Als der erste Smart Ende der 1990er Jahre auf die Straße kam, war das Konzept so ungewöhnlich wie einleuchtend: zwei Sitze, ein Minimum an Verkehrsfläche und eine Karosserie, die quer in manche Parklücke passte. Inzwischen baut Smart vor allem deutlich größere Elektroautos. Mit dem neuen #2 erinnert sich die Marke nun daran, womit sie einmal bekannt geworden ist.
Die Premiere auf dem Pariser Autosalon kommt genau 30 Jahre nach der Vorstellung des ursprünglichen Zweisitzer-Konzepts. Äußerlich bleibt der Neue seinen Vorfahren erstaunlich treu. Die Räder sitzen weit außen, die Überhänge sind kurz und die zweigeteilte Heckklappe ist wieder dabei. Auch die zweifarbige Karosserie gehört zum bekannten Smart-Repertoire.
Mit 2,746 Metern Länge beansprucht der #2 kaum mehr Straßenfläche als sein Vorgänger. Besonders eindrucksvoll ist der Wendekreis von nur 6,95 Metern, gemessen zwischen den Bordsteinkanten. Für ein Auto, das überwiegend in engen Straßen, Parkhäusern und Innenstädten unterwegs sein soll, ist das vermutlich die wichtigste Zahl im gesamten Datenblatt.
60 PS? Nein, 60 Kilowatt
Unter der kurzen Karosserie steckt eine eigens entwickelte Plattform namens Electric Compact Architecture, kurz ECA. Der Elektromotor sitzt hinten und leistet 82 PS bei einem maximalen Drehmoment von 130 Nm. Angetrieben werden ausschließlich die Hinterräder, die zudem breitere Reifen tragen als die Vorderachse.
Ungewöhnlich aufwendig fällt die Hinterradaufhängung aus. Statt einer einfachen Verbundlenkerachse bekommt der #2 eine Fünflenker-Konstruktion, die Smart als Premiere in dieser Fahrzeugklasse bezeichnet. Sie soll die Radführung verbessern und zugleich einen guten Kompromiss zwischen Wendigkeit, Stabilität und Komfort ermöglichen.
Die Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie fasst 35,8 kWh. Smart nennt eine vorläufige WLTP-Reichweite von bis zu 290 Kilometern und einen Normverbrauch von 13,6 kWh/100 km. Geladen wird mit maximal 65 kW Gleichstrom, wobei der Sprung von zehn auf 80 Prozent unter günstigen Bedingungen 20 Minuten dauern soll.
Das ist kein Schnellladerekord. Bei einem kleinen Stadtauto mit überschaubarer Batterie muss es allerdings auch nicht zwingend einer sein. Wichtiger wäre, dass der #2 im Alltag tatsächlich sparsam fährt und seine Reichweite nicht nur auf dem Prüfstand erreicht.
An der Wallbox sind je nach Version unterschiedliche Ladeleistungen möglich. Der Pure nutzt einen einphasigen Bordlader mit bis zu 7,4 kW, Pure+ und Premium können dreiphasig mit maximal 11 kW laden. Die Batterie lässt sich damit unter optimalen Bedingungen in etwa drei beziehungsweise fünf Stunden von zehn auf 80 Prozent bringen.
Kleine Karosserie, großes Sicherheitsprogramm
Die bekannte Tridion-Sicherheitszelle bleibt erhalten und wurde für die neue Generation zur Tridion Cell Evo weiterentwickelt. Wie beim ursprünglichen Smart bildet sie die tragende Struktur rund um die Fahrgastzelle.
Bei den Assistenzsystemen spart Smart trotz der kompakten Abmessungen nicht. Bereits in der Basisversion gehören ein adaptiver Tempomat mit Stop-and-go-Funktion und Autobahnassistent zum Umfang. Auch Totwinkelüberwachung, Querverkehrswarnung hinten und ein System zur Verringerung der Folgen eines Heckaufpralls sind vorgesehen.
Im Innenraum sitzen Fahrer und Beifahrer nebeneinander auf einer durchgehend wirkenden Sitzanlage. Das Cockpit bleibt offen gestaltet und bekommt ein 10,1 Zoll großes Zentraldisplay sowie eine separate 8,8-Zoll-Instrumentenanzeige. Über eine Halterung namens smart Pillar lassen sich kleine Zubehörteile direkt am Armaturenbrett befestigen.
Für Konnektivität sorgen 4G, WLAN und Bluetooth. Ein Paket für vernetzte Dienste ist für acht Jahre vorgesehen. Außerdem kann der #2 über die Vehicle-to-Load-Funktion externe elektrische Geräte versorgen. Dafür ist allerdings ein separat erhältlicher Adapter erforderlich.
Vier Ausstattungen zum Start
In Europa startet der smart #2 in den Ausführungen Pure, Pure+ und Premium. Bereits der Pure erhält LED-Scheinwerfer und die umfangreichen Assistenzsysteme. Beim Pure+ kommen unter anderem der stärkere AC-Bordlader und eine Sitzheizung für den Fahrer hinzu.
Der Premium bietet zusätzlich ein Glasdach, beheizbare Sitze mit Kunstlederbezügen und ein Soundsystem von Sennheiser mit sieben Lautsprechern. Außerdem stehen weitere zweifarbige Lackierungen und darauf abgestimmte Innenraumvarianten zur Wahl.
Zum Marktstart gibt es darüber hinaus eine auf 999 Exemplare limitierte Couture Edition. Sie kombiniert mattweißen Lack mit einem goldfarbenen Dach, 16-Zoll-Rädern mit goldenen Details und der Ausstattung des Premium. Eine nummerierte Plakette im Innenraum kennzeichnet die Sonderedition.
Der smart #2 befindet sich derzeit noch im europäischen Homologationsverfahren. Reichweite, Verbrauch und einzelne Ausstattungsangaben sind deshalb vorläufig. Einen Preis und einen konkreten Termin für die ersten Auslieferungen nennt Smart bislang nicht.