den USA oder Asien spielen Pick Ups in Europa nur eine Nebenrolle. Doch die Fangemeinde wird seit Jahren immer größer. Viele träumen dabei von den mächtigen US-Vorbildern im Full-Size-Format. Doch auffallen kann man auch mit einem Einzelstück wie dem VW Amarok Red Rok.

Der VW Amarok ist einer der bekanntesten Pick Ups in Europa. Anders als die Konkurrenz setzt er auf bullige V6-Power und einen markigen Auftritt. Wem der normale Amarok selbst als Sondermodell Aventura noch zu zahm sein sollte, dem dürften beim Anblick des Red Rok schneller als gewünscht die Augen übergehen. Denn die Messeabteilung von VW Nutzfahrzeuge in Hannover bekam etwas Spielgeld und durfte sich an einem spektakulären Einzelstück mächtig austoben. Der VW Amarok Red Rock ist dabei nicht nur durch seine tiefrote Lackierung ein echter Hingucker. Der Hannoveraner hat es faustdick hinter den Ohren.

Liebling der Veredler

Keine Autoklasse wird in den USA derart individualisiert wie die Pick Ups. Die Bestseller Ford F-150, Chevrolet Silverado oder Dodge Ram sind im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten Alltagsfahrzeug, Lastesel und Freizeitmobil in einem. Kein Wunder, das die Giganten mit der offenen Ladefläche zwischen Boston, Salt Lake City und Reno umfangreich modifiziert werden, um den höchst eigenen Ansprüchen zu genügen. Ganz anders die Situation in asiatischen Staaten wo den Pick Ups oftmals ein bis zwei Klassen kleiner nur die Rolle des preiswerten Lastesels zukommt – weiß lackiert und praxisgerecht umgebaut.

Das krasse Gegenteil ist der VW Amarok Red Rok. Als ob der normale in Amarok im Straßenbild mit seinen üppigen Abmessungen und ausladenden Formen nicht schon genügend auffallen würde, geht das rote Baron als Einzelstück optisch wie technisch in die vollen. Eine echte Schau ist dabei der tiefrote Metalliclack, der in zahllosen Schichten in Handarbeit aufgetragen wurde. Insgesamt schluckte der Red Rock üppige 14 Liter Lack, ehe das ehemals baue Alltagsmobil in völlig neuem Glanz erstrahlte.

Optisch wie technisch ist der Red Rok nicht wiederzuerkennen. Dafür sorgt nicht nur die Lackorgie, sondern auch der Umbau von Motor, Fahrwerk und Innenraum. Statt der bekannten 258 PS leistet der drei Liter große Commonrail-Diesel stattliche 350 PS und brüllt mit seinem maximalen Drehmoment von 750 Nm aus voller Brust. Wie laut, das lässt sich über ein Bedienmodul am Mitteltunnel variabel einstellen. Bereits der normale Arbeitssound ist dabei bassig und sonor.

Wer die Backen passend zu den Kotflügelverbreiterungen auch akustisch noch weiter aufblasen will, schaltet per Fernbedienung das künstliche Akustikprogramm dazu und versetzt die Umgebung in Angst und Schrecken. Der Klang selbst aus dem Soundaktuator ist dabei reine Geschmackssache – passt aber zum markigen Auftritt des Einzelstücks. Denn statt des normalen Fahrwerks ist der rote Baron mit einem Luftfederfahrwerk unterwegs, dessen Bodenfreiheit sich ganz nach Gusto und Reifenwahl einstellen lässt. Mit seinem Dunlop-Sportreifen kauert sich der Amarok nicht nur im Stand gerne etwas tiefer auf den Asphalt; mit etwaig montierten Stollenreifen kann man das Fahrwerk auch in ungeahnte Höhe schrauben – auf Knopfdruck.

Damit die Verzögerung aus hohen Tempi trotz Leistung und Fahrzeugmasse keinerlei Probleme bereitet, wurde vorn wie hinten eine Hochleistungsbremsanlage verbaut und die beißt wenn nötig kräftig zu. Höchstgeschwindigkeit: deutlich über 200 km/h.

Anders als man es kennt präsentiert sich auch der Innenraum, denn die an sich lieblos grauen Kunststoffoberflächen des Serien-Amarok sind verschwunden und wurden mit schickem Alcantara oder schwarzem Klavierlack überzogen. Das sieht nicht nur schick aus, sondern fühlt sich klasse an und man sitzt auf den sportlich konturierten Lederstühlen ausgezeichnet. Mit seinem Leistungsplus und dem kernigen Klang geht der Dieselmotor bullig ans Werk schiebt den 2,5 Tonnen schweren Koloss mächtig an.

Dabei fällt man nicht nur wegen des roten Lacks, sondern auch wegen des mächtigen Radsatzes im Format 295 / 30 ZR 22 aus dem Hause OZ und den Niederquerschnittsreifen auf. Diese Räder sehen klasse aus, doch beim Fahrkomfort sollte man nicht zu viel erwarten. Die Pneus mit der niedrigen Seitenwand geben jede Fahrbahnunebenheit nahezu ungefiltert an die Insassen weiter. Gullideckel oder Bordsteine werden zur Tortur und beim Überfahren eines Geldstücks kann der Fahrer ohne Probleme Jahrgang und Prägeort nennen. Dazu beim Beschleunigen immer wieder dieser scharfe Klang und der gewaltige Schub – diesen Amarok will man haben.

Zehn Wochen hat das Team um VW-Messeexperte Bruno Bajkovec an dem Einzeldarsteller herumgebastelt. „Allein die Lackierung hat mit den zahlreichen Schichten sechs Wochen gedauert“, erzählt Bruno Bajkovec, der dem roten Koloss immer wieder einen verliebten Blick zuwirft. Lack, spezielle LED-Rückleuchten, Fahrwerk, Auspuffsound und das Alcantara im Innern – Bajkovec ist noch immer von jedem Detail seines Lieblings begeistert: „Wir haben die Lackfarbe auch mit einer Linie in den Kühlergrill und die Frontscheinwerfer übernommen. Hat sonst keiner.“ Er strahlt.

In den Umbau hat die Messeabteilung von Volkswagen Nutzfahrzeuge knapp 40.000 Euro gesteckt. Macht zusammen mit einem Basispreis von 66.000 Euro einen komplett ausgestatteten VW Amarok Aventura 3.0 TDI einen Wert von über 100.000 Euro. Zu kaufen ist das Einzelstück nicht, aber die einzelnen Komponenten wie Innenraum, Fahrwerk, Leistungssteigerung oder Lackierung sind allesamt auf dem Tuningmarkt bei Firmen wie 7-Lights, Werk2, OZ oder Neidfaktor zu bekommen. Dabei wäre wohl auch noch etwas mehr Leistung gegangen. Nachmachen dringend erwünscht!

TEXT Stefan Grundhoff; press-inform

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